Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Moderator: Keshia

Benutzeravatar
Hottie
Lehrpferd
Beiträge: 4053
Registriert: Do 5. Jul 2012, 15:02

Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon Hottie » Mi 28. Mai 2014, 14:09

Heupferdchen hat geschrieben: Ich glaube, dass das Schreckverhalten sehr stark vom Pferdetyp abhängig ist. Du hast ein Kaltblut und ein eher blutgeprägtes Pferd. Blüter reagieren ganz anders, haben zwar (angeblich) Hirn, können es aber im Schreckfall doch nicht wirklich einsetzen. (Ich mag Blüter! Ich liebe Blüter!) Wenn ich meinen in einer solchen Situation sich selbst überlasse, macht er das, was er am besten kann: rennen.

Würde ich mich im Gelände plötzlich in Luft auflösen, würde mein Pony wohl vor der nächsten Wiesenblume erschrecken und panisch nach Hause renntraben. Obwohl er mit mir zusammen recht gelassen ist. Andere Pferdetypen würden wohl erst mal eine Runde gemütlich Gras fressen und sich dann zur Abendessenszeit wieder in Richtung Stall bewegen.
Du beschreibst sowas von treffend und gut meinen Araber :-D :-d :-d :-d . Und ich glaube, der Hinweis mit den verschiedenen Pferdetypen ist goldrichtig.

Benutzeravatar
Equester
Einhorn
Beiträge: 9157
Registriert: Di 15. Mai 2012, 08:52

Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon Equester » Do 29. Mai 2014, 00:38

Hottie hat geschrieben: Und ich glaube, der Hinweis mit den verschiedenen Pferdetypen ist goldrichtig.
Unterschreibe ich sofort. Die Trabernase braucht bei schrööööööööööööklichen Dingen eine kurze Aufforderung und von mir die Bestätigung dass es nicht schlimm ist. Dann geht er ohne Probleme vorbei, dabei ist es für ihn unwichtig, ob er in der Gruppe oder alleine mit mir draußen ist. Ich bin der Maßstab für seine Angst. Werde ich nervös, wird er das auch, stufe ich das Monster als ungefährlich ein, ist es das für ihn auch.

Mit dem Schimmel sammel ich gerade Erfahrungen, wie wir damit umgehen. Solange ein zweites Pferd dabei ist, ist er der Obercoole :zahn: , alleine sieht die Welt schon anders aus :panik: . Wir fangen gerade an, alleine rauszugehen und da merkt man doch deutlich, dass er alles ist, nur nicht obercool :kicher: . Bei unserer ersten Begegnung mit dem Monster Sperrmüll am Wegesrand, hatte ich noch die Idee im Kopf: er darf kurz gucken, dann treibe ich und er geht vorbei. Tja, funktioniert bei ihm nicht. Da wird er richtig pissig und keilt und versucht vorne hoch zu kommen (zum Glück sind wir beide zu fett dazu. Er kann schon alleine nicht steigen und mit mir drauf gleich gar nicht :kicher: ). Irgendwann habe ich aufgehört zu treiben, ihn aber nicht rückwärts entwischen lassen, er musste einfach nur gucken :punk: . Nach gut 2 Minuten war es ihm zu langweilig und er ist mit größtmöglicher Verachtung an dem Haufen vorbei. Beim nächsten Ausritt (der Haufen war kein Thema mehr :augenroll: ) wollten wir abbiegen, wo wir sonst nie abbiegen. Gleiches Theater wie beim ersten mal. Diesmal habe ich gar nichts gemacht und ihn so lange rückwärts gehen lassen, wie er das wollte, danach habe ich einfach nur drauf gesessen und er musste den schrecklichen Weg angucken. Nach knapp einer Minute war es ihm zu blöd und er ist mit Todesverachtung an den nicht vorhandenen Monstern vorbei :whistle: . Würde ich die Trabernase so lange gucken lassen, würde er gar nicht mehr vorbei gehen. Muss man eben nur wissen wie sie ticken, dann ist das kein Problem (und möglichst weder Angst bekommen noch nervös werden ;) )
wir machen aus :hm: ein :dafuer2:

bubi9191
Schulpferd
Beiträge: 634
Registriert: Di 13. Nov 2012, 11:44

Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon bubi9191 » Mo 13. Apr 2015, 15:50

Hallo,

mir kam dazu heute Nacht als ich nicht schlafen konnte ein Gedanke.

Ich gehörte IMMER zu der Fraktion, die es als richtig empfang, NICHT auf das Pferd beruhigend einzusprechen, sondern einfach darüber hinweg reiten/gehen/was auch immer.
In der Realität hab ich natürlich auch immer wieder "Alles gut" oder "Ist guuuut" gesagt... :whistle:

Jetzt hab ich aber mal darüber nachgedacht - wenn ich Angst hatte / habe (als Kind oder was auch immer), bin ich froh wenn ich jemanden hab (z.B. meine Mutter), die mich an die Hand nimmt, mich beruhigt, tröstet, mir sagen muss dass man keine Angst hat.
Das war mein erster Gedanke.

Mein zweiter war: Du kannst ein Pferd nicht vermenschlichen. Also vergleichen wir es mal mit wilden Tieren.

Da kam mir jetzt ein Löwe in den Sinn, man kann es aber auch durch beliebige andere Tiere ersetzen. Wenn ein Löwenjunges Angst hat, dann ermutigt die Mutter es, leckt es ab, stupst es vor - aber sie ignoriert seine Ängste/Unsicherheiten nicht.


Ich habe leider (oder besser: zum Glück) zwei Pferde, die beide nicht sonderlich ängstlich sind, somit konnte/kann ich nicht testen, was besser wirkt...
Pferde sollten so geritten werden, wie ein Surfer eine Welle reitet.
Der Surfer zwingt die Welle nicht, er will sie nicht verändern.
Er lernt einfach, wie er sie reiten kann.

viewtopic.php?f=14&t=4214

Benutzeravatar
kolyma
Lehrpferd
Beiträge: 2645
Registriert: Fr 7. Sep 2012, 23:13
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon kolyma » Mo 13. Apr 2015, 19:25

Hm - tut eine Löwenmutter das wirklich?

Ich habe bisher keinen Löwen großgezogen sondern nur Katzenkinder. Bzw. die Katzenmütter haben die Katzenkinder großgezogen. So ein Verhalten wie von dir beschrieben habe ich noch nie bei einer Katze erlebt. Und die ist ja auch ein Raubtier.
Es gibt bei Katzen auch schüchterne und mutigere Gesellen. Katzen lernen vor allem durch Nachahmung. Das heißt wenn die Katzenmutter sich etwas anschaut, weckt das bei den Katzenkindern die Neugierde. Erst gehen die Mutigen der Mutter hinterher und am Ende auch die Schüchternen.
Kommen die Letzten nicht, holt die Mutter sie entweder oder sie gibt ermutigende Laute von sich. Das heißt sie ruft die Kätzchen. Diesem Rufen können die Kleinen in der Regel nicht widerstehen. Aber diese Laute haben einen absolut antreibenden, motivierenden, auffordernden Charakter - keinen beruhigenden.


Allerdings - nochmal zu den Katzenbabys - schreien kleine Katzenbabys nach ihrer Mutter (was man durchaus mit Angst in Verbindung bringen kann), stößt die Katzenmutter beruhigende Laute aus um die Kleinen zu beruhigen. In diesem Zusammenhang gebe ich dir recht, dass hier beruhigende Laute gebraucht werden. Im Zusammenhang mit Angst vor Objekten/Situationen habe ich das aber noch nie bemerkt.
Bild Geduld ist die hohe Kunst sehr langsam wütend zu werden...:ohm2: :sofort:


"Besser wenig und das Wenige gut."Egon v. Neindorff

leidenschaftliche Pferdefotografie: https://www.facebook.com/melanie.viereckel.photography

Benutzeravatar
Lisa-Marie
Pegasus
Beiträge: 9787
Registriert: Sa 4. Apr 2015, 21:34

Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon Lisa-Marie » Di 14. Apr 2015, 07:59

Bei Pferden weiß man inzwischen ja auch, dass sie sehr viel über Nachahmung lernen. Wenn mein Youngster (ist auch ein "Steh-Gucker") mal wieder was ganz Gruseliges sieht, dann bleib ich daneben stehen, mache ein "lockeres Bein" (stell meinen Fuß auf, wie Pferde, die dösen), lass ganz bewußt die Schultern fallen und steh "lommelig", also entspannt/ locker/ ohne Spannung und schau meist auch in der Gegend rum (zum Zeichen, dass ich die Umgebung sichere, während er abgelenkt ist).
Nach kurzer Zeit senkt er meist den Kopf oder nimmt Kontakt mit mir auf und dann frag ich ihn, ob wir weiter gehen (meist ja). Wenn er doch noch einmal schauen muss, gleiches Spiel, wieder alles locker, Spielbein, bis er entspannt und wir weiter gehen können.
Zum Glück ist er kein Paniker, selbst wenn er sich erschreckt macht er nur einen Satz und bleibt dann stehen, dann beginnt das gleiche wie oben.

Beim Spazierengehen, wenn er mir zur schnell wird, halte ich an, clicker das Halten und stehe ein bißchen blöd in der Gegend rum (immer Körperhaltung wie oben). Meist schaut er dann rum und dann warte ich, bis seine Aufmerksamkeit wieder bei mir ist und weiter gehts...
Ich weiß nicht, ob das "richtig" ist, was ich mache, aber mir macht es ein ganz gutes Gefühl.
Das Leben ist eines der Schwersten

Benutzeravatar
Topsana
Sportpferd
Beiträge: 1358
Registriert: Fr 18. Mai 2012, 14:44

Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon Topsana » Sa 20. Jun 2015, 09:08

Ein interessantes Thema!

Ich bin mir nicht sicher, ob man (grade bei diesem Thema) Raubtiere mit Fluchttieren vergleichen kann.

Wie auch immer, ich finde sowohl "Anschauen" als auch "Sicherheit geben und weiter gehen" wichtig, wie andere auch schon geschrieben haben.
Und es kommt natürlich auf das jeweilige Pferd drauf an, aber auch auf die jeweilige Situation. Ich kann im Gelände ja nicht immer und bei jedem "gefährlichen" Objekt, in jeder Situation, das Pferd hingehen und anschauen lassen.
Mein Pferd hat z.B. den Stall gewechselt und jetzt müssen wir während dem Ausritt manchmal über ein Bahngleis und dort fahren auch ständig Züge. Da kann ich aber jetzt schlecht hin gehen und schnuppern lassen. Anschauen ja, aber auch nur aus einer gewissen Entfernung, da es sonst ja tatsächlich gefährlich wäre!
Mein Pony ist zum Glück absolut cool und hat sich von Anfang an, von sowas Lächerlichem, wie Zügen, nicht beeindrucken lassen. :mrgreen:

Aber aus diesem Aspekt betrachtet, finde ich "Sicherheit geben und weitergehen" durchaus, sehr wichtig, weil es manchmal eben nicht anders geht.
Ich mache es fast immer so, da mein Pony aber auch grundsätzlich entspannt ist und flott und zwar manchmal schief schaut, aber da reicht es, wenn ich entspannt bleibe und ihr vermittle, dass alles gut ist und schon sind wir vorbei.

Benutzeravatar
Lottehüh
Sportpferd
Beiträge: 2279
Registriert: Fr 18. Mai 2012, 11:21

Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon Lottehüh » Mo 22. Jun 2015, 10:45

Ich bin mittlerweile wieder eher davon überzeugt, anschauen zu lassen. Und Pablo ist mittlerweile soweit, dass er auch selbst schauen will. Er WILL selbst erfahren, dass es ihm nix tut und es gibt ihm Sicherheit, wenn ich sage "Schau mal" (das bedeutet "mit den Nüstern berühren"). Ich glaube, dass es auch seiner Persönlichkeit eher entspricht, er es früher aber vor lauter Angst nicht konnte. Jetzt ist er selbstbewusst genug, um sich seiner Angst zu stellen. Allerdings hast Du recht, es gibt Situationen, in denen das natürlich nicht geht. Gestern zum Beispiel waren wir zum ersten mal auf der Autobahnbrücke. Anfangs fand Pablo das gar nicht so schlimm, trotz großem Lärm. Aber als ich ihn dann stehen ließ und er nach unten geschaut hat, konnte er es nicht einordnen, dass die Autos unter uns waren und ist jedesmal nach hinten gehüpft. Da zählt dann eher so kontrolliert wie möglich weitergehen und gut ist...
Das Leben schenkt Dir ein Pferd - reiten musst Du schon selber.
:schritt:


Zurück zu „Angst von Pferd und Mensch“



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast