Ab in Rente

Moderator: A.Z.

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ehem User

Ab in Rente

Beitrag von ehem User »

Mir fällt gerade kein wirklich treffender Titel ein, denn eigentlich ist meine Stute bereits in Altersteilzeit. Ich muss mir das nur einfach mal von der Seele schreiben, vielleicht hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht.

Also, die Fakten: Meine Große ist eine 21jährige Hannoveranerin mit 1,73 Stockmass. Ehemaliges Jagdpferd, ehemalige Zuchtstute. Mit 2,5 Jahren "eingeritten" worden soweit ich das recherchieren konnte. Als ich sie bekommen habe (vor 2 Jahren auf dem Papier, bei mir seit 9 Monaten - private Gründe) wurde sie bereits als bedingt reitbar abgegeben: Schale links vorne und Spat rechts hinten. Ausbildungsstand im Grunde auf dem Level einer 4 Jährigen: Null Rückenmuskulatur, null Balance mit starker Tendenz sich einzurollen. Mit Hilfe einer Bereiterin, dem LK und viel Arbeit und Geduld hat sich da viel dran getan. Ich habe auch eine Physio, die uns begleitet und den Therapieplan mit meinem TA abgesprochen hat. Altersgerechtes Bewegung mit viel Kopfarbeit, Spaziergängen - sie hat Spaß an der Arbeit.

Ich habe sie, nachdem sie endlich bei mir war, komplett durchchecken lassen: Schale beidseitig vorne, Spat beidseitig hinten und KS in leichter Form. Wir haben uns drauf eingerichtet und kamen klar.

Vor vier Wochen hatte sie erst eine Prügelei mit einer andern Stute, bei der sie einen heftigen Schlag auf das linke Sprunggelenk bekam und eine Woche später einen Weideunfall. Seit dem Unfall ist sie keinen Tag mehr komplett lahmfrei gewesen. Natürlich war der TA da, das letzte Mal gestern. Er hat sich lange mit ihr beschäftigt und wir haben uns anschließend lange unterhalten. Einig sind wir uns, dass sie einen Schub hat, leider ziemlich heftig diesmal. Alles soweit im Normbereich. Einig sind wir uns auch, wie wir damit umgehen, dass sie trotzddem jeden Tag leicht bewegt wird, da sie das von selbst nicht ausreichend tut (Offenstall).

Was mir im Magen liegt, ist die Aussage, dass sie nicht mehr reitbar sei und ich mir jetzt schon einmal überlegen solle, wo ich das Ende der Fahnenstange sehe. Vorab: Mein TA weiß, dass ich klare Ansagen schätze und keinen Wert darauf lege, in Watte gepackt zu werden.

Ich habe auch kein Problem damit, dass sie nicht mehr reitbar ist. Meine Einstellung war und ist, dass sie ihre Lebensqualität haben soll, sprich schmerzfrei und in der Lage am Herdenleben teilzunehmen. Und ja, ich mache mir gerade sehr viele Gedanken, bis wohin und wieweit. Ich habe einfach daran zu knacken, dass innerhalb von vier Wochen die Sache sich von "leicht eingeschränkt" zu "ein ernstes Problem" verschlechtert hat.

Von daher suche ich Erfahrungsberichte etc. Entschuldigt das etwas wirre schreiben.
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november
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Re: Ab in Rente

Beitrag von november »

Die Frage, die am wichtigsten ist, hast du ja schon selber gestellt. Wie ist die lebensqualität deines Pferdes?
Dass sie nicht komplett lahmfrei ist, muss ja nicht heißen, dass sie keine Lebensqualität hat. Auch die tierärztlichen Diagnosen müssen darüber nicht zwingend etwas aussagen.

Ich habe einen knapp 32-jährigen Oldie, der ebenfalls beidseitig vorne Schale hat. Wirklich lahmfrei ist er auch nie, aber er genießt sein Leben im OS sichtlich, nimmt am Herdenleben teil, fordert Aufmerksamkeit und Beschäftigung ein und macht einfach einen vergnügten und zufriedenen Eindruck. So, wie er momentan drauf ist, würde ich ihn nicht gehen lassen, es wäre nicht in seinem Sinn.

Wie verhält sich deine Stute denn. Hast du den Eindruck, dass sie leidet? Du kannst sie ja sicher am besten einschätzen. Bei der Beurteilung ihres Befindens würde ich die Aussagen des TA mal außer Acht lassen und es ganz objelktiv versuchen zu beurteilen. Nicht einfach, das weiß ich.
Ich wünsche dir und deiner Stute alles Gute!
Little by little, one travels far.
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ehem User

Re: Ab in Rente

Beitrag von ehem User »

Sorry, dass ich mich nicht gemeldet habe - hier war der Teufel los. Coco hat einen Einschuss und musste separiert werden (keine Box, ein 45m² Paddock mit direkten Kontakt zu den anderen) Aktuell sind wir in einer Art Teufelkreis - ohne die anderen mag sie sich nicht bewegen, ist soweit aber munter und ansprechbar. Durch die fehlende B ewegung laufen die Beine aber immer mehr an und sie wird noch steifer. :wall: Man sieht, dass jeder Schritt ihr weh tut, wir bewegen sie jeden Tag mehrfach - immer so in 20 Min Intervallen und sie bekommt "Freigang" unter Aufsicht. Das Risiko, dass sie sich sonst wieder nen Tritt einfängt ist derzeit einfach zu groß, weil sie nicht so schnell ausweichen kann wie "Cheffe" es fordert.

Vorgestern muss sie wieder gestürzt sein oder hat sich beim Aufstehen eine weitere tiefe Wunde zugezogen.

Ich sehe einfach, dass ihr jede Bewegung, jeder Schritt derzeit wehtut, dass ist sicherlich kein Dauerzustand so. Aktuell leidet ihr Lebensqualität sicherlich. Morgen kommt mein TA wieder, der zum Glück extrem sachlich und rational ist und keine Probleme mit palliativer Therapie hat. Aber ja, seit Samstag mehren sich bei mir die Gedanken, wie es weitergehen soll. 650 kg ohne tragfähiges Fundament geht auf Dauer nicht. Ein Pferd, dass nicht dauerhaft nicht ohne Schmerzen laufen oder selbst aufstehen kann, war und ist für mich ein No-Go.

Ich will jetzt keinen Rat, was ich tun soll. Das muss ich letztendlich alleine entscheiden, wie ich das auch in der Vergangenheit schon öfter für meine alten Tiere tun musste. Mir hilft es aber, die Situation einmal zu beschreiben und einfach Meinungen zu hören.
bine_mn
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Re: Ab in Rente

Beitrag von bine_mn »

Hi.
Ich lese einige Sachen raus:
- Tritt einfangen
- kommt nicht schnell genug wenn Herdenchef es fordert
- Schlag aufs Sprunggelenk

DAS ist für mich keine Herde, wo ich ein kränkliches altes Pferd unterbringen würde. Da hat man nämlich die ganzen Risiken und Strapazen, die die Alten nicht mehr brauchen. Kann an dieser Unterbringung was geändert werden? Reine Rentnergruppe oder zumindest friedliche Herde ohne Treten + Streit? Dann würden sich Deine momentanen Bedenken sicherlich auch auflösen, da Dein Pferd durch seine Wehwechen dann gar keine großen Probleme mehr hätte. Es könnte auch eine 2/3/4er WG werden, wo z. B. Dein Pferd Chef ist oder zumindest alle ebenbürtig als Freunde leben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass so eine friedliche Konstellation einem alten Pferd richtig gut tut.

Gruß Sabine
ehem User

Re: Ab in Rente

Beitrag von ehem User »

Der Stall und vor allem die SB ist toll. Und ja, es besteht die Möglichkeit zu Trennung. Blöderweise ist der andere Senior in der Trupper auch der Chef, der ihr zusetzt. Wir haben schon verschiedene Konstellationen durchgesprochen, wie es am sinnvollsten sein könnte.

Eine Zweierkonstellation fände ich z.B. unglücklich, weil meine insgesamt eher introvertiert ist und sich gerne mal zurückzieht. Dann ständen dort zwei einzelne Pferde.

Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass sie mit zwei Stuten über den Sommer am Stall bleibt im Offenstall und nicht mit auf die Sommerweide geht. Mit den beiden Stuten kommt sie klar.
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