Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Moderator: Sheitana

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Romy
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Romy »

tara hat geschrieben: Fr 9. Jan 2026, 08:37Mittlerweile gibt es ja so viele (Glaubens)-Richtungen, was Barhufbearbeitungen angeht. Mir war und ist egal, welcher Richtung unser Bearbeiter folgt. Die Bearbeitung muß zum Pferd und seinen Hufen passen.
Ich vermute, dass jeder Hufbearbeiter wöllte, dass es zum Pferd und seinen Hufen passt. Dennoch unterscheiden sich die Strategien. Deswegen würde ich gern besser verstehen, wie genau diese Unterschiede zustande kommen. Also ob sich die Leute zum Beispiel darin unterscheiden, was sie als passend zum Pferd erachten, worauf sie dabei achten und woraus sie das schlussfolgern.

Unterschiede können ja ganz unterschiedliche Ursprünge haben. Also verschiedene Personen könnten zum Beispiel

- unterschiedliche Dinge sehen
- den Ursprung des Gesehenen unterschiedlich interpretieren
- die Konsequenzen des Gesehenen unterschiedlich interpretieren
- unterschiedliche Ansichten darüber haben, ob etwas überhaupt veränderungswürdig ist
- unterschiedliche Ansichten darüber haben, ob und wie sehr ein Eingriff darauf wirkt
- unterschiedliche Ansichten darüber haben, ob durch den Eingriff unerwünschte Nebenwirkungen entstehen

Das würde ich gern besser verstehen. Mir geht es überhaupt nicht darum, ob eine Bearbeitungsform besser ist als die andere, sondern warum Personen angesichts der gleichen Situation zu ganz unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen. Diese Frage treibt mich generell um, aber Hufe sind dafür ein super schönes Anwendungsbeispiel.
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Scheckenfan
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Scheckenfan »

Die HOs berunden die Wand auf eine Art und Weise, in der sich die Hornröhrchen angeblich gegenseitig besser stabilisieren sollen. Das finde ich nach wie vor einfach unlogisch. Da werden mE Äpfel mit Birnen verglichen.

Wie man nach NHC einen unbalancierten Huf zu einem balancierten Huf bringt ist zwar nicht super kompliziert, aber auch nicht mit drei Worten zu erklären, das werde ich hier jetzt nicht versuchen - es gibt schlaue Leute, die Bücher drüber geschrieben haben.

Kennst du das Keinhorn Forum? Da würdest du nen Haufen Hufbearbeiter finden, ggf findest du da ja Probanden für deine Studien.
Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst in dieser Welt.
- Mahatma Ghandi
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Romy
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Romy »

Scheckenfan hat geschrieben: Fr 9. Jan 2026, 09:04Kennst du das Keinhorn Forum? Da würdest du nen Haufen Hufbearbeiter finden, ggf findest du da ja Probanden für deine Studien.
Ich weiß, dass es das gibt, aber möchte mir gern selbst erstmal ein bisschen klarer werden, was genau meine Fragen sind, bevor ich Experten damit belästige. Falls ich dazu wirklich eine Studie mache, die mehrere Bearbeitungsansätze vergleicht, würde ich dort aber auf jeden Fall nachfragen.

Das Argument, dass es viele Bücher zu verschiedensten Bearbeitungsrichtungen gibt, stimmt zwar auf jeden Fall, aber ist für mich als Ingenieurpsychologe nicht praktikabel. Ich arbeite einfach mit verschiedenen Domänen und kann es mir nicht leisten, jedes Mal selbst erst Experte im jeweiligen Bereich zu werden, bevor ich mit Experten spreche. Dann hätte ich schon allein in den letzten drei Jahren zusätzlich zu meinem eigenen Beruf Verarbeitungsmaschinenbau und HNO-Chirurgie studieren müssen, Lokführer werden müssen, eine Kfz-Mechatronik-Ausbildung absolvieren müssen und so weiter. Das ist für mich nicht umsetzbar, deswegen bin ich auf Experten angewiesen, mit deren Hilfe ich zumindest soviel erlernen kann, dass ich sinnvolle Fragen stellen kann.
Nucades
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Nucades »

Einziges Kriterium für die Auswahl des Hufbearbeiters war in den jungen Jahren meines Kaltbluts jemanden zu finden, der sich das antun mochte. Mein Pferd war bei seinen Hufen sehr eigen und bei der Bearbeitung sehr wehrig (u. a. häufiges Steigen).
Es ist dann jemand geworden, der bei Frau Dr. Strasser gelernt hat. Er hat uns über viele Jahre begleitet und ich habe sehr viel von ihm gelernt.
Nun haben wir seit einigen Jahren eine HO und die Hufe haben sich zum Glück nicht verändert.
Das heißt, beide können sehen, was der Huf braucht und so läuft mein Pferd seit Jahren problemlos in allen Gangarten über Stock und Stein :-d

Die Hufschmiede in unserer Gegend kommen für mich nicht in Frage, weil die von ihnen bearbeiteten Barhufer durch die Bank weg alle untergeschobene Trachten und zu lange Zehen haben. Das mag ich beides so gar nicht.
crinblanc
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von crinblanc »

Und hier ist das Kriterium, daß überhaupt einer kommt :lol:
wobei ich bei Hufbearbeitern nie primär geschaut hab, von welcher Schule die kommen (wobei ich da doch gegen die ein oder andere gewisse Skepsis hab, da würde dann sehr genau besprochen, bevor die an einen Huf dürften-liegt aber auch daran, daß ich keine 10 Vergleichsmenschen von einer Schule hab. Wenn also die eine Absolventin von Schule X, die ich gesehen hab, Murks baut und noch stolz drauf ist, führt das zu einer Art Sippenskepsis....)
sondern, daß die Bearbeitung für mich plausibel war, die Ponys liefen und die Chemie menschlich und vor allem tierisch passte.
Und wie überall gibts sicher auch bei HO's und HP's super gute und weniger talentierte.

Seit ich hier wohne, machen wir selber (mit Ausnahme zweier "Fassonschnitte" beim HS, als die Füchsin mit Hufen wie umgedrehte Blumenpötte mit Regenwurm-Strahl hier einzog. Da hab ich aber auch hinterher den Feinschliff gemacht.). Sicher nicht das Nonplusultra, aber "unsere" Hufe sind nicht arg empfindlich und sehen besser aus als viel anderes, was mir so begegnet. Und nachdem ich nicht wüßte, wer vernünftiges hier her führe (und noch Kunden annimmt), wird das wohl auch so bleiben.
Der Bunte wurde bei den Vorbesitzern angeblich von ner HO bearbeitet, kann aber nicht sagen, daß das besser ausgesehen hätte oder das Pony stabiler gewesen wäre, im Gegenteil. Sein "Dreh-Huf" sah aus wie ein Croissant.
Liegt aber eher daran, daß wir alle 14 Tage oder öfter nacharbeiten können und er früher 6 Wochen Intervall hatte, das bei Kauf wohl ziemlich ausgereizt war. Nicht an der Schule.
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sacramoso
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von sacramoso »

Grundsätzlich vertrete ich die Meinung DIE eine Bearbeitungsmethode/ Philosophie die dann auf jedes Pferd paßt gibt es schlicht nicht.
Jedes Pferd ist individuel und benötigt entsprechend eine individuelle Hufbearbeitung und/ oder Hufschutz. Das was für das eine Pferd paßt und super funktioniert kann für das nächste die Vollkatastrophe sein.
Von daher finde ich einen bewertenden Vergleich der verschiedenen Schulen sehr schwierig.
Was mich auch zu meinem grundlegenden Problem mit den verschiedenen Huf-Schulen bringt: fast jede nimmt für sich in Anspruch die alleinig richtige und für jedes Pferd unter allen Umständen passende zu sein. (Zumindest wird das von den meisten Vertretern/innen der verschiedenen Schulen gerne so dargestellt.)

Weil ich neulich darübergestolpert bin:
Im VfD- Magazin vom März 2025 ist ab Seite 9 ein längerer Artikel in dem die verschiedenen Hufschulen dargestellt werden. Man kann das Heft unter folgendem Link auch kostenlos online lesen:
https://mitglied.vfdnet.de/magazin/pf-maerz-2025/
Als Gott erfuhr daß Reiten nur für die Besten ist erschuf er noch Fußball :dance1:
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sacramoso
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von sacramoso »

Romy hat geschrieben: Do 8. Jan 2026, 21:27 Deswegen würden mich die Ansichten von Personen interessieren, die bewusst NICHT huforthopädisch arbeiten oder die Hufe ihres Pferdes bewusst NICHT durch einen Huforthopäden bearbeiten lassen. Was sind eure Gründe dafür? Was gefällt euch an anderen Ansätzen besser und warum? Ich würde erstmal so generell einsteigen, aber wenn die Diskussion viel spezifischer wird, super gern. Ich freue mich auf eure Erfahrungen und Ansichten! :-)
Um auf deine ursprüngliche Frage einzugehen:
Auch wenn mir zig mal erzählt wird jedes Pferd könne mit Hufbearbeitungsschule xyz barhuf laufen: Nein, Esel benötigt unter anderem aufgrund der Haltungsform und seines Einsatzes als Reitpferd einen permanenten Hufschutz. In seinem Fall bedeutet das Kaltbeschlag auf Grundlage einer guten und peniblen Barhufbearbeitung.
Und das ist das was er braucht. Andere Pferde brauchen etwas anderes.
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Schnucke
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Schnucke »

Ich hab schon immer ein wenig selber geraspelt (hauptsächlich weil die Schmiede absolut unzuverlässig sind). Hab dann durch ein Pferd mit wirklichen Problemhufen über meine ehemalige Menschnosteo zu einer Huforthopädin gefunden. Bei ihr hab ich dann auch Kurse für Selberraspler besucht und eine Kollegin (sie hat selber eigentlich nicht mehr am Huf gearbeitet) hat meine Pferde und mich länger begleitet, teils hat sie bearbeitet und teils ich unter Anleitung, nur das Problemhufpferd hat ausschließlich sie alle 4 Wochen gemacht.
Irgendwann hatte sie die Hufe dann aber so seltsam bearbeitet, daß ich mir dachte ups das paßt irgendwie gar nicht (hatte dann hier auch Fotos eingestellt) Hab ihr auch Bilder geschickt, sie war sehr erschrocken und hat das dann auch nachgearbeitet. Trotzdem hatte ich das Gefühl es paßt nicht mehr zum Pferd, die Zehe begann immer länger zu werden und Frau Pferd fand das sehr unbequem. Ich hab sie drauf angesprochen und beschrieben was ich anders machen würde (eher Richtung NHC) . Ihre Antwort war, ja das sieht sie auch, ABER so würde sie nicht bearbeiten das ginge gegen alles was sie jemals gelernt hat :staun: . Ich könne gern selber weiterraspeln, weil eigentlich mache ich das ja ganz ordentlich..........

Seitdem raspel ich wieder selber. (ok mit kurzen Versuchen doch wen ans Pferd zu bekommen ders gelernt hat)
Keine Stunde im Leben, die man im Sattel verbringt, ist Verloren (Sir Winston Churchill)

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Sheitana
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Sheitana »

Ich hab selbst keinen Hufbearbeiter mehr, aber wenn ich suchen würde, wäre es mir egal, wo er gelernt hat. Mir wäre einzig und allein wichtig, wie "open minded" er ist und wie die Pferde laufen, die er bearbeitet.
Wir haben im Stall einen klassischen Schmied, der einen richtig guten Job macht. Würde ich alles genauso machen wie er? Vermutlich nicht, aber die von ihm bearbeiteten Pferde laufen alle gut und bequem.
Mir wäre wichtig, dass derjenige das Pferd sieht und nicht nach Schema F meint alles behandeln zu müssen.
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Belgano
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Re: Warum habt ihr keinen Huforthopäden oder seid selbst keiner?

Beitrag von Belgano »

Bei Sheitana unterschreib.
Mal abgesehen davon dass ich inzwischen ja alles selber mache: Wenn ich und mein Pferd mit der Bearbeitung zufrieden sind, darf meinetwegen jeder die Hufe bearbeiten, egal ob überhaupt mit einer Ausbildung oder welcher Ausbildungsweg Schmied/NHC/HO/F-Balance. (OK Strasser vielleicht mal ausgenommen, da hätte ich zu viel Angst das mir das Pferd krank geschnitzt wird).
Gelassenheit, Heiterkeit und viel Geduld sind die Basis jeder harmonischen, respektvollen Beziehung.(Audrey Hasta Luego)
Levi - ein kleiner Held wird groß
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