Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Moderator: Sheitana

crinblanc
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von crinblanc »

wobei man hier auch drauf schauen muß, wie alt das Pferd ist und die Fehlstellung bereits besteht (und wieso sie überhaupt entstanden ist)- und abwägen, ob eine Korrektur überhaupt Sinn macht oder zb bei einem alten Pferd unnötige Probleme mit der Umstellung bereiten würde :nix:

genau das find ich bei nem wie auch immer gearteten Hufbearbeiter viel wichtiger als die Schule- daß der in der Lage ist, das Gesamtpaket inklusiv Haltungsbedingungen und -möglichkeiten einzuschätzen.
An sich hätt ich super gern einen Profi, der wenigstens ab und zu drüberschaut. Ob ich da gezielt nach nem HO suchen würde? Eher nicht. Wär mir vollkommen egal, wer, was und wo, wenn es passt... (mein ganz "alter" Mentor war zb US-Hufschmied, hat aber gut 90% barhuf gemacht und konnte das richtig gut. Das war noch bevor das Berufsbild "Hufpfleger" überhaupt etabliert war.).
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Cate
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Cate »

Ich hab seit mehr als 15 Jahren einen NHC-Bearbeiter am Pferd bzw Pferden, er macht den Großteil der Pferde in unserem Stall. Huforthopäden und einen klassischen Schmied gibt's auch im Stall.
Ich hatte vorher einen Schmied, aber mein jetziger Bearbeiter war der Einzige, der willens war, meine Norikerstute nach einem Reheschub ohne Eisen zu rehabilitieren. Wir haben Nora mit kurzen Bearbeitungsintervallen (2 - 3 Wochen) und Hufschuhen wieder ans Laufen gebracht, genauso wie Jahre später Fine auch. Ein Bearbeiter, der Besitzern zuhört, Bitten beherzigt oder erklärt, warum nicht und bereit ist für ein (!) Shetty 40km Anfahrt in Kauf zu nehmen, hat bei mir schon Pluspunkte. Im Lauf der Jahre hab ich auch ein paar mal erlebt, dass er ohne Groll Pferde abgegeben hat, wenn er bei deren Hufen nicht weiter kam.
Den Schmied, der zu einem Pferd bei uns in den Stall kommt, würde ich auch ans Pony lassen, die Huforthopäden eher nicht, da haben die Pferde für meinen Geschmack zu lange Zehen und untergeschobene Trachten. Außerdem mag ich deren Art, mit den Pferdebesitzern umzugehen ("das ist halt so", "das muss so") nicht. Oder kurz gesagt, ich finde sie weder fachlich noch menschlich für mich akzeptabel. Selbst raspeln kann ich aufgrund meines Rückens nicht mehr, habe ich früher zwischendurch immer mal gemacht.
Es ist sinnvoll, sich mit dem Üben anzufreunden, denn man wird weit mehr Zeit mit Üben verbringen als damit, perfekt zu sein - Maren Diehl

Was wir sehen, hängt hauptsächlich davon ab, wonach wir suchen - Sir John Lubbock :puppy: :puppy:
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Romy
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Romy »

Ich finde es spannend, dass jetzt mehrere Male kam, dass bei euren Huforthopäden-Beobachtungen die Zehen zu lang wurden. Spannend, weil ich ja Anfang April letzten Jahres nach dem HO-Besuch und HO-Kurs die Bearbeitung meiner Pferde umgestellt habe. Und nach den ersten zwei Monaten ist genau das passiert - die Zehen sind mir nach vorn abgehauen. Vor allem bei Pia war das deutlich. Bei uns hat sich das aber in der zweiten Sommerhälfte wieder gelegt. Nach euren Berichten bin ich jetzt sehr gespannt, ob dieser Verlauf, also vor allem, dass es nach einer kurzen Umstellungsphase wieder anders geworden ist, kein typischer Verlauf war, sondern möglicherweise daran lag, dass ich nicht "richtig" huforthopädisch arbeite.

Bei den Pferden am Donnerstag waren durchweg keine Zehen zu lang, ganz im Gegenteil. Da war ich richtig verblüfft, wie die Hufe aussahen, die hatten nämlich teilweise gar keine Zehe (also eine schwebende, weit abgelaufene). Das lag aber nicht an der Bearbeitung, sondern an den Bodenverhältnissen auf diesem Hof. Da ich noch nie Hufe aus so einer Haltungsform gesehen habe, war ich wirklich überrascht, wie deutlich und konsistent sich das in den Hufen widergespiegelt hat.
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Berry
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Berry »

Ich hatte hier keine Auswahl, es gab nur Hufpfleger nach NHC. Einer hat mir vieles beigebracht und ich habe die Hufe lange selbst bearbeitet. Das kann ich aus körperlichen Gründen nicht mehr und es kommt schon länger wieder eine NHC-Bearbeiterin. Die wurde mir empfohlen und meine Pferde laufen gut. Ich wüsste keinen Huforthoäden hier in der Nähe, hab aber auch schon länger nicht mehr geschaut.
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Romy
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Romy »

Berry hat geschrieben: Sa 10. Jan 2026, 22:09Ich wüsste keinen Huforthoäden hier in der Nähe, hab aber auch schon länger nicht mehr geschaut.
Die DHG hat eine Karte.

So interessant, wie viele hier eher aus praktischen Gründen entscheiden. Das hab ich ehrlich gesagt genauso gemacht letztes Jahr, als ich die Hufprobleme hatte und nach 25 Jahren alleine bearbeiten das Gefühl hatte, nicht mehr klarzukommen. Der Hufbearbeiter, der mir das 2000 beigebracht hat, ist längst in Rente. Ich würde sagen, das war eher NHC, aber diese chicen Begriffe waren damals noch nicht so verbreitet, deswegen weiß ich es nicht genau. Also hab ich zunächst versucht, seinen Nachfolger zu kontaktieren, aber der hat nicht geantwortet. Deswegen hab ich Frank gefragt. Aber nicht extra deswegen, weil er Huforthopäde ist, sondern weil ich ihn als Jugendliche mit seinem Pferd umgehen sehen hab (sie waren oft da spazieren wo ich aufgewachsen bin). Deswegen war ich mir sicher, dass er lieb mit meinen Pferden umgehen würde und sie sich auch nach dem Termin noch auf die Hufbearbeitung freuen würden. Ich bin also quasi da reingerutscht.

Warum ich vorerst dabei bleibe, ist auch ein praktischer Grund, aber aus anderer Sicht praktisch: Konstanze hat mit ihrem wissenschaftlichen Hintergrund Lust darauf, sich über Zusammenhänge und "es kommt drauf an" zu unterhalten und gemeinsam zu überlegen, wie man Zusammenhänge besser verstehbar machen kann. Ich brauche jemanden, der gerne viel Zeit darein versenkt, gemeinsam zu denken. Wäre das ein NHC-Bearbeiter gewesen, bei dem ich diese spielerische Freude am Denken erlebt hätte, dann würde ich jetzt vielleicht in diese Richtung weitergehen. Schon lustig, wie Zufälle und persönliche Umstände manchmal bestimmen, wie sich die eigenen Wege ausformen.
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Berry
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Berry »

Romy hat geschrieben: Sa 10. Jan 2026, 22:34 Die DHG hat eine Karte.
Ja, aber auch dort ist keiner im Umkreis von unter 60 km. Zum Glück bin ich mit meiner NHC-Bearbeiterin sehr zufrieden ;)
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Nucades »

Romy hat geschrieben: Sa 10. Jan 2026, 09:49 Lieben Dank für eure ganzen Berichte und Standpunkte!
Nucades hat geschrieben: Fr 9. Jan 2026, 09:31Es ist dann jemand geworden, der bei Frau Dr. Strasser gelernt hat. Er hat uns über viele Jahre begleitet und ich habe sehr viel von ihm gelernt.
Nun haben wir seit einigen Jahren eine HO und die Hufe haben sich zum Glück nicht verändert.
Das ist spannend! Hast du mal mit der HO darüber gesprochen, warum das so ist? Also ob sie im Fall deines Pferdes die gleichen Ziele verfolgt wie ein Strasser-Bearbeiter und unter welchen Bedingungen sie das so oder anders machen würde? Das wäre zum Beispiel auch etwas, das mich in so einer Studie interessieren würde - also ob es bestimmte Hufsituationen gibt, bei denen die Ansichten verschiedener Schulen eher konvergieren oder auseinandergehen und von welchen Faktoren genau das abhängt.
Nein, direkt haben wir nicht darüber gesprochen.
Sie hat sich bei der Übernahme sehr positiv über die Arbeit ihres Vorgängers geäußert. Das macht sie nur, wenn sie es auch so meint ;-)
Ich denke, dass beide Bearbeiter erkannt haben, was die Hufe "wollen" und beide können sie entsprechend begleiten. Dass der erste Bearbeiter etwas mehr Strahl weggenommen hat und die HO etwas mehr an der Hufwand raspelt, scheint wenig relevant zu sein.
Beide hielten/halten die Eckstreben gut in Schach, was wesentlich zum Laufkomfort meines Pferde beiträgt.
Und es ist beiden gemeinsam, dass sie aufgrund ihrer langen Erfahrung nicht (mehr?) versuchen jeden Huf dem optimalen theoretischen Zustand ihrer Schulen anzupassen.

Lange Zehen kann ich bei der HO nicht beobachten, wohl aber bei mehreren NHC-Bearbeitern in meiner Umgebung.
Vielleicht gibt es da auch regionale Unterschiede :nix:
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GilianCo
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von GilianCo »

tara hat geschrieben: Fr 9. Jan 2026, 08:37 Ich habe beim Begründer der Huforthopädie gelernt (Hufkurs für Freizeitreiter). Soll heißen, ich kann mit Raspel und Messer umgehen. Mehr als rund raspeln und loses Material entfernen habe ich allerdings nie gemacht, das habe ich immer dem Fachmann überlassen.
Mittlerweile gibt es ja so viele (Glaubens)-Richtungen, was Barhufbearbeitungen angeht. Mir war und ist egal, welcher Richtung unser Bearbeiter folgt. Die Bearbeitung muß zum Pferd und seinen Hufen passen.

Das fasst im Grunde auch meine Einstellung / Erfahrung zusammen. Ich habe die verschiedenen Theorien, sich teilweise widersprechend, auch nicht immer ganz verstehen können, weil für mein Empfinden auch immer irgendwie der Huf die Bearbeitung vorgegeben hat. Aber ich bin auch "nur" bei einem sehr barhurorientierten Schmied mitgefahren (der am Ende glaube ich kaum noch selber beschlagen hat, wobei mein Pony damals von ihm noch Eisen bekommen hat, aufgrund seines Nageltritts und seiner OP diesbezüglich).
Schnucke hat geschrieben: Fr 9. Jan 2026, 12:17 Ihre Antwort war, ja das sieht sie auch, ABER so würde sie nicht bearbeiten das ginge gegen alles was sie jemals gelernt hat :staun: . Ich könne gern selber weiterraspeln, weil eigentlich mache ich das ja ganz ordentlich..........

Seitdem raspel ich wieder selber. (ok mit kurzen Versuchen doch wen ans Pferd zu bekommen ders gelernt hat)
Das bestätigt ja auch meine Idee - dass man sich vielleicht auch nicht zu sehr an einer "Schule" "verbeißen" darf, weil der Huf eben die Bearbeitung ein wenig vorgibt.... scheinbar hast Du die "Bedürfnisse jedenfalls besser erkennen können, weil Du nicht auf eine bestimmte Schule "festgelegt" warst.
Romy hat geschrieben: Sa 10. Jan 2026, 09:56 [ Er hat mir dann jeweils erklärt, warum die Verformungen das jeweilige Pferd nicht stören und dass er nichts ändern würde, das nicht problematisch ist, weil das immer die Gefahr birgt, sich damit neue Probleme einzuhandeln, die man vielleicht gar nicht absehen kann. Sowas sehe ich selbst noch gar nicht gut, also ob etwas, das von einer Idealvorstellung abweicht, funktional ist oder nicht. Da freue ich mich sehr darauf, darüber in der nächsten Zeit mehr zu lernen.
Das ist auch immer eine Gradwanderung. So bin ich zu meinem damaligen Schmied gekommen - denn der hat zwar die etwas zehenenge Stellung meines Pferdes gesehen, mir aber erklärt, dass man bei "so alten Pferden (der war damals acht) da nichts mehr korrigiert. Grundgedanke richtig - wenn allerdings die bekannte Fehlstellung, mit der das Pferd grundsätzlich klarkam nach und nach immer deutlicher wird, und das Pferd dann noch anfängt zu lahmen - dann muß doch zumindest geschaut werden, dass sich eine bekannte Fehlstellung, die noch akzeptabel ist, sich nicht verschlechtert im Laufe der Zeit durch die Bearbeitung - oder durch Mängel in derselben ....
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Topsana
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Topsana »

Ich habe klassische Hufbearbeitung gelernt, an einer Schule, die offen für alle Methoden ist und keine andere Schule oder Methode schlecht macht. Das war mir sehr wichtig. Ich hatte dadurch eine gute Basis und konnte und kann mich weiterbilden in sämtliche Richtungen, die mich interessieren.

Ich bin einfach überhaupt kein Fan von Extremen. Und viele Hufschulen lehren sehr streng nur ihre eigene Philosophie und machen teilweise auch andere schlecht.

Und, wie auch schon viele hier geschrieben haben, suchen denke ich die meisten Pferdebesitzer:innen den Hufmenschen eher nicht nach Ausbildung aus. Also manche schon natürlich.
Aber es gibt ja so viele weitere Faktoren, die da mit rein spielen. Ganz viel läuft ja über Empfehlungen, oder wenn ich an einem Stall arbeite und jemand anders sieht, wie ich arbeite und mit dem Pferd umgehe und fragt mich, ob ich noch Kapazitäten habe. Da zählt der persönliche Eindruck oft viel mehr.
Und ein riesiger, wichtiger Punkt ist einfach der Umgang mit dem Pferd. Die Leute wollen, dass man ihr Pferd fair behandelt, sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht. Für viele Pferdemenschen ist der Hufmensch auch einfach wichtig, um mal die ganzen Sorgen los zu werden, die man rund ums Pferd hat.
Die Persönlichkeit des einzelnen Hufmenschen spielt meiner Meinung nach oft eine größere Rolle, als die Ausbildung.

Und ich arbeite auch nicht mehr 1:1 zu wie ich es gelernt habe. Ich denk, das ist fast bei jedem so. Dass man eine Ausbildung macht und danach noch stetig dazu lernt, seine Erfahrungen sammelt und seine Arbeit anpasst.
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Veilchen
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Veilchen »

Ich hab 2013 die Ausbildung nach NHC gemacht. Warum nicht Huforthopäde? Ganz einfach, die Ausbildung war damals nicht mit meinem Leben vereinbar. Ich hatte Mann und 2 Kleinkinder. Da war es für mich nur möglich am Wochenende weg zu sein.

Letztes Jahr habe ich dann noch meine Ausbildung zur Huftechnikerin abgeschlossen. Jetzt fahr ich immer noch regelmäßig mit meinem Schmied hier mit um weiter zu lernen. Und es ist wirklich faszinierend, was man mit einem gezielten Eisenbeschlag verändern kann.

Was ich so sehe von Huforthopäden hier in der Gegend, sind tatsächlich meistens km lange Zehen. Gibt aber genauso Schmiede, die die Zehen zu lang lassen.
Es gibt sicher auch Pferde, zu denen diese Art der Bearbeitung passt, aber auch viele Pferde zu denen das nicht passt. Das hatte ich als NHCler auch. Man muss dann einfach wissen, wann man abgibt oder man guckt mal über den Tellerrand und fährt mal mit einem guten Schmied mit und schaut sich an, wie der arbeitet.
Mein Schmied z.B. wird von Tierärzten geholt. Da heißt es dann, Du nach mal, dass der wieder läuft und meistens schafft er das auch.
Liebe Grüße vom Veilchen

Es ist, wie es ist. :giraffe:
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