Pferdehaltung im Wolfsgebiet

Moderator: Sheitana

Benutzeravatar
GilianCo
Pegasus
Beiträge: 14029
Registriert: So 17. Mär 2013, 10:36

Re: Pferdehaltung im Wolfsgebiet

Beitrag von GilianCo »

Ja, stimmt, diese Beobachtungen kann man erst mal evaluieren. Aber für mich ist das nur eingeschränkt konstruktiv, weil es eben insgesamt nur immer wieder darum geht - wie gehen wir damit um, dass wir so viele Wölfe in D haben, und wie wir Weidetiere effektiv schützen.

Und da kann dann eine solche Evaluation eben schon mal als nicht sehr konstruktiv negativ auffallen, ....
crinblanc
Einhorn
Beiträge: 8216
Registriert: Mi 24. Mai 2023, 16:03

Re: Pferdehaltung im Wolfsgebiet

Beitrag von crinblanc »

Die Streuobst-Wiesen (Hanglage) hier ums Dorf verbuschen, weil die einzige Schaf- und Ziegenhalterin dort seit den Rissen in der Nachbarschft nicht mehr weiden läßt. Gut, das sind Mini-Fleckchen, die werden jetzt wohl gemulcht, und mit ihnen Igel, Blindschleichen und was da sonst so kreucht und fleucht...

Der Vorzeige-Schäfer (Schafe, Ziegen, kleine Rinder) im Murgtal (quasi ums Eck) - hat super Zäune, in diversen Beiträgen sowohl vom Wolfsbeauftragten
https://www.baden-tv.com/mediathek/vide ... m-murgtal/
(im Video von 2023 kann man auch gut erkennen, um welche Landschaft es geht und wie toll die mit Maschinen zu pflegen wäre- nämlich gar nicht. Und nein, die Hütten sind keine Ställe... )

als auch von Landtags-Abgeordneten gelobt
https://www.instagram.com/p/DKyyk1otd7n/

(was nicht daran hinderte, nach den Rissen mit dem Millimeter-Maß nach Schwachstellen zu suchen, damit man kein mehrfaches Überwinden von HS zugeben mußte und damit eine Entnahme beantragen hätte können)

ist in der Gegend Vorreiter für den Schutz mit HSH

-und denkt über Aufgabe nach, weil so trotz Zuschüssen einfach finanziell, zeitlich und emotional belastend und fast nicht mehr leistbar.Auch weil sich nette Menschen wohl von den Hunden gestört oder bedroht fühlen. Und weil nach wie vor eine Rudelbildung :vampschreck: im Raum steht.

Vor den Hunden hatte der in kurzer Zeit trotz gelobter Zäune 4 Mehrfach-Risse- immer vom gleichen Wolf. Der Betrieb hat übrigens hauptsächlich die 6-Litzen-Variante, mittlerweile wohl vom Profi-Betrieb gebaut und überprüft. Dem trau ich auch zu, daß er sich ganz bewußt gegen die billigere Netz-Variante entschieden hat, um die Amphibien und Kleinsäuger nicht zu gefährden, der ist sehr achtsam.
(aber wie sogar der Wildtierbeauftragte zugibt- "wenn der Wolf da rein möchte, kommt der da rein...)

Übrigens wird die Anschaffung von HSH in BW nicht gefördert (deshalb das Crowdfunding im Instadings) , nur geprüfte HSH werden mit einem Unterhaltsbeitrag unterstützt- und das normalerweise auch erst ab 100 Tieren- also 2 HSH pro 100.

ist also echt nicht so einfach "mach halt einen Zaun und hol dir nen Hund" (ich kann es tatsächlich nicht mehr hören, besonders, wenn das von Personen kommt, die absolut keine Ahnung haben, wie kompliziert das ist, aber glauben, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben)

Mich macht das irgendwie konkret betroffen, weil ich die Landschaft kenne und weiß, wie sensibel das Gleichgewicht dort ist - aber vielleicht ist das der einzige Weg- sollen doch Wölfe die Hänge abweiden, Wanderwege und Skiloipen freihalten... viel Spaß dabei. Ich selber würde auch kaum meine Weidetiere als auch meine Hunde dauerhaft riskieren und dabei noch draufzahlen und mich mit komischen Auflagen rumschlagen wollen.
Die Touristen (eine der Haupteinnahmequellen der Gegend) wird es sicher freuen, sich beim wandern durch Schlehen, Brombeeren und Wildrosen zu kämpfen. Oder halt nicht....
und was die Pflanzen- und Tierarten angeht, die auf solche Biotope angewiesen sind- tja, Pech gehabt. :nix:
Benutzeravatar
tara
Pegasus
Beiträge: 11406
Registriert: Di 15. Mai 2012, 11:44

Re: Pferdehaltung im Wolfsgebiet

Beitrag von tara »

Wie so oft, man sieht nur den einen Aspekt, und nicht das große Ganze.
Liebe Grüße
tara
☮️ 🇺🇦 🏳️‍🌈

Ändere deine Einstellung zu den Menschen, und die Menschen ändern ihre Einstellung zu dir.
Samy Molcho



Let's go Polo
Benutzeravatar
Romy
Schulpferd
Beiträge: 1157
Registriert: Fr 10. Aug 2012, 20:44
Wohnort: Dresden

Re: Pferdehaltung im Wolfsgebiet

Beitrag von Romy »

Mich hat heute auf der Straße ein Opa abgepasst und mir erzählt, dass sein Enkel auf dem Weg neben meiner Koppel jetzt schon 2x Wölfe gesehen habe. Beim ersten Mal habe die Familie gedacht, dass er sich vielleicht verguckt habe. Beim zweiten Mal habe er dann ein Video gemacht. Einerseits finde ich es ein bisschen gruselig, aber andererseits auch irgendwie beruhigend: Ich muss jetzt zumindest nicht mehr denken "Was, wenn die Wölfe meine Pferde eines Tages finden...?" Offensichtlich haben sie sich schon miteinander bekannt gemacht. :-)
crinblanc
Einhorn
Beiträge: 8216
Registriert: Mi 24. Mai 2023, 16:03

Re: Pferdehaltung im Wolfsgebiet

Beitrag von crinblanc »

Es gibt durchaus Fälle, wo man problemlos nebeneinander herwohnt

https://www.wochenblatt-dlv.de/feld-sta ... ide-578085

aber drauf verlassen würd ich mich nicht wollen- das kommt ganz auf die Umgebung, das Rudel bzw dessen Prägung und alternative Beute an.
Und auch auf die Jahreszeit- Frühjahr/Frühsommer sind immer recht entspannt, da ist leichte Beute im Wald zu machen.

Ich war/bin was die Ponys betrifft auch einigermaßen entspannt- wobei ich zum Herbst zumindest um den "Nacht-Paddock" noch ein paar Litzen ziehen werde, nachdem der olle Reißwolf mittlerweile mit weiblicher Verstärkung auch innerorts diniert.
Und die beiden eben keine richtige Herde sind und der Platz hier arg verwinkelt.... also doofe Bedingungen.

Hätte ich noch so eine Gruppe wie mit Omapony und dem Schimmelchen, wär ich vermutlich tiefenentspannt- die haben 2x größere Hunde sehr körperlich aus der Weide gebeten, einmal schätz ich, daß unser Dazwischengehen dem (Schäfer-)Hund den Hintern gerettet hat- der ist nie wieder auch nur in die Nähe eines Pferdes gegangen... :whistle:

Für Schaf- und Ziegenhalter find ich es mittlerweile allerdings echt schlimm, grad auch, was abweiden von Steilhängen, Bachtälern etc angeht.

Wobei meine Bekannte aus Portugal grad meinte, bei ihnen würde "der Wolf" (die haben scheint's nur einen in der Gegend- ob es immer der gleiche ist :nix: ) öfter mal vorbeilaufen und auch relativ ungeschützte/frei laufende Schafe und Ziegen ignorieren. Ist allerdings auch eine wald- und wildreiche Ecke.

Allerdings meinte sie auch, täte er das nicht, wär er erfahrungsgemäß irgendwann "weg"....
Zuletzt geändert von crinblanc am Di 28. Jul 2026, 11:23, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Romy
Schulpferd
Beiträge: 1157
Registriert: Fr 10. Aug 2012, 20:44
Wohnort: Dresden

Re: Pferdehaltung im Wolfsgebiet

Beitrag von Romy »

crinblanc hat geschrieben: Di 28. Jul 2026, 10:24Allerdings meinte sie auch, täte er das nicht, wär er erfahrungsgemäß irgendwann "weg"....
Ich gehe davon aus, dass das hier auch so wäre - die Leute hier in der Gegend nehmen solche Dinge erfahrungsgemäß selbst in die Hand.
crinblanc
Einhorn
Beiträge: 8216
Registriert: Mi 24. Mai 2023, 16:03

Re: Pferdehaltung im Wolfsgebiet

Beitrag von crinblanc »

ich schätz auch, daß das mit ein Grund für den Rückgang von gemeldeten Rissen ist- viele Nutztierhalter melden es nicht, weil man, wenn man den Schaden hat, nicht auch noch für den Spott sorgen muß, einen Tag freinehmen für die Begutachtung und am Ende mit Glück noch wegen Verstoß gegen das TsG angezeigt wird :whistle:
also meldet man wohl mancherorts im Zweifel gar nichts mehr und "kümmert sich selber..." :nix:

was ich in der Sache definitiv nicht ok finde- aber dennoch verstehen kann, wie es dazu kommt.

Antworten