Wie (Angst)Gefühle besser in den Griff bekommen?

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Equester
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Re: Wie (Angst)Gefühle besser in den Griff bekommen?

Beitragvon Equester » Di 17. Jun 2014, 10:59

Nucades hat geschrieben:
Singen hat bei meinem Pferd mittelfristig dazu geführt, dass er, wenn ich angefangen habe zu singen, angefangen hat zu gucken, wo die "Gefahr" lauert
So schrecklich singst Du? :lol2:


Sorry :hug: Matheaufgaben lösen hilft auch ;)
wir machen aus :hm: ein :dafuer2:

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Hottie
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Re: Wie (Angst)Gefühle besser in den Griff bekommen?

Beitragvon Hottie » Di 17. Jun 2014, 14:17

Schimmelchen hat geschrieben:Probier es mal mit singen :-)

Deine Atmung verändert sich dadurch und du bist etwas von deiner Angst abgelenkt. Bei meinem Pony funktioniert das sehr gut; er wird sofort ruhiger (obwohl ich gaaaaanz schlecht singe ;) )
Singen klappt bei uns sogar manchmal ganz gut, obwohl ich auch schlecht singe ;) . Ich singe dann auch tatsächlich den ganzen Ausritt vor mich hin, also nicht nur, wenn da gerade ein Trecker kommt oder so...
Equester hat geschrieben:Noch ganz kurz eine Anmerkung: ich kann Vermeidungsstrategien absolut verstehen, ich habe sie ebenfalls praktiziert. Leider geht der Schuss nach hinten los. Je weniger ich dem Pferd "anbiete", desto schlimmer wird es. Sie brauchen den äußeren Reiz gemeinsam mit dem Reiter, z.B. auch die Situation: der Wind weht :panik: (was er ohne das Pferd je zu beeindrucken auch auf der Weide macht ;) )ansonsten verkleinert sich der Aktionsradius unmerklich, aber zunehmend. Waren es am Anfang nur die rennenden Pferde auf der Nachbarkoppel, ist es irgendwann die Blume, die sich bei leichtem Wind sinnlich hin und her wiegt.......

Das Problem ist nur, man kann das alleine im Grunde nicht auflösen. Angst läßt sich nun mal nicht wegdiskutieren :nix: . Besser ist es, sich der Situation zu stellen. Aber nicht alleine, sondern mit jemandem, der einen begleitet. Das muss kein Trainer oder ein ach so wissender Mensch, es reicht, wenn jemand ohne Angst das Pferd z.B. an den Strick nimmt, der Reiter oben drauf sitzt und man gemeinsam dem Wind die Stirn bietet. Das gibt dem Menschen die Sicherheit, dass das Pferd nicht abhauen kann, dem Pferd gibt es Sicherheit, dass der Mensch da oben ruhig bleibt.

Wenn mich schon kleine Hopser nach unten befördern, was meine Angst wachsen läßt, muss ich dem Übel zur Wurzel folgen. Sprich: ich nehme Unterricht und lerne ausbalanciert zu sitzen. Wenn ich weiß, dass ich nicht bei jedem kleinen Hopser einen Freiflug gewinne, steigt meine Sicherheit, die bringt Ruhe und damit beruhigt es auch das Pferd. Am besten macht es sich, wenn man auf dem eigenen Pferd eine Sitzschulung macht, da aber bitte mit einem erfahrenen Trainer, der auch die Ängste des Menschen ernst nimmt.

Was man sich aber immer klar machen muss: es sind immer nur kleine Schritte, keine gigantischen Veränderungen über Nacht (ich mache eine Sitzschulung und alles ist schön). Man muss regelmäßig mit einem angstfreien Partner auf dem Platz am Strick reiten, man muss regelmäßig und mehrfach Sitzschulung machen etc. Und dann muss man sich immer klar machen, was man schon erreicht hat. Man sollte sich für jede noch so kleine Verbesserung feiern ;) .
Vielen Dank für die Tipps. Ehrlich gesagt, funktioniert bei uns diese Vermeidungstaktik aber ziemlich gut. Mein Aktionsradius wird tendentiell größer und nicht kleiner, weil ich immer mehr positive Erfahrungen sammel und mutiger werde, aber genauso gibt es Situationen, in denen ich ihn nie reiten würde. Zum Beispiel bei Sturm. Da hat er wirklich Angst, steht bei der Bodenarbeit zitternd neben mir und sein Puls rast :? und ob du es glaubst oder nicht, ja er hat auch auf der Koppel in der Herde Angst dann! Man muss natürlich zwischen einem lauen Sommerwindchen und einem Sturm unterscheiden ;) .
Als meine Angst sehr groß war, habe ich mich tatsächlich auf ihm führen lassen und später dann an die Longe nehmen lassen (das lag aber auch daran, dass er da nur minimal angeritten war). Das hat uns damals sehr gut geholfen.
In meinem letzten Post habe ich die Situationen beschrieben, in denen ich runtergefallen bin und auch geschrieben, dass ich mich für durchaus sehr sattelfest halte und eben definitiv nicht bei einem Hopser runterfalle (unso beeindruckter war ich allerdings, als er mich in einer absoluten Paniksituation innerhalb von Millisekunden in den Sand befördert hat).

Meine neue Strategie sieht jetzt so aus: ich akzeptiere, dass mein Pferd ein schwaches Nervenkostüm hat und es Situationen gibt, die ihn psychisch so überfordern können, dass er absolut kopflos reagiert. Diese Situationen versuche ich definitiv zu vermeiden. Ansonsten arbeite ich an meiner Gelassenheit, damit uns eben nicht jedes wackelnde Blümchen aus der Fassung bringt ;) . Dabei helfen mir meine Merksätze, die ich auch schon mal anstelle von Singen immer wieder und wieder wiederhole ;) . Letzte Woche hat eigentlich alles sehr gut geklappt, ich glaube, ich habe ihm auch oft zuviel Druck gemacht, wenn er vor etwas Angst hatte :tuete: , seitdem ich jetzt versuche, das viel entspannter zu sehen, steigert er sich auch viel weniger in irgendwas rein. Gucken tut er natürlich trotzdem, aber es wird dann nicht immer schlimmer im Laufe der Einheit. Auch da funktioniert die Vermeidungsstrategie recht gut, wenn er in einer Ecke Angst hat, dann meiden wir besagte Ecke eben anfangs (und schleichen uns dann im Laufe der Stunde unmerklich immer näher :-D ).

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Re: Wie (Angst)Gefühle besser in den Griff bekommen?

Beitragvon slowmotion » Do 24. Jul 2014, 06:59

Bachblüten für Pferd und Reiterin können sicher nicht zaubern, aber gut den gerade aufbauenden Prozess unterstützen. ;)
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, dass ich bin.
Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
(Mascha Kaleko)
www.pferde-ikonen.de

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Re: Wie (Angst)Gefühle besser in den Griff bekommen?

Beitragvon Hottie » Fr 25. Jul 2014, 22:39

Danke für den Tipp :) . Vermutlich hilft es vor allem, wenn es die Reiterin nimmt ;) , ich werde es mal ausprobieren.

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Re: Wie (Angst)Gefühle besser in den Griff bekommen?

Beitragvon Caro-Lina » Sa 20. Sep 2014, 17:56

So............nun ich auch mal...........

Was mache ich nun nach meinem letzten Crash am Mittwoch?

Habe ich Angst, habe ich keine?????????

Im Moment bin ich völlig emotionslos und betrachte mein Pferd mit (innerlichem?) Abstand............

Ist mir noch zu helfen??? :(


Dazu nur kurz, dass ich schon 2x von Tarzan runtergeflogen bin, aber diesmal war es (etwas) heftiger........Auf Neisti hätte ich mich wahrscheinlich nach den ersten beiden Malen nie wieder drauf gesetzt (naja.........unter heftigem Protest und vielleicht so nach 3-4 Wochen), aber bei Tarzan war es die beiden letzten Male okay..........und ich bin einfach wieder drauf.

Aber diesmal?? :(
Viele Grüße von Caro-Lina
Hier geht's zum Dschungel :-)
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Für immer bei mir:
Mein TB: Ein Hoffnungsfunke ist dabei! :herzi:

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Re: Wie (Angst)Gefühle besser in den Griff bekommen?

Beitragvon Hottie » Sa 20. Sep 2014, 21:13

Ich habe deine Geschichte gerade erstmal gelesen, gute Besserung! :hug:
Ich glaube, ich würde es langsam angehen lassen an deiner Stelle. Dich erstmal auskurieren, deine Trainerin reiten lassen, schauen, ob das mit dem Bocken öfters vorkommt, dann eventuell doch mal Pferd und Sattel checken lassen, wenn nicht, selbst wieder reiten, aber vielleicht erstmal nachdem die Trainerin geritten ist nur ein bissel Schritt. Bei ganz arg Angst auch ruhig führen lassen und später an die Longe nehmen lassen, das hilft gut und du wirst merken, wie sicher du dich fühlst. Das wird schon wieder :hug: .
Ich habe das auch echt so gemacht, dass mich eine liebe Bekannte geführt hat, als meine Angst ganz schlimm war. Das sah dann so aus, dass mein Pferd tiefenentspannt seine Runden gelaufen ist und ich mit weichen Knien oben drauf saß und bei jedem Geräusch zusammen gezuckt bin ;) (damals ist er wegen einem Geräusch losgeschossen). Aber es hat geholfen!


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