Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

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Scheckenfan
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Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon Scheckenfan » Mi 14. Mai 2014, 22:09

Für uns hat es sich als Hilfreich erwiesen, "touch" als Signal zu installieren. Auf "touch" soll das Pferd das gruslige Objekt berühren und dafür gibt's :keks:
Damit sage ich dem Pferd gleichzeitig, dass es nicht gefährlich ist, gebe ihm Gelegenheit, sich das Ding anzusehen und zu beschnuppern, und bin bestimmt und selbstsicher.
Mache das sowohl am Boden als auch vom Sattel aus.

Ganz wichtig ist m.E. auch, dass man immer gut auf die fragen des Pferds achtet und umgehend antwortet. Noch bevor mein Pferd mit dem Körper ausweicht, zeigt er seine bedenken ja über Ohren/Anspannung/Haltung an - und schon aufs erste Ohrendrehen reagiere ich. Meine "Antwort" kann ein Stimmsignal, ein tätscheln, eine Hilfe mit Gewicht oder Bein oder ein leichtes Zupfen am Zügel sein.
Am Boden natürlich entsprechend, wobei die Pferd dort mehr auf die Körpersprache achten können und somit weniger antworten brauchen.

Aber es bleibt dabei, dass es immer auf das Pferd-Reiter-Paar ankommt, was man wann macht. :nix: Hilft nur ausprobieren.
Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst in dieser Welt.
- Mahatma Ghandi

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Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon ehem User » Mi 14. Mai 2014, 22:57

Heupferdchen hat geschrieben:Ich habe vor langer, langer Zeit in der Umweltjugendbildung gearbeitet und Nachtwanderungen mit Schulkindern gemacht. Die Mutigen wollen vorausrennen. Die ängstlichen rennen nicht etwa alleine zurück zur Herberge. Die wollen mit der Betreuerin Händchen halten, weil sie wissen, die kennt sich aus und schleust sie sicher da durch. Und danach sind sie bollestolz aufs überstandene Abenteuer.
So jemand möchte ich für mein Pferd auch sein.
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Lottehüh
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Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon Lottehüh » Do 15. Mai 2014, 10:18

Piebald hat geschrieben:
Heupferdchen hat geschrieben:Ich habe vor langer, langer Zeit in der Umweltjugendbildung gearbeitet und Nachtwanderungen mit Schulkindern gemacht. Die Mutigen wollen vorausrennen. Die ängstlichen rennen nicht etwa alleine zurück zur Herberge. Die wollen mit der Betreuerin Händchen halten, weil sie wissen, die kennt sich aus und schleust sie sicher da durch. Und danach sind sie bollestolz aufs überstandene Abenteuer.
So jemand möchte ich für mein Pferd auch sein.
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Ja, das hab ich mir auch gedacht :wdanke:
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Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon Ramona » Do 15. Mai 2014, 11:37

Mir gefällt ja schon das "vs." in der Überschrift nicht. Anschauen und Sicherheit geben, schließt sich doch nicht aus. ;)

Wie gehst du denn konkret vor beim "Schauen lassen"? Ermunterst du dein Pferd irgendwie dazu oder überlässt du ganz allein ihm die Entscheidung, ob es sich das "Ding" näher betrachten möchte? Vielleicht braucht er da einfach mehr Unterstützung/Ermunterung von dir? Den Vorschlag von Scheckenfan mit dem "Touch-Signal" finde ich da ganz hilfreich. Also Sicherheit geben durch Ermunterung zum Schauen/Schnüffeln. Und dann weitergehen.

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Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon Lottehüh » Do 15. Mai 2014, 14:07

Das hatte ich nicht kommentiert weil es genau das ist, was wir tun. Ich gehe voraus, er folgt mir (oder ist im besten Fall neben mir), ich sage "schau", wenn er "es" ;-) berührt gibt es C&B. Soweit die gut bewährte Theorie vom Boden. Sorry war unklar ausgedrückt - mit "anschauen" meine ich "mit dem Maul schauen" ;-) also berühren.

Schon klar, dass man auch beim Hinführen Sicherheit gibt. "Vs.", weil es für mich bisher absolut undenkbar war, meinem Pferd Sicherheit zu geben, indem ich ihm sage, dass es weitergehen soll. Das schien für mich eher wie ein "ja, lass uns lieber weitergehen, bevor das böse Ding uns frisst". Ich dachte, Sicherheit in der Umwelt bekommt es nur, wenn es selbst erfährt (durch meine Hilfe / Führung / Sicherheit), dass die Dinge ungefährlich sind. Und da bilde ich gerade meine Meinung um. Deshalb "vs." und deshalb auch dieser Thread.
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Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon tara » Do 15. Mai 2014, 15:12

Sicherheit gibst du dem Pferd, indem du ihm zeigst, daß es ungefährlich ist. Ich mußte mir wiederholt nasse Füße holen, bis das Polo überzeugt war, daß man in einer Pfütze nicht ertrinkt. Nachdem ich ihm das mehrmals vorgemacht hatte,klappt das auch beim reiten. OK, ich mußte anfangs öfters mal absteigen. So geht das auch mit anderen Dingen. Mit der Zeit kann ich immer öfters vom Sattel aus sagen, "ist ok, geh weiter" (ohne anschauen). Es ist also mMn kein "vs", sondern eine Entwicklung.
Liebe Grüße
tara



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Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon Ramona » Do 15. Mai 2014, 15:29

Lottehüh hat geschrieben:Das hatte ich nicht kommentiert weil es genau das ist, was wir tun.
Gut zu wissen, dass ihr das schon so macht.
Ich gehe voraus, er folgt mir (oder ist im besten Fall neben mir)
Heißt das beim "normalen" Führen von A nach B läuft dein Pferd immer hinter dir oder mit seinem Kopf auf deiner Schulterhöhe? Falls ja, würde ich empfehlen, dass du dir Schritt für Schritt weitere Führpositionen weiter hinten am Pferd erarbeitest bis du dein Pferd auch von hinten führen kannst. Ich habe beobachtet, dass es ungemein das Selbstvertrauen fördert, wenn Pferde vorneweg laufen und sie so auch mal als erste "gruselige" Dinge erreichen oder passieren. Letztlich sitzt du ja auch auf dem Pferd quasi "hinter" dem Pferd bzw. schickst es vor dir her. Wenn's dann mal was richtig Gruseliges kommt, wird sich trotzdem gerne hinter mir versteckt, was für mich auch OK ist, wenn sehe, dass das Pferd in dem Moment mit Vorweggehen einfach überfordert ist. Das sind dann die Situationen, wo ich auch absteigen würde, wenn ich in dem Moment reiten würde.

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Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon Lottehüh » Do 15. Mai 2014, 16:37

Es kommt drauf an. Wenn ich mit Lotti, ihm und Hund laufe, dann möchte ich ihn lieber mit Kopf auf oder kurz vor meiner Armhöhe haben, also grob sein Auge/Ohr neben meinem Arm. Denn ich will ich nicht zwischen den Schultern / Brustkörben der beiden Pferde gehen. Wenn wir alleine (bzw. mit Hund) sind, hab ich ihn auch gerne mal mit seiner Schulter an meinem Arm (wir haben auch ein Beruhigungssignal, das mit Signal"wort" und taktilem Reiz vor seinem Schulterblatt belegt ist). Das variieren wir, je nachdem wie sicher er sich fühlt. Wenn wir aber auf was zugehen, was ihn ängstigt, rennt er mir selten voraus ;) Dann ist er eben im besten Fall mit dem Kopf neben mir.
Zuletzt geändert von Lottehüh am Do 15. Mai 2014, 16:43, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon Lottehüh » Do 15. Mai 2014, 16:41

Tara, Das mit der Pfütze können wir mittlerweile beim Führen schon echt super - hat mich gerade die Tage echt beeindruckt, wieviel da nach der längeren Trockenperiode hängengeblieben ist.
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Re: Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen

Beitragvon ehem User » So 18. Mai 2014, 08:46

*Anschauen vs. Sicherheit geben und weitergehen*

Für mich gibt es kein "vs." - es gibt nur eine situationsbezogene Reaktion; wie auch beim "Absteigen und Führen oder nicht".

Die Reaktion liegt in der Aktion des Pferdes - was benötigt mein Pferd in der jeweiligen Situation, um damit umgehen zu können und daraus lernen zu können.

Das Ansehen (evtl. mit Stehen bleiben) eines gruseligen Objektes ist auch so eine Sache - da sind Timing und Reinhören ins Pferd gefragt. Pferde gehen über "Annäherung und Rückzug" an ihnen ungeheure Dinge ran - die individuelle Frage ist: wie viel davor stehen bleiben, wie lange und wann weiter gehen. Und wann reagiert Pferd (noch und vielleicht verzögert) auf die vorwärtsweisende Hilfe...

Ich reagiere, wie es mir mein Pferd "vorgibt": Ansehen und gleichzeitig weitergehen; ansehen mit stehen bleiben und dann weiter gehen; stehen bleiben 100 Meter davor, schauen lassen und langsam vorwärts tasten; vorbei reiten ohne Absteigen; Absteigen, ansehen lassen, weitergehen und wieder aufsteigen...usw. usw.

Fürs Pferd und die gemeinsame Beziehung ist es mM sehr wichtig, dass man als Pferdemensch immer eher erkennt, was richtig ist in der jeweiligen Situation für meinen Partner Pferd. Je eher ich im Laufe der Zeit erkenne, was mein Pferd für eine Lösung benötigt, umso mehr vertraut es mir! :hug:


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