Zwei junge Pferde, zwei Szenarien: 1) klemmig 2) Anti!

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bubi9191
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Re: Zwei junge Pferde, zwei Szenarien: 1) klemmig 2) Anti!

Beitrag von bubi9191 »

Danke, also PSSM hab ich jetzt mal ein bisschen gegooglet, da zeigt sie wirklich keins der aufgeführten Symptome.
Außerdem ist sie Hannoveraner, was das ja nicht ausschließt, aber das Risiko auf jeden Fall minimiert. In der Familie sind keine PSSM Fälle bekannt, weder beim Vater, noch auf der Mutterseite.
Pferde sollten so geritten werden, wie ein Surfer eine Welle reitet.
Der Surfer zwingt die Welle nicht, er will sie nicht verändern.
Er lernt einfach, wie er sie reiten kann.

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tara
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Re: Zwei junge Pferde, zwei Szenarien: 1) klemmig 2) Anti!

Beitrag von tara »

zu 2)
UNBEDINGT für mehr Auslauf mit anderen Pferden sorgen. Jetzt! Nicht erst im Sommer. Neben der vielleicht zu strengen Einreiterei finde ich das (aus eigener Erfahrung) finde ich das enorm wichtig. Sonst arbeitet ihr immer gegen sein unausgelastetes Temperament.
Liebe Grüße
tara
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faraway
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Re: Zwei junge Pferde, zwei Szenarien: 1) klemmig 2) Anti!

Beitrag von faraway »

zu 2)
Du beschreibst meine Stute, als sie so alt war wie der Junge jetzt. Mit dem Unterschied, das meine seltener bockte, dafür sich aber komplett verweigerte mit Einfrieren oder kopflos rückwärts durchgehen...

Sie ist ein eher rangniedriges bzw. Führung und Sicherheit suchendes Pferd, das aus der Aufzuchtherde daheim bei Muttern in eine unpassende Konstellation kam, wo niemand war zum "Dranhängen". Also hat sie den Chefposten selbst übernommen, war damit überfordert, wurde hektisch und dadurch rabiat. Ständig unter Strom, ständig Zähne zusammengebissen, auch im Umgang mit Menschen.
Dazu kam bei ihr eine sehr unschöne Erfahrung beim Anreiten. Ich hab es nicht lückenlos rekonstruieren können, aber es waren Schlaufer im Spiel und außerdem wurde sie angebunden in der Stallgasse verprügelt, wenn sie nicht stillstand :sad: Ihre Einstellung zum Thema Mensch/Gebiss/Reiten etc. sprach Bände: Steigen beim Versuch, sich einer Reitbahn zu nähern, gezielt Treten, Beissen, gezieltes Ausknocken mit der Birne, Hinschmeissen, Bocken... Im normalen Umgang anständig, aber bei jedem Ansatz von "Arbeit" explodierte sie.

Was hat geholfen?
Erstens: Die Haltung. Das Pony kam aus der unpassenden Herde zunächst in Beritt, Box plus Weide mit Kumpel, ging gar nicht. Dann zu mir in einen Offenstall mit halbwegs passender Konstellation (8 Pferde). Sie wurde bedeutend entspannter. Richtig gewandelt hat sie sich, seit sie in einer großen OS-Herde (um 20 Pferde/Ponys) steht, wo sie Anschluss an eine "Kleinfamilie" innerhalb der großen Herde und eine richtige Freundin gefunden hat. Sie braucht offensichtlich das "Bad in der Menge", um richtig entspannen zu können. Seitdem wie umgedreht, kein Stück mehr aggressiv ggü. Pferden, so ca. im mittleren Managment der Herde unterwegs.
Insofern würde ich bei ihm jetzt die Haltung und Herdenkonstellation kritisch betrachten. Hat er Spielkumpels, genug Auslastung und Platz, aber auch gefestigte "Vorbilder" in der Herde? Oder ist er ein überforderter Juniorchef?

Zweitens: Die Arbeit. Wir haben nochmal komplett von vorne begonnen (Ausnahme Longieren, das geht bis heute nicht wirklich, weil sie ins alte Muster "Angriff ist die beste Verteidigung" verfällt). Zum Glück hab ich eine Trainerin gefunden, die mehreren derart versauten Pferden geholfen hat. Allein hätte ich das nicht durchgestanden. Die ersten zwei Jahre haben wir immer nur so viel abgefragt, wie sie nach aktueller Stimmungslage zu geben bereit war. Kurze Einheiten, kleinschrittig, vieeel Lob. Erst dann langsam auch mal auf "Doch, machst du jetzt" bestanden und schrittweise ihre Gegenwehr abbauen können. Heute, nach vier Jahren, bin ich soweit dass ich (selten gewordene) Trotzreaktionen ihrerseits einfach überreiten oder auch mal ne Ansage machen kann, ohne dass mehr kommt als *hufaufstampf* *bucklerandeut* Sie wird aber nie ein Pferd sein, auf das man verschiedene Leute drauflassen kann.
Mit der Reiterei denke ich, muss die Besi mit einem langen Weg rechnen, der definitiv Geduld und Frustrationstoleranz schult. Und sie muss bereit sein, Reitweise und Hilfengebung der Situation anzupassen. Es ist gut, wenn sie andere Sachen konfliktfrei mit ihm machen kann (Ist bei meiner auch so: was sie nicht von Früher kennt, macht sie begeistert mit). Insofern hilft es vielleicht auch, dem Pferd neue Aufgaben anzubieten, die nicht negativ besetzt sind. Meine z. B. hat ihre Bestimmung in der Working Equitation gefunden. Sie liebt Trail. Also hab ich mich ihr angeschlossen...
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november
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Re: Zwei junge Pferde, zwei Szenarien: 1) klemmig 2) Anti!

Beitrag von november »

im mittleren Managment der Herde unterwegs.
Sorry für´s OT, aber die Formulierung finde ich so genial... :mrgreen:
Faraway, ich habe deinen Bericht mit großem Interesse gelesen und war verblüfft. Dass ihr solche Schwierigkeiten hattet, wusste ich gar nicht, obwohl ich immer mal wieder in deinem TB mitlese. Swehr interessant und super, was ihr erreicht habt!

Bubi, ich bin gespannt, ob du davon etwas für euer Problem mit dem Jungspund umsetzen kannst.
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Sheitana
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Re: Zwei junge Pferde, zwei Szenarien: 1) klemmig 2) Anti!

Beitrag von Sheitana »

bubi9191 hat geschrieben: Dieses "Klemmem" dauert an schlimmen Tagen maximal 5 Minuten. Maximal! Länger ist es noch nicht vorgekommen. An "normalen" Tagen dauert es 2-4 Runden. An guten Tagen nur ein, zwei, drei Tritte oder gar nicht.
Ich will mich jetzt nicht in die Nesseln, aber ich kenne kein Pferd, was direkt locker flockig los rennt. Ist es nicht normal, dass die Muskeln erstmal eine Aufwärmphase benötigen?!? Selbst unsere im OS gehaltenen Pferde die sich wirklich viel bewegen brauchen an manchen Tagen erstmal Zeit zum warm werden. Mal ein paar Runden, mal etwas mehr. Wir machen uns beim Sport doch auch erstmal locker warm und erwarten nicht gleich völlige Lockerheit :nix:
bubi9191
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Re: Zwei junge Pferde, zwei Szenarien: 1) klemmig 2) Anti!

Beitrag von bubi9191 »

Na klar soll sie locker werden, aber die taktet wirklich enorm, bleibt fast stehen, reagiert auf Treiben mit Kruppe hoch in dem Moment.

Zu 2)
Der Wallach kommt aus Offenstallhaltung, war da absolut rangniedrig.
Bei uns steht er aktuell von früh (kommen um 7 im Dunkeln raus) bis 18/19 Uhr draußen. Der Paddock ist groß, er ist eher ranghoch, würde sagen nach dem Herdenchef. Jedenfalls zettelt er jede Menge Streit an, tritt und beißt gerne. Laut der Besitzerin war der früher unterstes Glied und sie kann sich das nicht erklären wieso er sich das plötzlich traut.

Verhalten war sowohl im Offenstall, als auch jetzt das gleiche.

Aber dann liege ich ja richtig: Nochmal zurück auf Null
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faraway
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Re: Zwei junge Pferde, zwei Szenarien: 1) klemmig 2) Anti!

Beitrag von faraway »

Huhu, november! :winky: Ja doch, anfangs war es eher grauslig... aber was lange währt...
Aber dann liege ich ja richtig: Nochmal zurück auf Null
:-n Mag noch was hinterherschicken: Es ist nützlich, wenn man sich die Austick-Situationen nochmal ganz genau vor Augen führt, vielleicht bekommt man eine Ahnung was der Auslöser sein könnte, also was ihn ins alte Muster bringt. Dann kann man sich bewusst einen Weg suchen, der diese Situationen erst mal ausspart.
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Re: Zwei junge Pferde, zwei Szenarien: 1) klemmig 2) Anti!

Beitrag von J.H. »

Zu 1.

Habt ihr die Stute mal auf Zysten untersuchen lassen? Ich habe schon oft von zickigen und unkooperativen Stuten während der Rosse gehört, bei denen dann die Lösung entweder Zysten oder ein veränderter Hormonspiegel war. Nach einer Hormonbehandlung waren die pferde wie verändert.

Zu 2.

Ich würde dieses pferd arbeiten. Ruhig und konsequent, aber nicht überfordern. Viele Lektionen , wo er sich konzentrieren muss. Auch die Reiterin sollte dringend an sich arbeiten, es ist zwingend notwendig, dass das Pferd vertrauen in sie bekommt. Regelmässig Auspowern lassen, aber nicht an der longe oder im roundpen. Koppel oder rennen lassen in der Halle o. Ä.

Ich könnte mir vorstellen, dass das Pferd eben auch sehr schlau ist. Er hat beim ersten mal bocken gemerkt, dass er die ungeliebte Reiterin ruckzuck los wird. Ein schlaues pferd merkt sich das und wird immer wieder versuchen, sobald es evtl für ihn unangenehm wird, den Reiter los zu werden. Unbedingt konsequent arbeiten, viel bodenarbeit. Nicht nur bissle bespassen, sondern vorwärts, rückwärts, seitwärts, halten etc, das muss unbedingt sitzen.

Ich könnte mir vorstellen, dass das Pferd auch deshalb viele Dinge kaputt macht und Unruhe in der Herde stiftet, der hat Langeweile. Muss unbedingt vom Kopf her beschäftigt werden, deshalb auch viele Lektionen. Z. B. Auf dem Zirkel linke Hand, bei x zwischen zwei Hütchen durch, und anstatt bei x dann weiter auf dem Zirkel, um das eine Hütchen nach rechts eine volte. Oder bei bestimmten Hütchen Schritt, dann antraben und wieder am Hütchen Schritt. Kurze Seite etwas schenkelweichen, daraus dann vor der ecke antraben in aller ruhe, bei x wieder Schritt. Usw. Der darf auf keinen Fall Übungen vorweg nehmen oder stur aussen rum geritten werden. Aber halt alles in aller ruhe, und ohne Zwang, aber konsequent und mit ganz viel stimmlob, wenn es klappt. Sobald hier Druck entsteht, wird er versuchen, den Reiter loszuwerden.
calista
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Re: Zwei junge Pferde, zwei Szenarien: 1) klemmig 2) Anti!

Beitrag von calista »

Zu Pferd 1: hier würde ich einfach mal einen Kalender führen. Rosse-Anzeichen notieren und die "Verhaltensauffälligkeiten" ebenfalls eintragen. Dann kann man eigentlich schnell sehen, ob es Parallelen zur Rosse gibt. Normal ist die Rosse alle 21 Tage, in der dunkleren Jahreszeit ist sie aber i.d.R. unauffälliger. Es gibt Stuten, die die Rosse unanagenehm empfinden und sich verspannen und empfindlich bis extrem empfindlich werden und es gibt Schmerzreaktionen auf z.B. Zysten. Im ersten Fall kann man mit einer sanften Therapie die Rosse erträglicher machen.
bubi9191
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Re: Zwei junge Pferde, zwei Szenarien: 1) klemmig 2) Anti!

Beitrag von bubi9191 »

@J.H.: Und hier scheiden sich eben die Geister.
Ich bin der Meinung, dass dieses Pferd so ist weil es überfordert ist. Er ist 4 Jahre alt. Er wird fast täglich geritten, er hat 1x die Woche frei, selten 2x. Es wird wirklich viel Bodenarbeit, Zirzensik etc. mit ihm gemacht. Er wird auch locker 60 Minuten geritten.

Seitdem wir jetzt auf "weniger ist mehr" zurückgerudert sind ist er aktuell brav. Seitdem nicht ein Bocken unterm Sattel, kein Widersetzen.
Im Roundpen allerdings schon (war in dieser Woche nur 1x im Roundpen). Hier muss ich mir noch was überlegen.

Bzgl. Zysten: Wie kann ich das testen lassen? Sie ist definitiv nicht nur in der Rosse so! Mönchspfeffer haben wir mal probiert, das lässt sie sich absolut nicht untermischen, egal wie wir tricksen.
Am Samstag waren wir zum letzten Turnier in dieser Saison, da war wieder gar nichts mit Klemmen...
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