Pferd will nicht/Pferd kann nicht

Moderator: Keshia

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tara
Einhorn
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Re: Pferd will nicht/Pferd kann nicht

Beitrag von tara »

Wallinka hat geschrieben: Do 5. Jan 2023, 15:58 wenn irgendwer irgendwo schreibt, dass Pferd wolle irgendetwas nicht, fast wie eine automatische Antwort von irgendwem anders: das ist nicht " der will nicht, der kann (grade) nicht".
ja, zu der Fraktion gehöre ich auch.
Ich denke, man muß definieren, was das "will nicht" bedeutet. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist "der will nicht" gleichzusetzen mit "der macht das absichtlich, will mich ärgern". Da das ja in den seltensten Fällen so ist, ist meine Antwort darauf "der kann nicht".
Wenn das Pferd die Manipulationen am Genick nicht so prickelnd findet und versucht sich wie auch immer zu entziehen, dann ist das in meinen Augen kein "ich will nicht" sondern ein "was will die denn? Kann ich nicht. Versteh ich nicht."
Wenn der Polo in der Reitstunde den Rücken wegdrückt, die Nase zum Himmel reckt und sich auf den Zügel legt, ist das (nach meiner Definition) kein "ich will nicht" sondern ein sehr deutliches "ich kann nicht. Mir zwackt es im Kreuz/Genick..."
Liebe Grüße
tara
☮️ 🇺🇦



Let's go Polo
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Riff
Pegasus
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Re: Pferd will nicht/Pferd kann nicht

Beitrag von Riff »

Sehe das wie Tara.
That's the way the cookie crumbles :keks:
Wallinka
Pegasus
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Re: Pferd will nicht/Pferd kann nicht

Beitrag von Wallinka »

Gut, vielleicht würde ich auch so denken, wenn ich reiten würde. Oder wenn ich an einem Stall mit anderen Reitern stehen würde. Oder wenn ich nicht nur Soda-Pferde hätte. Denn in euren Beispielen ist: "es will nicht" immer eine Antwort auf eine gestellte Aufgabe. Ich meinte meine Frage viel allgemeiner. Die von euch genannten Beispiele kommen in meinem Leben und im Leben meiner Pferde nicht vor. In meinem Leben geht es um Dinge wie: Warum stehen Pferde immer genau da, wo ich grade misten will? Warum steckt ein Shetty seine Nase beim Wasser schöpfen in jeden neuen Eimer mit Wasser? Warum stehen meine Pferde mal schon hungrig am Weidetor, wenn die Wiese aufgemacht wird, während am nächsten Tag die Weide 90 min offen steht und alle dösen in dieser Zeit im Stall? Wir verbringen einfach nur gemeinsam Zeit, wenn ich da bin, während ich versorge oder die Natur geniesse. Oder die Nähe zu meinen Pferden.
"Was ist wichtiger" fragte der Panda "der Weg oder das Ziel?"
"Die Weggefährten" antwortete der kleine Drache.
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Sheitana
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Re: Pferd will nicht/Pferd kann nicht

Beitrag von Sheitana »

Gerade aktuelles Beispiel.

Ich habe heute wenig Zeit und daher nur Zeit ein Pferd zu bewegen. Hab ich meinen Pferden so kommuniziert. Ich kam mit dem Halfter auf den Auslauf. Abby dreht sich weg, Finlay kommt abgelaufen :ichichich: . Jetzt stehe ich auf dem Platz, Finlay hat bisschen mit mir gespielt, gerade ist das Gras am Rand aber wichtiger. Ich hätte heute lieber Abby bewegt aus verschiedenen Gründen, aber ich kann das auch so gut akzeptieren...
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li01sa
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Re: Pferd will nicht/Pferd kann nicht

Beitrag von li01sa »

Das ist ein sehr spannendes Thema, das mich auch beschäftigt. Ein Pferde-Nein ist ja manchmal auch ein mentales "Ich kann (noch) nicht".

In unserem Fall geht es da ums "Kleben" bzw. allgemeiner: der Ponymann möchte sich aus der jeweiligen Situation heraus nicht weiterbewegen oder nicht in die Richtung, die ich möchte. "Kleben" trifft es dann doch, denn das geschieht nur rund um den Stall und vom Stall weg. Und nur beim Führen (und auch nicht ausschließlich bei mir), nicht unterm Sattel.

Typische Situation: ich halftere den Ponymann auf, um ihn aus dem Offenstall zum Putzplatz zu bringen, das sind vielleicht 30 Meter über einen kleinen Hügel, sodass der Stall von dort nicht zu sehen ist. Er kommt auch erst bereitwillig mit und geht auch gern die ersten Meter schon mal vor, während ich die Litze am Auslauf schließe. Auf dem weiteren Weg zum Putzplatz muss er aber mindestens noch eine, meist zwei Pausen einlegen, eine an der Hügelkuppe und meist noch eine kurz vor dem Putzplatz, der sich unter einem Abdach befindet.
Wenn er stehen bleiben will, steht er erst mal. "Der verarscht dich" und "boah, ist der stur" habe ich mir auch schon anhören müssen.
Ich habe da schon einiges probiert: konsequent vorausgehen, mit Gerte schicken, Gerte tatsächlich einsetzen, auf eine unbequeme Volte schicken... funktioniert alles nicht besonders gut und macht alle Beteiligten unzufrieden. Daher bin ich dazu übergegangen, ein bisschen Geduld zu üben und gemeinsam einfach einen Moment zu warten. Nur Nase ins Gras stecken wird dabei nicht akzeptiert ;) .Meist kaut der Ponymann dann bald ab und ist dann bereit weiter zu gehen.
Ähnlich, wenn wir zum Spaziergang aufbrechen - für die ersten 100m brauchen wir etwas länger, an der ersten Kreuzung muss gewartet und den Daheimgebliebenen noch eben lautstark Bescheid gegeben werden, danach läuft er dann am losen Strick mit.

Ich denke, er braucht einfach diese Pausen, um sich vom Stall mit seiner Gefährtin zu lösen, die Lage am Putzplatz zu prüfen (Sind noch andere Pferde da? Was treiben die Kumpel auf den angrenzenden Ausläufen gerade so? ), bevor er bereit ist, sich auf mich und unser gemeinsames Tun einzulassen.
Nervt zwar ein wenig, wenn ich selber nicht so viel Zeit habe, aber die Zeit versuche ich ihm halt zu geben :ohm:
Liebe Grüße :winky:

"Ich will alles daran setzen und mein Bestes geben, damit diese Pferde in ihrem freundlichen Wesen gut über mich urteilen und damit Harmonie walte, getragen vom Einvernehmen zwischen zwei Lebewesen."

Nuno Oliveira
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Schattenstern
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Re: Pferd will nicht/Pferd kann nicht

Beitrag von Schattenstern »

Ich finde eure Sichten da echt spannend. Bilbo hat sehr oft ein "ich mag das nicht, das ist doof oder unangenehm". Das verstehe ich, und am liebsten würde ich ihm da seinen Willen lassen. Aber zu moppeliges Pferdchen mit latenten Lungenproblemen muss eben jeden Tag laufen, ob er mag oder nicht. Ich habe da oft auch keine Lust zu.
Wir haben für einige Sachen Kompromisse gefunden. Zum Beispiel habe ich Low Intensity Intervalltraining an der Longe gestrichen. 60-80 Minuten im Schritt und Trab im Kreis auf dem Platz hat uns beide so sehr angekekst, dass wir uns beide dann zwei Tage lang angezickt haben. Ich mache das jetzt unter dem Sattel, wenn es geht im Gelände und wenn nicht in der Bahn, da passiert einfach mehr.

Klar, es gibt Situationen, in denen eine Abwehrhaltung eindeutig "ich kann nicht" ausdrückt. Und ich finde sehr gut und wichtig, dass Pferde das kommunizieren. Gerade wenn man an Lektionen feilt oder aufregenden Dingen begegnet kann es auch einfach mental zu viel sein in dem Moment.
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WaldSuse
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Re: Pferd will nicht/Pferd kann nicht

Beitrag von WaldSuse »

Ich erlebe und erlebte beides mit meinen oder anderen Pferden.
Gestern war es ein sehr deutliches "ich will nicht" von Xaver.
Er stand mit einer Gruppe Wallache ganz oben auf dem einen Berg vom Trail, es führt nur ein, momentan sehr matschiger, Weg nach oben. Ich stehe also leicht frustriert unten und rufe ihn. Er blickt sofort auf, guckt in meine Richtung, ich wedle noch mit den Armen rufe nochmal. Er steht, guckt, denkt nach, geht zwei Schritte bergrunter, bleibt stehen, denkt nochmal.... Und dreht um!
Derweil geb ich unten das Rumpelstilzchen, rufe, locke...
Nö, der Herr hat beschlossen, er bleibt oben bei den Jungs. Punkt.
Es war eine ganz klare, freie Entscheidung seinerseits, jetzt eben NICHT zu kommen. Und das war auch nicht das erste Mal, daß er klar kommunizierte, daß er momentan anderes zu tun hat,als brav hinter mir her zu dackeln. Da hab ich ihn auch schon gelassen, dafür kam er dann am Tag drauf super lieb mit.
Nicht müde werden,
sondern,
dem Wunder leise,
wie einem Vogel,
die Hand hin halten.
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Lewitzer Flummi
Pegasus
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Re: Pferd will nicht/Pferd kann nicht

Beitrag von Lewitzer Flummi »

Manchmal ist das nicht wollen aber eben auch ein "ich will das gerade nicht, weil ich es (gesundheitlich) gerade nicht kann."
Meine RB und ich haben in den letzten Wochen immer wieder ein deutliches "Nein" vom Buben kassiert, wenn wir mit dem Kappzaum offen an kamen.
Ich hab sie gebeten und auch selbst vorgelebt, dies Ernst zu nehmen.
Zwischenzeitlich sind wir spazieren gegangen, damit die Lunge und vermutete Arthrose nicht schlechter wird.
Meine Vermutung war Magen. Seit kurz vor Weihnachten ist hinter unserem Grundstück mehr los, als die restlichen 47 Wochen eines Jahres bzw ist auch nur aller zwei Jahre für 3-4 Wochen so viel los. Aktuell wird es weniger....
Ich kann darauf keinen Einfluss nehmen. Der Bube ist ein Kontroletti, wie er im Buche steht.
Steht da ein Auto, was nicht hingehört, wird das die ganze Nacht angestarrt, wenn es sein muss. Ich seh es dann immer, wo die Äppel am nächsten Tag liegen.
Ein Sichtschutz würde helfen, würde aber den maroden Zaun beim ersten Wind fällen.
Also hab ich Schlonzi gefüttert, das Jack eh bekommt. Half nix, der Bube wurde auch zu Jack garstig.
Seit dem WE gibt es nun zusätzlich ins Schlonzi Magenschoner und gestern hab ich das erste Mal seit Wochen einen freudig buckelnd, spielenden Buben gesehen. Der hatte Freude ein wenig über den Auslauf zu rennen, auf rufen zu mir zu flitzen etc. Ja, auch das Wetter war endlich nicht mehr nass-kalt. Egal, was. Es ging ihm sichtbar besser.
Ich hab mich sooo mit ihm gefreut. :sigh:

Der arme Kerl konnte einfach nicht bzw wollte nicht, dass der Bauch zwickt. Und Kappzaum heißt eben meistens auch Trab und Galopp.
Halfter ließ er sich immer anziehen, bis ich einmal nach dem Spaziergang noch damit kurz auf dem Platz bisschen Trab abgefragt hatte (ich hab da immer seine Lunge im Kopf und hoffte noch, dass die Weigerung am Kappzaum liegt und nicht am Magen). Dann war auch das Halfter "ich geh dann mal".
Gestern wollte er noch keinen Kappzaum anziehen, war aber auch nicht bei "ich springe beim Anblick direkt 1,5 m weg".
Ein kleiner Lichtblick.
Liebe Grüße
Die Flummis

Unser Tagebuch
Und Teil 2: Auf dem Weg zum Reitpferd
Wallinka
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Re: Pferd will nicht/Pferd kann nicht

Beitrag von Wallinka »

Ich streite ja gar nicht ab, das ein "ich will nicht" oft auch ein "ich kann nicht" ist. Ich komme nur einfach nicht damit klar, dass in mir das Eindruck aufkommt, dass das immer so ist/sein muss. Denn das heisst für mich im Umkehrschluss, das Pferde grundsätzlich immer wollen, was ich grad will, es sei denn, sie können (warum auch immer) nicht. Und dieser Gedanke, dass sie grundsätzlich immer wollen was ich will, lässt es mir kalt den Rücken runterlaufen, weil sie damit für mich ihre Eigenständigkeit als Lebewesen verlieren.
Im übrigen würde ich über ein deutliches " ich will nicht" auch nicht einfach drüber weggehen, nur weil es kein "ich kann nicht" ist. Genau so, wie ich nicht auf jedes "ich will" eingehe.
Vermutlich hänge ich mich aber einfach zu sehr an Wortdefinitionen auf. :nix:
"Was ist wichtiger" fragte der Panda "der Weg oder das Ziel?"
"Die Weggefährten" antwortete der kleine Drache.
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Vaena
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Re: Pferd will nicht/Pferd kann nicht

Beitrag von Vaena »

ich find das ein sehr intressantes thema...
und ich glaub, das legt jeder anders aus...

bei granu war früher einfach 'du musst jetzt'... da wusst ichs nicht besser. heute ist es ein 'wollen wir?'... und rumpel ist da zbsp. IMMER mit der nase dabei. da kann man machen was man will... nach der wurmkur steht der sogar da und bettelt um noch mehr :tuete: während molle da jetzt das gegenteil ist... aber ihr zippt es halt doch öfters, der bauch ist ihr schwachpunkt, sie ist einfach in sich sehr 'hart', was sie unzufrieden werden lässt... daher wird sie sehr dosiert eingesetzt, ab und an 'überredet', weil die bewegung bei ihr doch ein grosser wohlfühlfaktor ist... aber sich bewegen um es sich dann besser gehen zu lassen, erklär das mal dem pferd!? und bewegen heisst nicht weide, fressen und 'wandern', sondern halt effektive übungen damit es ihrem körper hilft... und ich glaube, kein pferd macht das freiwillig wirklich gerne. oder sicher nicht am anfang, bis die anstrengung zur 'wohlfühlzone' (= muskeln gebildet ,es ist nicht mehr 'anstrengend und bewegungsablauf verinnerlicht) verfestigt hat...

darum ist halt die eigene motivation und meine einstellung der wegweiser... bin ich motiviert, aufgestellt, strahle ich das aus, und das überträgt sich aufs gegenüber...
daher ist halt bei mir so, kopf voll, ich hab 'keine' zeit oder keine 'kapazität' zum auf die pferdeebene zu kommen, dass ich es dann sein lasse... das ich dann einfach das pferd schnappe, ne runde grasen gehe, evtl mal bissl anfange mit einfachen übungen... wenn wir das dann weiter bauen können, super, wenn das pferd nicht will, lass ichs sein...
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