Kopfkino beim Reiten

Moderator: Keshia

ehem User

Kopfkino beim Reiten

Beitragvon ehem User » Do 27. Feb 2014, 23:58

Ich werd noch irre - ich habe das vermutlich liebste und sanfteste Pferd auf diesem unseren Planeten, ein richtiger Mamatyp. Wir verstehen uns toll - solange es auf dem Boden bleibt. Will ich auch nur aufsteigen ist es aus und vorbei. Kopfkino pur. Ich habe Bilder im Kopf, was alles passieren kann.

Angefangen hat es mit meinem alten Sattel, der mir beim aufsteigen entgegen gekommen ist. Danach habe ich mir sofort einen neuen Sattel gekauft, die Angst ist aber geblieben und eher schlimmer geworden.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass ein Pferd nicht unbedingt geritten werden soll. Soweit gut, einverstanden. Allerdings möchte ich nicht, dass sich da eine echte Phobie raus entwickelt und außerdem hat meine Große Spaß an der Arbeit unter dem Sattel. Deshalb habe ich derzeit einen Profiberitt zweimal die Woche.

Hat jemand nen Tip für mich oder mal ähnliches erlebt, dass ich mir nicht gar so dämlich vorkomme? Ich hab schon überlegt, mir ne RL kommen zu lassen, aber der Tenor am Telefon war dann, dass ich wohl eher ne Psychotherapie brauchen würde. Ich sei ja schließlich eine erwachsene Frau.

Ist das denn wirklich so ungewöhnlich? :(

malwine
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Re: Kopfkino beim Reiten

Beitragvon malwine » Fr 28. Feb 2014, 00:34

Ne –ist nicht so ungewöhnlich, ging (geht mir auch so). Mein Ponytier ist grundsätzlich auch brav, ab und zu halt etwas schreckhaft und einmal ist sie mit mir drauf gestiegen. Daraufhin hab ich echt Angst bekommen und mich nicht mehr rauf getraut, da ich immer dieses Bild vom steigenden Pony vor Augen hatte und was da alles passieren kann. Mir hat geholfen, dass eine Freundin (vom Reitenkönnen auf ähnlichem Niveau wie ich, also kein Profi) mir mein Pferd geritten hat und ich sehen konnte, dass Pony beim Reiten kein schreckliches Ungeheuer ist und eigentlich ganz entspannt läuft und ein kleiner Schreckhüpfer, der mir im Sattel sehr beängstigend vorkam in Wirklichkeit und mit Abstand betrachtet eigentlich gar nicht spektakulär war. Außerdem hab ich Reitstunden mit meinem Pferd genommen, denn es gab mir Sicherheit, wenn jemand da war, der mir sagen konnte „Mach dies“ oder „mach das“ und auch „vergiss das Atmen nicht“ wenn ich wieder Angst bekam. Wobei meine Reitlehrerin mit uns da auch recht kleinschrittig vorgegangen ist, anfangs dicht bei mir blieb und mir dadurch Sicherheit gab. Ganz durch ist das Thema bei mir auch noch nicht, aber mit Hilfe von Freundin und Reitlehrerin kann ich meine Angst überwinden und wir machen Fortschritte beim Reiten. Am Boden hab ich übrigens nie Probleme gehabt, da lach ich über lustige Ponyhüpfer an Longe oder Arbeitsseil.
liebe Grüße, Malwine

Nucades
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Re: Kopfkino beim Reiten

Beitragvon Nucades » Fr 28. Feb 2014, 07:29

Ich denke, Du bist in bester Gesellschaft - ich z.B. habe das Kopfkino beim Reiten geradezu perfektioniert ;)
Mir hat der Rat einer Freundin: "Aufsitzen, immer wieder aufsitzen!" geholfen. Das habe ich gemacht und wenn´s nur zwei Minuten waren - egal! Es hat mir sehr geholfen, weil es immer ein positives Erlebnis war (es ist halt nix passiert).
Und ich habe eine tolle RL, die genau die richtige Mischung zwischen Verständnis und Fordern hat. Sie lässt mich so intensiv mit dem Pferd arbeiten, dass ich kaum Zeit für Kopfkino habe :)
Ich würde an Deiner Stelle nochmal nach einer passenden RL Ausschau halten.

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Heupferdchen
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Re: Kopfkino beim Reiten

Beitragvon Heupferdchen » Fr 28. Feb 2014, 09:33

Hallo,

ich habe immer Kopfkino, nicht nur beim Reiten - auch beim Autofahren oder Arbeiten. Die Frage: "Was könnte passieren und wenn, was tue ich dann?" ist eine der Fragen, die mich im Leben am meisten beschäftigt. Inzwischen habe ich gelernt, damit umzugehen und dieser Veranlagung etwas positives abzugewinnen.

Ich versuche dann immer, eine Lösung oder Strategie zu finden, wie ich mit der gefährlichen Situation umgehe. Dann hakt mein Kopf das ab, und ich kann wieder entspannen.

Situation beim Ausritt: Mein Pferd schlappt völlig entspannt auf einem Wirtschaftsweg zwischen stacheldrahtumzäunten Kuhweiden. In meinem Kopf entsteht das Bild, mit Pony im Stacheldraht zu landen. Ich entwickle dann eine Strategie wie z.B.
WENN mein Pferd jetzt scheut, würde ich soundso vom Pferd abrollen und dabei die Zügel festhalten, FALLS ich weit genug entfernt vom Stacheldraht bin. Wenn nicht, lasse ich los und hole ihn wieder zu mir. Wenn er trotzdem nach Hause rennt, dann ... usw.
Das geht bis hin zu (nicht beim Kuhweiden-Beispiel, natürlich): In Situation X kann ich nichts mehr tun und sterbe dann halt. Wenn das im Kopf ausgesprochen ist, ist es zwar noch schlimm, aber nicht mehr beängstigend.

Einige würden behaupten, dass dieses Kopfkino mein Pferd kirre macht. Ich habe aber die gegenteilige Erfahrung gemacht. Vorausschauend zu denken, hat für Pferde was sehr beruhigendes. Ich habe auch kaum mehr eine Angstreaktion beim Kopfkino.

Ich finde diese erhöhte Alarmbereitschaft nicht verkehrt, aber für viele Menschen recht unverständlich: Mein Freund z.B. mich öfters aus, weil ich für alle möglichen und unmöglichen Dinge eine Strategie habe.
Zuletzt geändert von Heupferdchen am Fr 28. Feb 2014, 10:24, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Kopfkino beim Reiten

Beitragvon Keshia » Fr 28. Feb 2014, 09:54

Die Strategie gefällt mir. :-n Ich habe auch mal gelernt, Dinge, vor denen ich Angst habe, zu Ende zu denken. Wenn man das konsequent tut, wie du mit deiner Strategie, dann merkt man auch, daß vieles, was man sich ausmalt, nicht realistisch oder eben unwahrscheinlich ist. Wenn man dann merkt, daß selbst der schlimmste Fall irgendwie machbar ist, kann man sich der Situation leichter stellen.
Ob ich damit so zurecht käme, mir zu sagen: Dann sterbe ich halt. :-e Weiß ich nicht. :mrgreen:
Aber es nimmt schon den Schrecken, dieses zu-Ende-denken.
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Re: Kopfkino beim Reiten

Beitragvon -Tanja- » Fr 28. Feb 2014, 10:17

Um Wiederholungen zu vermeiden, setze ich hier einfach mal den Link zu einem Artikel rein, in dem ich auf meiner Homepage festgehalten habe, wie ich damals damit umgegangen bin:
http://pfinzgauranch.jimdo.com/tanja-%C ... egt/angst/
Reiten ist nicht weiter schwierig, solange man nichts davon versteht.
Aus: "Vollendete Reitkunst", Dr. Udo Bürger, 1959

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Re: Kopfkino beim Reiten

Beitragvon WaldSuse » Fr 28. Feb 2014, 10:23

Ich habe auch eines der sanftesten und liebsten Pferde der Welt,leide eigentlich auch nicht unter Kopfkino,aber es gibt schon Situationene,da komme unschöne Bilder auf....Grad so zwischen Stacheldraht rum reiten.... :roll:
Ich mache es anders,ich denke positiv.
Das geht so:
Wir laufen entspannt da durch.Er bleibt auf dem Weg.....
Also KEINE Verneinung!Also nicht denken:Er rennt jetzt NICHT in den Stacheldraht usw.Immer positiv denken.Dann visualisiere ich ganz bewußt auch,wie wir entspannt da durch gehen,atme bewußt ruhig.Kann auch sein,daß ich ihm erkläre,daß wir da jetzt ganz ruhig durch gehen.Ich fokussiere also das positive Ergebnis.
Wenn ich mir immer alles vorstellen würde,was passieren KÖNNTE,würde ich mich nie wieder auf ein Pferd setzten....... :snooty:
Bin einfach ein Riesenfeigling....
Ich kann niemals tiefer fallen als in die Hände der Großen Göttin.

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Re: Kopfkino beim Reiten

Beitragvon Neddie » Fr 28. Feb 2014, 13:36

Ich hab das auch ganz schlimm! Hugo ist bisher drei oder vier Mal los gerannt, in einem Tempo, dass ich hinterher dachte, dass ich ihn mit seinen 12 Jahren doch noch auf die Rennbahn schicken könnte.

In dem Moment hätte ich sterben können vor Panik. Es konnte gar nichts passieren, wir waren in der Halle unterwegs. Aber trotzdem...


Es gibt zwei Strategien, die mir erfolgversprechend erscheinen:

1.) In der Ausgabe "Angst" der Dressurstudien empfiehlt eine Profireiterin, dass man sofort, wenn irgendwas ist, eine Käseglocke über sich und das Pferd stülpt.
Soll heißen: Es existiert auf der ganzen Welt nur das Pferd und du.
(Es gibt KEINE Bäume gegen die man prallen könnte, KEINE Löcher im Weg, durch die das Pferd stürzen könnte, es gibt KEINE befahrenen Straßen).


2.) Ich versuche eine fatalistische Sichtweise zu etablieren: "Wenn was passieren soll, passiert es, fertig!". Das entschuldigt natürlich keine Leichtsinnigkeit, aber ich habe einfach schon so viele Geschichten gehört, bei denen Leute gestorben sind oder schwer verletzt wurden, ohne dass das irgendwas mit Pferden zu tun gehabt hätte, einfach so, mitten aus dem Leben gerissen...

Natürlich, reiten kann schon gefährlich sein, aber Autofahren ist das auch (!!!) und ich sitze nie mit einem mulmigen Gefühl im Auto.

Also: Ich entspanne mich und denke "wenn deine Zeit gekommen ist, ist das so, wenn nicht, nicht" [nicht das ich das immer durchhalte, aber ich übe :daumen:]
„Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen.“

Kurt Tucholsky

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Re: Kopfkino beim Reiten

Beitragvon ehem User » Fr 28. Feb 2014, 22:40

Erstmal danke, dass ihr mich nicht für total besch**** haltet.

Ich habe heute mit meiner SB gesprochen, die mir eine recht gute RL empfohlen hat. Diese hab ich angerufen und lange mit ihr gesprochen. Sie hat mir für den Anfang Longenstunden vorgeschlagen und war total verständnisvoll. Das wäre gerade mit zunehmendem Alter nicht ungewöhnlich.

Total lieb fand ich auch eine Miteinstellerin, die mir ebenfalls sofort Hilfe angeboten hat.

Jedenfalls habe ich direkt am Sonntag meine erste Stunde, dann sehen wir weiter.

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Re: Kopfkino beim Reiten

Beitragvon Hina_DK » Sa 1. Mär 2014, 01:31

Oh wie gut ich das alles kenne und ich habe das Gefühl, je älter ich werde, desto schlimmer wird es. Dabei ist der Reddi die absolute Lebensversicherung, auch wenn er ein Charakterkopf ist. Aber ich komme mit meiner Blockade manchmal wochenlang und sogar auch schon monatelang nicht aufs Pferd. Es geht dann einfach nicht. Bei Tigull noch schlimmer, den reite ich schon lange überhaupt nicht mehr, weil der eben keine Lebensversicherung ist und noch so viel lernen muss. Tigull wird nun im Frühjahr zu einer Freundin in ihre Isiherde kommen, die ihn erstmal weiter ausbildet. Ich kanns einfach nicht und das muss man sich dann auch eingestehen. Dort wird er es sehr gut haben, sie macht wiklich tolle Arbeit und dabei haben wir dann auch noch eine super Reitlehrerin. Das ist alles für mich ein riesiger Weg jedesmal aber ich weiß, dass ich dann auch aufs Pferd komme. Aber erstmal wird meine Freundin mit ihm arbeiten und so hoffe ich, dass er seine ganze Energie dann langsam in geordnete Bahnen bekommt. Er ist ja vom kleinen Kuschelpony im Laufe der Zeit zum totalen Powertypen geworden. Reddi wird dann als Gesellschaft noch eine kleine Isistute bekommen und die ist auch von Kindern reitbar, so dass ich dann zusammen mit meiner Enkelin oder auch mal mit meiner Tochter ausreiten kann. Ich weiß, dass mir das schon sehr sehr viel helfen wird, wieder regelmäßig aufs Pferd zu kommen. Wenn ich nicht alleine bin, gehts auch eigenartigerweise ohne Probleme. Das Irre an der Sache ist, sowie ich auf dem Pferd sitze, läuft da auch kein Kopfkino mehr und ich kann es wirklich in vollen Zügen genießen aber ich muss ja erstmal raufkommen und daran ist zeitweilig überhaupt nicht zu denken ;). Leider habe ich hier am Ort keine RL, alleine das würde mir ja schon sehr helfen aber alles was greifbar wäre, ist genau das Gegenteil von dem, was ich unter einem guten RL verstehe.
Viele Grüße
Hina

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