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... und wie ist es mit zufriedenen Pferdeversorgern ...?
Verfasst: Di 30. Sep 2014, 12:32
von ehem User
Hallo ihr Lieben,
ihr habt ja grad das Thema der zufriedenen Einsteller ... ich habe gerade eine Geschichte am Laufen mit meinen Pferdeversorgern und brauch grad mal euren Trost und ein bisschen (bitte zartfühlende) Rückmeldung, ob ihr sowas kennt und wie ihr das seht.
Ich sitze hier auf gepacktem Koffer, um morgen für 12 Tage zu verreisen und bin gestern gerade von einer einwöchigen Abwesenheit zurückgekommen. Ich habe ein nettes und sehr zuverlässiges, sorgfältiges Ehepaar, die meine beiden Offenstall-Pferde versorgen, wenn ich weg bin, dafür bekommen sie Geld. Bis jetzt hat sich das immer total gut angefühlt ... aber gestern komme ich so um die Mittagszeit zurück ... strahlendes Sonnenwetter, trockener Boden ... treffe bei meinen Pferden ein - und die haben überhaupt keinen Zugang zu einer der Weiden. Ich hab dann gleich eine aufgemacht und mich mit ihnen da gemütlich in Sonne und Wind niedergelassen.
Da kommt meine Pferdeversorgerin und erklärt mir, dass sie, weil sie ja die Verantwortung hat, wenn ich weg bin, und weil das so gefährlich ist mit Tau und Gras und Sonne am Morgen (kennen wir ja die Thematik), die Pferde nur von mittags bis abends auf die Weide lässt.
Ich war total platt! Ich habe immer signalisiert, dass sie die Pflege organisieren sollen, wie es am besten für sie passt ... aber dass sie in die ganze HALTUNG eingreifen und beschließen, wann meine Pferde Weidegang haben und wann nicht, hat mich echt umgehauen. Das Ergebnis war eine ziemlich schlaflose Nacht ... wie mach ich das, wo ich doch morgen abreise etc. etc. ... naja, ich habe dann heute morgen angerufen und gesagt, dass ich die Verantwortung auch bei Abwesenheit übernehme und gern möchte, dass die Pferde immer 24 h Weide haben, außer alles ist totaler Matsch. Sie hat es jetzt so akzeptiert, aber ohne dass wir wirklich übereingekommen sind, und wir wollen, wenn ich wieder da bin, nochmal darüber sprechen. Das Problem liegt in riesigen Ängsten, die sich bei ihr angesammelt haben, dass etwas passieren könnte. Das ist natürlich schlimm und belastend, wenn man die Tiere anderer Leute versorgt, aber meinen Pferden geht es mit meiner Art der Haltung bisher blendend, und ich habe mich dann für meine Pferde entschieden und das Fass geöffnet. Sie sind es letztendlich, die sich fügen müssen und in dieser größtmöglichen Freiheit, die ich mir für sie wünsche, massiv eingeschränkt werden.
Aber eine unzufriedene Versorgerin ist auch kein gutes Gefühl. Und jetzt wirkt das nach und macht mich traurig und beschäftigt mich ...
Re: ... und wie ist es mit zufriedenen Pferdeversorgern ...?
Verfasst: Di 30. Sep 2014, 13:01
von Mia77
Huhu
im ersten Augenblick war ich geneigt zu sagen, finde ich nicht schlimm, wenn die nur von mittags bis abends Weidegang haben, das ist wahrscheinlich auch der Gegebenheit geschuldet, dass ich es bei den Ponys ähnlich handhabe und glücklich wäre, wenn jemand sich da noch etwas mehr Arbeit macht und Weide öffnet und schließt....
Außerdem haben Deine doch auch immer Zugang zum Reitplatz, oder??? Von der Fläche her würde ich das als sehr großzügig betrachten und hätte damit selbst kein Bauchweh oder auch nur schlechtes Gefühl.
Allerdings erinnere ich mich auch zurück und als ich noch nur Balou hatte, dem das Gras nix gemacht hat, hätte mich das auch massiv gestört und ich wäre traurig gewesen, ihn von der Wiese wegzuhalten, die ja gerade für Zarib schön und wichtig ist.
Also, von daher finde ich schon, dass ihr da ganz in Ruhe reden solltet. Vielleicht kannst Du ihr hinsichtlich Rasse, Körperkondition etc. die Sorge mit Erklärungen nehmen? Gibt ja doch viele Pferde, die bis Ende Oktober oder sogar noch in den November rein komplett auf Gras stehen... Am schönsten wäre es ja, wenn die Haltung so wäre, wie Du möchtest und es für Deine Pferde passt, die Versorger aber auch gleichzeitig keine Angst haben, dass Deine Pferde krank werden könnten. Eigentlich sollten sie Dich so gut kennen, dass Du genügend informiert bist und Erfahrung hast, um sich voll auf Deine Entscheidung verlassen zu können.
Grundsätzlich finde ich es trotzdem toll, dass sie mitdenken und dann lieber vorsichtig sind.
Blöd nur, dass die Zeit jetzt so knapp ist, denke, dass es sich sonst doch recht leicht klären lässt.
Eingriffe in die Haltung, die ich nicht hinnehmen wollte wären für mich:
Entscheidung,
-dass es nur noch stundenweise Futter gibt
-dass Pferde einzeln aufgestallt werden
-Fressbremse ab
-Kraftfutter anders als abgesprochen
-mehr Weide / fremde Weidestücke
-fremde Pferde dazu
Ist wirklich schwierig, ich hoffe, dass Du trotzdem eine schöne Zeit hast und Deine Pferde gut versorgt weist.
Re: ... und wie ist es mit zufriedenen Pferdeversorgern ...?
Verfasst: Di 30. Sep 2014, 13:37
von Sheitana
Ich würde es tatsächlich jetzt erstmal als nicht schlimm ansehen. Für mich klingt das tatsächlich jetzt eher nach "besorgter Pflegerin". Vielleicht hat sie gerade was gelesen/gehört oder einer hat zu ihr gesagt "wie, auf das Herbstgras, das gibt doch unter Garantie Rehe".... und da ist sie plötzlich unsicher geworden.
Wenn sonst alles in Ordnung ist, würde ich das nicht so eng sehen.
Und lieber nach dem Urlaub nochmal offen darüber reden.
Re: ... und wie ist es mit zufriedenen Pferdeversorgern ...?
Verfasst: Di 30. Sep 2014, 13:41
von Mia77
Na ja, aber nur weil man irgendwo was liest, mal eben die Haltung umstellen, also da hätte ich dann doch schon ein Problem mit
DAS jetzt aktuell mit der Weide kann ich irgendwie von Seiten der Versorger gut nachvollziehen, zumal es ja ggf. nicht nur hinsichtlich Hufrehe sondern auch Kolik Probleme geben könnte. Andererseits impliziert es ja auch in gewisser Weise Unvermögen der Pferdebesitzer, wenn man so grundlegend andere Entscheidung und das dauerhaft meint treffen zu müssen. Ich sehe da auf jeden Fall Redebedarf. Wobei ich nach wie vor dabei bleibe, dass ich nicht der Meinung bin, dass Libby und Zarib leiden würden, wenn es so gehandhabt würde. Anders wäre wohl schöner, aber Du solltest Dir da jetzt keine Sorgen um die Zwei machen, die hätten es auch so immer noch richtig richtig toll!
Re: ... und wie ist es mit zufriedenen Pferdeversorgern ...?
Verfasst: Di 30. Sep 2014, 13:47
von Maxima
Lizari, ich würde das auch der Aushilfe extrem hoch anrechnen, daß sie sich so sinnvoll Gedanken macht und lieber auf Nummer sicher geht! Deinen Pferden hat das ganz sicher viel weniger ausgemacht als Dir. Ich finde, Du kannst richtig froh sein daß Du da jemanden hast, der so toll mitdenkt.
Kann mich da nur Mia anschließen - in einem guten Gespräch könnt ihr dann ja mal in Ruhe erläutern warum die Rehegefahr bei Deinen Pferden rassebedingt nicht so groß ist und man ihnen deshalb auch zur gefährlichen Zeit die 24 Stunden Weide gönnen kann.
Re: ... und wie ist es mit zufriedenen Pferdeversorgern ...?
Verfasst: Di 30. Sep 2014, 13:54
von ehem User
Ich danke euch, und ihr habt sicher Recht, dass es für meine Pferde kein großes Drama ist ... abgesehen allerdings schon von der Tatsache, dass Zarib zwar Gras, aber nicht mehr Heu gut kleinkauen kann.
Mir wird beim Lesen eurer Gedanken klar, dass das eigentlich Problem das Vertrauensverhältnis zum Pferdeversorger ist. Sie hätte mir ja zum Beispiel sagen können, dass ihr das so viel Angst macht. Aber sie hat einfach die Haltungsbedingungen verändert. Sie ist angefüllt mit Ängsten ... weiß ich denn, was ihr noch einfällt und was sie dann ändert? Sorge ist gut im Sinne von Fürsorge, aber zu viel Sorge kann zu einem angstgesteuerten Verhalten führen, dass nicht mehr lustig ist. Ich glaube, da liegt das Problem, und es ist ein saublödes Gefühl, so wegzufahren.
EDIT: ... und ein noch blöderes, wie ein kleines Mädchen auf der eigenen Weide zu stehen und von jemand anders indirekt erklärt zu bekommen, wie gefährlich das eigene Verhalten war. Ich musste wirklich SEHR viel Energie aufbringen, um die Verantwortung für meine Pferde "zurückzuerobern".
Re: ... und wie ist es mit zufriedenen Pferdeversorgern ...?
Verfasst: Di 30. Sep 2014, 14:10
von Mia77
Also, ich würde einen Unterschied machen, wenn die gerade erfahren haben, dass die Wetterlage gefährlich sein könnte und sie deshalb vorsichtig sind, finde ich das Verhalten positiv.
Wenn sie eine grundlegend andere Gefahreneinschätzung haben und dann nur darauf warten, dass Du weg bist, um es so zu machen, wie sie es für richtig halten, dann finde ich das Verhalten mehr als negativ. Dann sollten sie das vorab mit Dir absprechen und Dich entscheiden lassen. Du bist die Besitzerin und Du hast trotz allem letztlich die Verantwortung! Auch wenn Du sie zeitweise ein Stück abtrittst. Aber das gibt keinem Versorger das Recht die Haltung "komplett" auf den Kopf zu stellen. Das würde ich auch nicht zulassen.
Allerdings könnte es dann sein, dass die die Verantwortung ablehnen und Dir für die Zukunft absagen, wenn die tatsächlich so Angst gesteuert sind. Aber wenn das der Fall wäre, würde ich es eh nicht als die richtigen Leute empfinden, dann gibt es auch eine andere Lösung

Re: ... und wie ist es mit zufriedenen Pferdeversorgern ...?
Verfasst: Di 30. Sep 2014, 16:48
von ehem User
Ich kann das mal so etwa aus der Sicht eines "Versorgers" schildern.
Ich hatte im Frühjahr mal folgendes Erlebnis: Nachdem es schon recht warm war, gab es einen heftigen Kälteeinbruch mit Dauerregen. Alle Pferde an unserem Stall standen bereits 24 h auf der Sommerweide, zu diesem Zeitpunkt hatten sie leider keinen Zugang zu dem Paddock mit Unterstand, das wurde dann später geändert.
Mein Pony stand schlotternd, pitsch patsch nass auf der Weide. Reingeholt, Decke drauf, gefüttert, er ist 6 und kerngesund, also wieder raus auf die Weide. Aber da steht auch ein 27jähriges Warmblut, das kürzlich aus dem Flachland und Boxenhaltung in die Hügel gezogen war und schon deshalb sehr abgebaut hatte, schlotternd auf der Weide. SB waren nicht da. Ich also die Besitzerin angerufen und gefragt, ob ich ihn vorübergehend in die Box stellen soll, bis sie abneds kommt, damit er etwas Heu knabbern kann und trocken wird. Fand sie eine super Idee und war am Telefon sehr dankbar, dass ich mir Gedanken gemacht habe.
Alles schön und Gut. ABER: am nächsten Tag habe ich erst einen Anschiss von der SB kassiert, weil ich das Pferd reingestellt habe, ohne es ihr zu sagen und es die ganze Nacht ohne Futter und Wasser in der Box stand. Ich war etwas verwirrt. Letztendlich stellte sich raus, dass die Besitzerin abends nicht mehr zum Stall gekommen ist, wie am Telefon abgesprochen und sich auch nicht bei der SB oder mir gemeldet hat.
Ich hätte das Pferd nie reingestellt, wenn ich gewusst hätte, dass sie nicht auftaucht. Dass ich die SB nicht wenigstens per SMS informiert habe war mein Fehler, sehe ich ein, kommt nicht wieder vor. Aber für mich bedeutet das auch, dass ich wohl zukünftig nicht mehr "mitdenken" werde, wenn ich sehe, dass ein anderes Pferd in der Herde besondere Bedürfnisse hat. Will damit sagen, dass es echt schwierig ist, Entscheidungen für anderer Leute Pferde zu treffen - im Zweifelsfall macht man dann eben doch das Verkehrte aus der Sicht der anderen.
Lizari, sei froh, dass sich deine Versorgerin so viele Gedanken macht. Sie hat nach Bestem Wissen und Gewissen gehandelt, als wenn es ihre eigenen wären. Wenn ihre Ängste unbegründet sind, wirst du ihr dass bei deiner Rückkehr sicher gut erklären können!
Re: ... und wie ist es mit zufriedenen Pferdeversorgern ...?
Verfasst: Di 30. Sep 2014, 18:00
von ehem User
ich denke, dass ist dann ein grundsätzliches problem der chemie.
ich kann beide seiten verstehen.
ich würde als versorger normlerweise nichts unabgesprochenes tun. wenn eine situation einträte (sagen wir mal - plötzlich nachts kalt, fruktan-mykotoxin-hochrisiko-wetter), würde ich versuchen, die besitzer zuerst zu kontaktieren.
so. wenn ich niemanden rechtzeitig erreichen würde, würde ich nach meiner risikoeinschätzung gehen, denn - ICH bin diejenige, die in dem moment da ist und die verantwortung hat und im zweifel auch die kranken pferde, tierarzt, angst, sorge.
wenn nun sich rausstellt, dass die besitzer es ganz anders sehen, müsste ich wirklich in mich reinhorchen, ob das für mich machbar ist. denn wenn ich wirklich überzeugt bin, dass es gefährlich ist, bin ich eben diejenige, die mit furchtbarer angst da sitzt und zeit vertut und gestresst ist. ich würde versuchen, das zu klären, ich denke, in wenn die chemie einigermaßen stimmt, sollte das machbar sein.
wenn nun die haltungen häufiger so auseinandergehen, dann sollte man sich trennen.
im sinne beider, denn einerseits hat natuerlich der besitzer das letzte wort - andererseits kann man von jemandem auch nicht verlangen, danebenzusitzen und sich verantwortlich zu fühlen und etwas zu tun, mit dem er sich extrem unwohl fühlt. bezahlt oder nicht.
edit: und ja, ich geb dir völlig recht in dem punkt - sie hätte dich kontaktieren sollen vorher. es zumindest versuchen. ganz klar. beim nächsten mal vorher - rechtzeitig vorher - ganz ganz mega konkret absprechen, was in welchem fall zu tun ist etc. und ihre ängste vielleicht shcon mal ausloten. rechtzeitig, um ggf noch jemand anderen zu finden, wenn sich rausstellt, dass die diskrepanz zu groß ist.
Re: ... und wie ist es mit zufriedenen Pferdeversorgern ...?
Verfasst: Di 30. Sep 2014, 19:03
von ehem User
Ich bin froh, dass ihr offenbar in dieselbe Richtung zielt: Es geht um die Absprachen. Und auch um die Chemie, Silly Walks, das stimmt. Und die war anfangs echt gut, aber jetzt kommt es wirklich draufan, ob wir nochmal in eine freundschaftliche Kommunikation finden. Ich bin natürlich im Grunde total begeistert, dass sie so mitdenkt, das habe ich auch wieder und wieder zum Ausdruck gebracht, verbal und auch finanziell, weil sie sich so viel Mühe machen. Ich will ja auch keine Dogmen aufstellen und auf Gedeih und Verderb durchsetzen. Ich habe mich eigentlich immer für sie gefreut, dass sie an unserem wunderschönen Platz auftanken und sich mit meinen Pferden so wohl fühlen kann. Aber ich gehöre schon mit ins Boot, das lässt sich nicht vermeiden

.
Und wenn sowas erstmal ein bisschen verfahren ist, ist es viel schwerer, es wieder in einen guten Flow zu bringen.
Beim nächsten Mal werde ich viel klarer und detaillierter sagen, was ich mir wünsche. Das hab ich jetzt gelernt.
Naja, eben habe ich nochmal drei wunderschöne Stunden mit den beiden Hottis verbracht, und ich hoffe, ich finde sie so wohlbehalten und gut gelaunt wieder vor, wenn ich zurückkomme.