Hallo Reitmaus,
ich hab das gestern abends noch mal mit meinem GöGa, der ja selber Landwirt ist, diskutiert.
Euer Problem hat ja mehrere Aspekte
1. Das blöde EU-Recht, dass dieses Jahr NEU besagt, dass alle Flächen, die seit 2010 als Wiese oder Weide genutzt werden, heuer automatisch Dauergrünland werden, wenn sie nicht stillgelegt werden, d.h. sie verlieren für den Eigentümer massiv an Wert.
2. EU-Recht zum zweiten, die Ausgleichszahlungen für Landwirte sind heuer neu anders geregelt. Sie wurden deutlich gekürzt, um trotzdem noch möglichst viel pro Hektar zu bekommen, müssen die Landwirte die Auflagen des neuen „Greenings“ erfüllen, u.a. 5% ihrer Gesamt-Ackerfläche jedes Jahr brach/still liegen lassen.
Das trifft euren Verpächter gleich zweimal, und um eure Weide als Ackerfläche zu „retten“, MUSS er sie dieses Jahr auf sich anmelden und dann eben stilllegen. Stress macht der Zeitfaktor, die Antragsfrist für den Mehrfachantrag endet am 15. Mai, und da hat er wohl ein bisschen gepennt.
3. Habt ihr aber einen regulären Pachtvertrag, oder? Der hat ja entweder ein Enddatum, oder, falls unbefristet, muss normalerweise zwei Jahre im Voraus gekündigt werden (bitte lies das nochmal genau nach!) Genaugenommen hat er jetzt und sofort also keinen Anspruch auf eure Fläche, ihr könnt euch einfach querstellen, werdet dann aber wohl in Zukunft nicht nur Ärger im Dorf haben, sondern auch keine Flächen mehr verpachtet bekommen, Bauern haben da ein seeeehr langes Gedächtnis.

Hier wäre also Kompromissbereitschaft von Vorteil
4. Der Unterpachtvertrag, den du mit eurer Nachbarin geschlossen hast. Auch hier besteht ein gültiger Vertrag mit festgelegter Dauer und/oder längerer Kündigungsfrist.
Einfach „wegnehmen“ kann euer Verpächter euch die Fläche wohl nicht, und wenn er sie auf seinen Betrieb anmeldet, ohne sie wirklich zu bewirtschaften, kann das für ihn teure Folgen haben.
Wenn ihr ihm die Fläche für dieses Jahr zurückgebt, dürft ihr sie auch wirklich nicht nutzen, sonst kann das wieder für ihn teure Konsequenzen haben. Das wird nicht nur durch Kontrolleure vor Ort nachgeprüft, sondern auch über Luftbilder, von unserer Weide gibt es eins vom letzten Jahr auf dem wir sogar die Pferde nachzählen und die Äppelhaufen erkennen können
Setzt euch schnell zu einer Krisensitzung mit eurem Verpächter an einen Tisch!
Erklärt ihm eure Bedenken, und euren finanziellen Mehraufwand, er soll sich mal anstrengen und irgendwo in der Nähe noch ein Fitzelchen Fläche für euch finden (Tipp – Flächen unter 1000m² sind oft nicht förderfähig und werden deshalb nicht angemeldet), euch helfen, günstig Heu zu besorgen – nur schnell muss es gehen, nach dem 15.05. sind keine Änderungen beim Landwirtschaftsamt mehr möglich. Viel Erfolg!
Und vielleicht könnt ihr euch längerfristig mit ihm einigen, dass ihr diese Fläche kaufen möchtet.
Da muss aber eben im Vorfeld dann geklärt werden, ob ein anderer Landwirt diese Fläche als Acker haben möchte - das machen meist Landwirtschaftsamt und Bauernverband - und ob ihr als Nicht-Landwirte überhaupt ein außerorts gelegenes Grundstück einzäunen dürft. Kauf ist nicht immer die einfachere Lösung :-ü
