Jungpferd und Kopfkino bei mir

Moderator: Keshia

ehem User

Re: Jungpferd und Kopfkino bei mir

Beitragvon ehem User » So 17. Mär 2013, 09:04

Kennst du den Anti-Angst-Kurs von Babette und Tania?
Ich persönlich habe ihn nicht, aber vllt. gibt es auch zu solchen Problemen Tipps dazu?

Entspannung und Vertrauen kann man trainieren, wie ein Muskel. Lass dich nicht entmutigend, wenn z.b. der Tipp mit dem Stopp-Schild nicht auf anhieb klappt. Übung macht den Meister.
Ich würde meine Erwartungen zurück schrauben. Mach nur noch das mit deinem Pony, bei dem du dich absolut sicher fühlst. Gehe dann in Minikleinen Schritten vor. Könnte ihr zu Beginn nicht erstmal eine Kleine Hausrunde gehen, bei der du dich sicher fühlst?
Fühlst du dich evtl. am Boden sicherer?
Dann könntest du spazieren gehen und wenn du soweit bist gezielt angsteinflößende Situationen suchen. Wo fahren die meisten Trecker lang, wo könnte ein Wassersprenkler sein und dann könntest du die Sachen vom Boden mit Clicker erarbeiten. Quasi Schrecktraining draußen.

Mach dir selber nicht so viel Druck. Wenn du es schaffst ihm wieder zu vertrauen, schweißt das ungemein zusammen. ABER: Das geht nicht von heute auf morgen. Gib euch Zeit. :ohm: :ohm:

ehem User

Re: Jungpferd und Kopfkino bei mir

Beitragvon ehem User » Di 26. Mär 2013, 11:58

Als Erstes muss ich sagen, dass ich sehr froh bin, ein paar Gleichgesinnte gefunden zu haben. Ich war auch immer einer der Reiter, die sich sofort auf jedes Pferd gesetzt haben - je schwieriger, desto besser. Aber seit ich meinen "Jungen" habe, hat sich das alles geändert.

Bei mir ist es ein ähnliches Problem, nur anders herum. Unser "Drama" ist das Spazieren laufen. Zuerst ist alles gut, dann beginnt er zu drängeln und es hat sich schon so weit hoch geschaukelt, dass er sogar gestiegen ist. :( Sicherlich ist es alles eine Frage des Vertrauens und der Erziehung, aber seit ich das ein paar Mal erlebt habe, führe ich ihn nur noch mit einem sehr mulmigen Gefühl vom Hof weg und das, obwohl es zwischen drin immer mal wieder ganz gut funktioniert hat.
Ausreiten ist bei uns allerdings gar kein Problem. Ich würde ihn in jede schwierige Situation viel lieber reiten als führen. (Bodenarbeitmäßig müssen wir also noch sehr viel arbeiten).

Was mir etwas geholfen hat ist: Mich nicht darauf zu versteifen, dass das jetzt funktioniert. Ich habe mich erst mal wieder auf andere Dinge konzentriert – also auf das, was uns beiden mehr Spaß macht und mehr Sicherheit gibt. Immerhin läuft uns ja nicht die Zeit davon.
Vielleicht hilft es dir, auch erst einmal nur Schritt und Trab im Gelände zu machen, dann bist du mit dem Kopf bei der Sache und nicht beim Galopp, der schief gehen könnte (sofern der Galopp das Problem ist). Und erst, wenn du wieder einige entspannte Ausritte hinter dir hast, dann mit einer Begleitung wieder an den Galopp heran tasten und das an einem besonders guten Tag, an dem du dich besonders gut fühlst.

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich meine damit nicht, die Probleme zu verdrängen oder sich ihnen nicht zu stellen, sondern viel mehr sich erst einmal auf etwas gewohntes, gutes, funktionierendes zu konzentrieren, bis man selbst wieder die nötige Kraft und Sicherheit hat, sich seinem Problem zu stellen.

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Re: Jungpferd und Kopfkino bei mir

Beitragvon Sky4ever » Di 26. Mär 2013, 13:07

Oh ja, das mit dem Spazierengehen kenne ich auch :-n :-n :-n Als ich Ýmir bekommen hatte, hat er mich etliche Male alleine im Gelände stehen lassen und ist mit wehenden Führstrick an der Seite am Horizont verschwunden :shifty:

Das haben wir mittlerweile schon ad acta gelegt. Beim Führen ist er jetzt immer ganz lieb bei mir, auch wenn ich schon manchmal merke, wie gerne er losstürmen würde. Aber er achtet jetzt immer auf mich. Da habe ich volles Vertrauen in ihn.

Beim Reiten sind es auch nicht mehr diese Situationen, wie zu Beginn meines Threads hier, also Trecker oder Sprengleranlagen, die uns Schwierigkeiten machen. Ýmir hat sehr gut gelernt, in Situationen, in denen er Angst hat, auf mich zu hören. In solchen Momenten kann ich auch selbst ganz ruhig bleiben. Gemeinsam haben wir bisher alle pferdefressenden Ungeheuer gemeistert.

Nein, was mich verunsichert, ist sein plötzliches Losstürmen. Und dies spielt sich ja sogar nicht im Galopp ab, sondern im (Renn-)Tölt. Dieses Losstürmen kündigt sich für mich nicht an, zumindest bemerke ich keinerlei Anzeichen vorher bei ihm. Und gerade das macht es mir so schwer, damit umzugehen. Weil ich eben in jedem Moment damit rechnen muss. Das ist kein schöner Gedanke während eines Ausritts :-z Und es wirkt sich auch nicht gerade positiv auf mein Vertrauen aus :seufz:

Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass die Gesamtumstände zurzeit nicht so ganz günstig sind. Unser Hofbesitzer hat Anfang März (als es so schön warm war) die Weiden gedüngt. Und dann kam plötzlich der Schnee zurück. Der Dünger liegt jetzt unter einer dicken weißen Schicht, aber er ist noch nicht in den Boden eingesickert. Tja, und deshalb sind momentan alle Koppeln gesperrt. Die Ponys stehen also nur auf den Paddocks am Hof. Die sind zwar nicht klein, aber zum großartigen Rumtoben laden sie auch nicht ein. Ich denke wirklich, dass Ýmir einfach unterfordert ist. Er liebt es, zu spielen und rumzutollen. Und das Grün vermisst er sicherlich auch, denn sie stehen sonst sommers wie winters auf den Weiden.

Da dieses Losstürmen ja erst jetzt aufgetreten ist, hoffe ich mal, dass es wieder aufhört, wenn er wieder Weidegang hat.
Ich beschränke mich momentan auf Platzarbeit (auf dem Pferd und neben dem Pferd), Spaziergänge und - wenn ICH selbst gut drauf bin - machen wir auch Ausritte. Da war er seit dem einen Zwischenfall wieder ganz lieb.

So möchte ich mein Kopfkino bald wieder zum Verstummen bekommen :flieg:

ehem User

Re: Jungpferd und Kopfkino bei mir

Beitragvon ehem User » Di 26. Mär 2013, 13:45

Freut micht zu hören, dass es nicht nur mir so geht. Wie hast du das mit dem Spazieren gehen denn hinbekommen?

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass das Problem einfach ist, dass die Pferde nicht so gut ausgelastet sind. Ich glaube, dass dieser Wechsel - es wird Frühling - und dann ist doch wieder Winter - auch in den Pferden sehr viel anstaut. Jedenfalls merke ich das auch bei meinem Pferd. Glücklicherweise kann ich ihn einfach mal in der Reithalle rennenlassen. Da tobt er sich richtig aus, ohne dass ich ihn treibe etc. Aber so ausgeglichen wie im Sommer wirkt er nicht.
Ich denke es wird wieder einiges besser, wenn sich auch die Umstände (Wetter -> Weidegang) verbessern. Jedenfalls können wir ja darauf hoffen :-)
Und wenn nicht, könntest du auch versuchen dein Pferdchen einfach so sehr im Gelände zu beschäftigen, dass er mit den Gedanken bei dir ist und nicht darüber nachdenkt einfach loszustürmen. ;-)

ehem User

Re: Jungpferd und Kopfkino bei mir

Beitragvon ehem User » Sa 30. Mär 2013, 09:09

hallo,

schön zu lesen, dass man mit gewissen probleme nicht allein ist. und auch schön zu lesen, wie viele verschiedene wege es gibt, an ein problem heranzugehen.

ich habe das auch mit meinem pferd, obwohl lilou grundsätzlich sehr lieb ist. aber - wenn ihr etwas nicht passt oder sie etwas ganz schrecklich findet, dann wird sie riesengross und kann sich wie ein rodeo-pferd gebärden :shock: .

wir haben viel bodenarbeit gemacht, machen wir noch immer (ich muss mir viel einfallen lassen, weil sie sich schnell langweilt). und auf dem platz klappt alles wirklich gut. ich habe seit einiger zeit angefangen, allein mit ihr ins gelände zu gehen, weil ich die erfahrung gemacht habe, dass, wenn andere pferde aus dem stall dabei sind, sie sich viel mehr auf die konzentriert, als auf mich *frust*.

mir hilft es, den sehr langen strick zu haben (3,70m), so kann sie halt mal einen satz zur seite machen oder auch mal um mich rumrennen (wenns der platz hergibt und sie nicht auf und davon will...), ohne dass sie gleich in den widerstand des strickes springt, was ja den druck verstärkt. allerdings geht bei mir eben auch sofort der adrenalinpegel hoch.

und wenn das adrenalin so hoch ist, denke ich, merkt es auch mein pferd :( der rat, den ich bekam, war, so unbeteiligt wie möglich zu bleiben. *ähem*, das hört sich soo kool an, ist aber nicht immer so leicht umzusetzen. ich merke nämlich auch, dass ich oft im vorhinein kopfkino hab (so wie HP-manu es beschrieben hat) - was ist, wenn.... ich ärger mich selbst drüber, weil ..."self-fullfilling prophecy" und so :wall: . deshalb werd ich es beim nächsten mal auch mit dem miracoli-lied versuchen :)

was ich noch mache: immer vorher auf den platz gehen, dort ein paar übungen mit ihr machen und so "ihre laune abfragen". das ist zwar keine 100% garantie, aber ich bekomme einen eindruck. und wenn sie doof drauf ist, dann gehe ich einfach gar nicht los, sondern belasse es dabei.

wenn ich im gelände merke, dass ihre spannung steigt -also nicht plötzlich, sondern eben wie sie atmet, dann versuche ich ganz gezielt dagegen zu atmen. hört sich vielleicht blöd an, aber ich versuche dann besonders langsam, tief und bewusst zu atmen. zum einen, um mich selbst zu beruhigen, aber auch, um das *hoff* auf mein pferd zu übertragen. und ich bleibe dann oft ganz bewusst stehen. lasse sie einfach auch stehen und gucken. rede auch nicht (um die stimmung nicht zu verstärken), sondern übe das neutral bleiben.

ausserdem versuche ich im gelände die dinge abzurufen, die wir auf dem platz immer wieder üben . kopf runter, rückwärts weichen, huf geben, etc.. wenn das abrufbar ist, habe ich einfluss auf sie und ihre aufmerksamkeit.

es klappt soweit ganz gut, aber ich bin weit davon entfernt, tiefenentspannt im gelände herumzuspazieren, und es sind ja auch nur kleine runden, die wir gehen, sozusagen homöopathische schritte :)

so hoffe ich aber, dass wir uns schritt für schritt durch stete wiederholung, sich-besser-kennenlernen und vertrauen aufbauen einfach weiterentwickeln zu einem echten team, bei dem sich jeder auf den anderen verlassen kann...

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Re: Jungpferd und Kopfkino bei mir

Beitragvon Sky4ever » So 12. Mai 2013, 11:05

Linara hat geschrieben:Freut micht zu hören, dass es nicht nur mir so geht. Wie hast du das mit dem Spazieren gehen denn hinbekommen?
Da bin ich ja noch eine Antwort schuldig :shy:

Also, das Losreißen beim Spazierengehen war in dem Moment vorbei, wo ich meine eigene Unsicherheit ad acta gelegt hatte.

Ich hatte ja keinerlei Jungpferdeerfahrung, als ich Ymir kaufte. Ich vertraute auf meine 30jährige Pferdeerfahrung und auf ein Züchterehepaar als Nachbarn. Ich musste schon bald mir eingestehen, dass ein Jungpferd noch eine andere Herausforderung ist als die ganzen verschiedenen "alten Hasen", die ich vorher kannte. Meine Unsicherheit wurde immer größer, gerade auch beim Führen. Denn Führen war für mich vorher nichts besonderes gewesen, jedes erwachsene Pferd, was mir vorher begegnet war, ließ sich von mir von A nach B bringen. Dabei ging es manchmal nicht gerade vorbildlich zu, aber ich konnte jedes Pferd irgendwie bewegen. Aber Ymir verstand gar nicht, was ich von ihm wollte. Er parkte neben mir und guckte mich mit großen Augen an. Und die Tipps der Züchter waren wenig hilfreich. Sie kommen aus der Dominanzecke und meinten, ich sollte mehr Druck ausüben. Das Resultat war, dass Ymir mir den Strick aus der Hand riss und weglief. Denn er merkte ja meine Unsicherheit und zusätzlich meine Versuche, ihm gegenüber bestimmt aufzutreten. Das passte nicht zusammen, und er suchte sich seinen eigenen Weg durch dieses Chaos.

Erst die Hilfe von Silke, einer kompetenten Pferdeausbilderin, die nicht auf Dominanz beharrt, hat uns zueinander geführt. Ich hatte sie auf Empfehlung angeschrieben und von unseren Problemen berichtet. Sie nahm Ymir für ein paar Wochen zu sich "in Beritt" (er wurde ja noch nicht geritten, sie machte lediglich Bodenarbeit, Longieren nach dem LK und eben Spaziergänge mit ihm). Und bei ihr verhielt sich Ymir sofort mustergültig. Sie strahlte ja auch Sicherheit aus.
Ich habe ihr viel bei der Arbeit mit Ymir zugeguckt und bald auch verinnerlicht, dass er einfach nur lieb ist und auf seinen Zweibeiner achtet. Wenn man ihm denn die Möglichkeit gibt, zu verstehen, was man von ihm will. Meine eigene Unsicherheit in Bezug auf Ymir verschwand.

Und nach ein paar Wochen übernahm ich unter Aufsicht von Silke die Arbeit mit Ymir. Von da an hatten wir nie wieder Probleme an der Hand. Auch nicht, als ich ihn nach Hause holte und bis zum Anreiten alleine mit ihm weiterarbeitete.

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Re: Jungpferd und Kopfkino bei mir

Beitragvon Sky4ever » So 12. Mai 2013, 11:13

Und um noch ein wenig von unserer Entwicklung in den letzen Wochen zu berichten, noch ein paar Neuigkeiten von uns.

Wir haben seit Mitte März wieder regelmäßig Reitunterricht. Dort entwickelt sich Ymir ganz toll. Wir arbeiten an der Aktivierung seiner Hinterhand und an der Anlehnung. Er macht von Woche zu Wochen Riesenfortschritte. Meine RL ist ganz begeistert.

Und auch bei Ausritten habe ich wieder meinen kleinen Engel zurück. Die Ponys stehen jetzt ganztägig auf der Weide, und er ist super ausgeglichen. Vorgestern konnte ich sogar mit einer Freundin und ihrem Isi nebeneinander galoppieren. Beide Ponys waren voll konzentriert, standen perfekt an den Hilfen und liefen ganz locker und langsam in einer Höhe. Durchparieren erfolgte durch Stimme. :stolz:

Das zeigt mir wieder einmal, dass Pferde, insbesondere wenn sie jung sind, einfach viel Auslauf brauchen, dann läuft vieles von alleine.

Mein Kopfkino ist zurzeit stumm :freu:

ehem User

Re: Jungpferd und Kopfkino bei mir

Beitragvon ehem User » Mo 13. Mai 2013, 14:40

Das liest sich super, Sky4ever :happy: :freu:
Sky4ever hat geschrieben: Das zeigt mir wieder einmal, dass Pferde, insbesondere wenn sie jung sind, einfach viel Auslauf brauchen, dann läuft vieles von alleine.
Ich kann das hier nur bestätigen. Nelli hat sich auch sehr gewandelt, seit sie nun wieder 24 h auf den Wiesen ist. Es ist wirklich immens, wie sich das aufs Gemüt und die Coolness auswirkt. Und so schwindet auch bei mir langsam die Angst. Allerdings erobere ich mir das Spazierengehen wirklich Schrittweise, das ist auch für mich wichtig. Ich wollte mir lange nicht zugestehen, wie unsicher und ängstlich ich den Winter über geworden bin. Diese winzingen Schritte helfen mir dabei sehr, selbst wieder sicherer zu werden und das dann auch auszustrahlen.

Was ich aber noch merke ist, dass bei Nelli auch Veränderungen in der Herde extremen Einfluss haben. Nun weiß ich nicht, ob auch das sich irgendwann etwas legt. Mit Veränderungen meine ich, dass ab und an mal zwei Pferde auf Lehrgang weg sind, oder wie am letzten Wochenende für vier Tage auf Wanderritt. Da kann man dann gar nichts mit ihr anfangen, sie ist geladen, horcht immer zu den anderen, übrig gebliebenen Herdenmitgliedern und ist völlig aufgeregt, wenn irgendwo Hufgetrappel zu hören ist. Nun ist es aber auch eine kleine, sehr harmonische Herde ohne Fluktuation - da fällt längere Abwesenheit schon auf.

Ist die Herde komplett oder sind die anderen nur stundenweise weg, ist das gar kein Problem. Da löst sie sich problemlos und selbst wenn ich einem der anderen Pferde draußen begegne, bleibt sie brav bei mir ....

Also: Wir arbeiten dran. :mrgreen: Versuche aber Ausnahmezustände auch gleich zu erkennen und mache an diesen Tagen einfach NICHTS.


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