Die Sache mit den Hinterhufen...

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Hina_DK
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Re: Die Sache mit den Hinterhufen...

Beitragvon Hina_DK » Mi 26. Feb 2014, 13:16

Ganz sicher überträgt man die eigene Unsicherheit an den Hufen auch aufs Pferd, so jedenfalls meine Erfahrung. Ich bin auch ein Hufangsthase, nachdem ich auch vor unzähligen Jahren mal so richtig getreten wurde. Ich muss mich seit je her auf "Aktion Huf" regelrecht mental vorbereiten, wobei ich mit der Zeit auch wieder deutlich gelassener geworden bin. Unser Hufschmied hat da keinerlei Probleme und das spürt unsere Kleine auch und macht eben auch keinerlei Zickengehabe bei ihm.

Was das Wachstum und die mangelnde Balance betrifft, so denke ich, dass das tatsächlich ein ganz wesentlicher Punkt ist. Die kommen dann schon manchmal auf vier Beinen damit nicht ganz klar, auf dreien noch weniger. Solche Wachstumsphase machten auch bei unserem Tigull oft Probleme beim Hufe geben, wenn der auch nicht gekickt hat aber einfach wars auch nicht. Manchmal waren die Hufe bei dem regelrecht nicht hochzubekommen. Unser Ältester hebt die Hufe von selbst, zumindest drei von vieren, wenn man sich in entsprechender Position am Putzplatz daneben stellt. Das ist super bequem :). Nur vorne links nicht, da macht er immer Mätzchen und fängt mit Zirkuslektionen an :lol: . Haben wir ihm aber alles nicht selbst beigebracht, sondern irgendwelche Vorbesis, würde das aber ganz gerne auch im Laufe der Zeit beim unseren jüngeren einüben.

Mir geht da noch was durch den Kopf. Deine große Kleine ist ja blind. Auf drei Beinen wissen sie instinktiv, dass ihre Fluchtchancen nicht so toll sind, also müssen alle anderen Sinne mehr in Alarmbereitschaft sein. Da ist sie aber eingeschränkt. Möglicherweise ist das auch ein Grund, warum sie äußerst unwillig als Dreibeiner stehen will.
Viele Grüße
Hina

Probiers mal mit Gemütlichkeit

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QueenAmy
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Re: Die Sache mit den Hinterhufen...

Beitragvon QueenAmy » Mi 2. Apr 2014, 13:51

Heute wurden all unsere Übungseinheiten (Beine kraulen, anfassen, nur kurz heben, NICHT halten, auf Berührung ruhig reagiert etc) in einem Schlag binnen 15 Minuten zunichte gemacht.

Ich kopiere den Beitrag aus unserem Tagebuch :
Juhu, meinem Rücken gehts besser!
Sche*ße : ich hab ne Halsentzündung...

Juhu : Amys Vorderhufe sind gekürzt!
Sche*ße : der Schmied war ein unfähiges Arschl*ch!

Gerade komme ich vom Stall und bin immernoch total durch den Wind.
Ich rief für heute einen Schmied aus Flensburg, dem ich auch erklärte wie Amy ist und das sie eine bestimmte aber sehr sanfte und verständnisvolle Hand brauchte.

Der Schmied kam an, und Amy konnte ihn von Anfang an nicht leiden. Ich mache mir Vorwürfe, das ich ihn da nicht gleich weggeschickt habe. Aber ihre Hufe sind einfach viel zu lang und ich dachte, ich hätte keine andere Wahl. :cry:
Vorne hat sie ein Bisschen gesponnen, aber es ging gut.
Schmied wollte nicht das sie frisst, war der Meinung ich belohne sie damit für schlechtes Benehmen - dabei kennt Amy garkein Futterlob... wir arbeiten nur über Stimm- und Streichellob. Sie wird sonst immer zu aufgeregt, und bekommt deshalb nur am Ende unserer Übungen kurz bevors zurück auf die Weide geht, etwas zu essen...
Nunja. Hinten gings dann los.

Amy trat nach ihm, Schmied gab ihr einen Klaps - kann ich soweit verstehen, ist gefährlich!
Amy regte sich dann immer mehr auf, Schmied wurde kurz ruhiger. Holte dann plötzlich ein ultrastabiles Halfter aus seinem Wagen und band sie ganz kurz an, Amy geriet sofort in Panik und ich befahl ihm sofort den Strick zu lösen.
Er mir widersprochen, ich darauf bestanden, Amy wurde befreit, und ich hab sie von diesem Vollid***en weggeführt. Sie regte sich furchtbar auf als er auch nur einen halben Meter näher an sie rantrat.

Dann begann der Kindergarten.
Schmied : "DU bringst ihr schlechtes Benehmen bei!!!"
Ich - ganz ruhig - : "Das ist einfach nicht meine Überzeugung. Ich möchte nicht, das sie gezwungen wird. Sie kann keine schlechten Erfahrungen mit Schmieden gebrauchen."
Schmied : "SIE erzieht sich so selbst ich hab da garnichts mit zu tun!!!"
Ich - "Das ist für mich nicht wichtig. Sie soll NICHT gezwungen werden, das ist einfach nicht meine Überzeugung."
Schmied : "Du findest niemals jemanden der an so ein Pferd rangeht sie ist gefährlich und das mit ZWEI Jahren!!! Sie MUSS das können! Entweder du lässt mich machen, oder ich fahre!!!"

Mir der Geduldsfaden gerissen. Trotz Halsentzündung und abartiger Schmerzen schrie ich den Schmied nurnoch an, das es MEINE Überzeugung ist die bei MEINEM Pferd wichtig ist, es mir völlig egal ist wie er denkt und er bloß wegfahren soll denn einen solchen Menschen tu ich Queen Amy nicht an, sie hat Angst und das will ich nicht!!!

Schmied abgefahren, ich zusammengeklappt.
Die ganzen Schmerzen der letzten Wochen, seit gestern die Halsentzündung die heute so schlimm wurde das ich Blut hustete... und dann soetwas.
Mir reichts. Wie kann man nur so mit einem PFERD umgehen??
Ich schrieb ihm extra, das Amy eine starke aber SANFTE und verständnisvolle Hand braucht, wie kann er meine Vorraussetzungen ignorieren und einfach seine brutalen Methoden ohne mein Einverständnis anwenden!?

Der Typ ist nicht nur unmöglich im Umgang mit Pferden, er ist auch vollkommen unfähig mit Menschen umzugehen.
Jetzt hole ich den Schmied zu Amy, der sie letztes Mal auch gemacht hat.
Ein sanfter, aber auch konsequenter isländischer junger Mann, Amy mag ihn und ab jetzt ist vorbei mit anderen Schmieden.
Ich suche nun nach einer pfanzlichen Methode, Amy einfach ein Bisschen zu beruhigen... nicht betäuben, nur beruhigen.
Das sie sich nicht ganz so aufregt, wenn man Hinterhufe hebt.

Der Schmied hat mich absolut entmutigt... und langsam mache ich mir Vorwürfe, und frage mich ob ich vielleicht einfach unfähig bin, mit Amy umzugehen. :cry:
... mit dem Wissen diese Seelen bleiben immer verwandt, egal wie viele Meilen uns teilen irgendwann...

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Lottehüh
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Re: Die Sache mit den Hinterhufen...

Beitragvon Lottehüh » Mi 2. Apr 2014, 15:09

Also was bisher finde ich ein bisschen zu kurz kam bei all den guten Ratschlägen ist, dass Du beim Üben aufhören solltest, bevor sie pissig wird. Streichel über die Kruppe soweit die Hinterhand runter wie sie ohne Mucks duldet. Wenn sie muckst, war's zu weit. Jedesmal, wenn Du zu weit gehst, bestärkst Du sie in ihrem "Mensch an Hinterhand = Schei*e", Du sensibilisierst sie sogar darauf.

Du willst nicht heute an den Huf und Du willst auch heute nicht, dass sie ihn gibt. Du willst ihr heute zeigen, dass es ganz wahnsinnig megatoll ist, wenn Du ihre Hinterhand berührst.

Du hast ein sehr großes und nicht ganz leichtes Pferd (zumindest wird sie das noch), Du darfst es Dir auf gar keinen Fall erlauben, ein körperliches Kräftemessen anzuzetteln. Das wirst Du in jedem Fall verlieren udn sie wird lernen, ihre Masse gegen den Menschen einzusetzen.

Das war bei Lotti (900kg) anfangs auch ein großes Thema und ich habe auch immer den huf haben wollen, bis mir mal jemand gesagt hat dass das zu viel auf einmal ist. Am Anfang reicht schon ein Zucken der Muskulatur, ein minimales Verlagern des Gewichtes. Das ist supermegaklassetollstens und wird belohnt. Fertig. Morgen wieder.

Bei Dir kommt aber erschwerend dazu, dass Dein Pferd erstens schon extrem sensibilisiert ist - "ohoh, Mensch geht an Hinterhand - Kampfstellung einnehmen", und zwietens, dass sie halt im Wachstum auch einfach Probleme mit der Balance hat.

Der erste Schmied, den wir damals hatten - da hatte ich Lotti gerade mal ein paar Tage und ich möchte gar nicht dran zurückdenken - meinte dann, mit Nasenbremse unbedingt die Hinterhufe zu machen. Das wurde nix und mein Gewissen war - naja - kannst Du Dir denken. Der zweite Schmied - da waren wir gerade so weit, dass ich den Huf für einen Bruchteil einer Sekunde anheben konnte - hat nur diesen Bruchteil der Sekunden genutzt und geschaut, ob es von unten ok aussieht und dann am stehenden Huf ein Stückchen Tragrand entfernt. Das fand ich super. Sind die Hinterhufe bei Deiner Stute wirklich so schlimm, dass sie JETZT UNEBDINGT gemacht werden müssen? Du reitest sie ncoh nicht, sie hat hoffentlich genügend Auslauf und wenn's nciht ganz ganz ganz arg dringend notwendig wäre, würd ich's erstmal lassen.
Das Leben schenkt Dir ein Pferd - reiten musst Du schon selber.
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Re: Die Sache mit den Hinterhufen...

Beitragvon Lottehüh » Mi 2. Apr 2014, 15:14

Und ja, Hufschmiede sind halt die letzten harten Kerle dieser Welt und müssen es unbedingt haben, dass alle für sie spuren. Bei manchen Schmieden hab ich Gefühlt, die denken, die Pferde würden ihren Lebensinhalt darin sehen, den Schmieden das Leben schwer zu machen, Und überhaupt kann eine Frau einem so schweren Pferd ja eh schon mal gar nicht zeigen, wo es langgeht - deshalb machen die mit uns, was sie wollen und wir können froh sein, dass wir noch leben. Sowas durfte ich mir auch oft genug anhören - obwohl beim Röntgen gefühlte 38 Befunde in einem Bein waren und genügend Gründe für Schmerzen und das Nicht-Stillstehen-Wollen bewiesen waren - such Dir nen andren und mach Dir nix draus ;-)
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Re: Die Sache mit den Hinterhufen...

Beitragvon QueenAmy » Mi 2. Apr 2014, 15:23

Hallo Lottehüh!

Genau SO habe ich es in letzter Zeit gemacht! :-)
Nur gekrault und positiv verstärkt, mich an sie gelehnt und an ihren Lieblingsstellen gekrault, sie mochte es schon richtig gerne an der Pobacke gekrault zu werden - für sie ein großer Schritt!

Wenn ich ihr an der oberen Hälfte des Hinterbeins dann ein "Fühlzeichen" gab, konnte sie sogar schon den Huf hochnehmen!
Nur ganz wenig und sofort wieder runter, aber sie verstand und arbeitete mit!
Und jetzt das. :-(

Habe nun ein pflanzliches Beruhigungsmittel bestellt (Neurexan Heel), und werde mir auch Stutenmilchpulver holen - dort sind Stoffe drin die das Pferd auch beruhigen, eines unserer Jungpferde hat es auch schon bekommen.

Und dann geht es erstmal diesen Weg : ich werde anfangen, Neurexan niedrig zu dosieren. Und dann erstmal keinen Schmied mehr ranlassen, sondern nur selber üben kurz zu heben.
Ihre Vorderhufe sind ja nun gekürzt, und die Hinterhufe sind ohnehin noch garnicht so lang, die wachsen wesentlich langsamer als die Voderhufe. ;)
Sie hat etwa 8 - 10 Stunden Auslauf täglich, kann bald 24 h draußen stehen.
Es ist jetzt nicht mehr sooo drängend...

Aber nun sind Hinterbeine erstmal Tabu für mich. Ich finde, sie muss das erstmal verarbeiten, und ich möchte sie nicht damit überfordern gleich wieder an die Beine ranzugehen.
Sie wiegt bereits um die 600 Kilo und ist 165 cm hoch, Kräftemessen ist ohnehin sinnlos.

Ich finde es einfach grauenhaft was sie jetzt erleben musste. :-(
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