Rückenprotektoren auf Bitte anderer

Moderator: Keshia

ehem User

Rückenprotektoren auf Bitte anderer

Beitragvon ehem User » Di 25. Feb 2014, 12:25

Nun bin ich grade glüclich mit meinem Ride-on-Pad, da bekommt mein Freund Angst um mich :roll:
Er hat halt das Gefühl, ein Sattel ist "sicherer", da falle ich nicht so schnell runter. Meine Argumente, dass ich mich derzeit sicherer auf dem pad als im Sattel fühle und mich aufgrund fehlender Bügel und Zwiesel eigentlich auch schneller freiwillig vom Pferd trennen könnte, lässt er nicht gelten.

Er hätte gerne, dass ich beim Reiten immer einen Rückenprotector trage, zusätzlich zum ohnehin schon konsequent getragenen Helm.
Fürs Gelände würde ich mich ja noch dazu bereiterklären, meinetwegen auch noch zum Cavaletti hüpfen, aber für normale Platzarbeit oder mal eine Bummelschrittrunde? Klar, es kann immer was passieren, auch wenn man nur mal schnell draufgeht um den Sattel auszuprobieren.

Aber wo liegen da bei euch die Grenzen? Ich reite erst seit Ende 2011 konsequent mit Kappe, Pony ist damals gestolpert auf einem feld im Galopp und davon habe ich eine Fotodokumentation - das war gut knapp. Früher war ich da sehr unbedarft, bin auch kleinere Sachen ohne Kappe gesprungen. Aber man wird älter...wobei ich vor dem protector echt zurückschrecke. Gelände - ok. Aber auf dem Platz? Mein Freund argumentiert, dass ja auch Skifahrer etc. immer häufiger Rückenprotectoren anziehen, es wäre ja nur ein geringer Aufwand gegenüber dem Vorteil. Stimmt irgendwie, aber ich habe echt das Gefühl, dass ich irgendwann nicht mehr aufs Pferd sollte, weil das ja schon per se gefährlicher ist als nebenher zu laufen.

Wie seht ihr das? Welche Argumente habt ihr für oder gegen Rückenprotectoren?

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Schattenstern
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Re: Rückenprotektoren auf Bitte anderer

Beitragvon Schattenstern » Di 25. Feb 2014, 12:29

Mein Totschlagsargument gegen den Rückenprotector: Ich habe früher Kampfsport gemacht und da das Abrollen im Fall gelernt, das geht mit Protector nicht gescheit. Tragen würde ich den nur bei schnellem Tempo auf hartem, steinigem Boden (was ich eh nicht mache), weil da auch abrollen in ungünstigen Fällen nicht wirklich hilft. Oder beim springen wegen der Gefahr auf die Stangen zu fallen. Aber nicht in normalem Gelände und erstrecht nicht in der Dressur, da verspannt man nur, gerade ohne Sattel.

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Re: Rückenprotektoren auf Bitte anderer

Beitragvon Wallinka » Di 25. Feb 2014, 12:33

Ich glaub, wenn mich jemand bitten würde, so ein Ding zu tragen, würd ich erstmal schauen, wie es sich anfühlt, denn zu tragen. Wie kompliziert es ist, den anzuziehen, wie sehr er mich stört. Und wenn er mich nicht einengt, mir nicht mehr Zeit nimmt, als ich gewillt bin, dafür aufzuwenden, dann würd ich das dem Partner zuliebe durchaus tun.
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Re: Rückenprotektoren auf Bitte anderer

Beitragvon kolyma » Di 25. Feb 2014, 12:41

Wenn mein Mann mich bitten würde einen zu tragen würde ich sagen: "du kannst das gerne tun - ich fühle mich damit nicht wohl."
Ich verbiete ihm ja auch nicht das Tauchen und ich finde das wesentlich gefährlicher als reiten. Oder das Autofahren. usw.
Bild Geduld ist die hohe Kunst sehr langsam wütend zu werden...:ohm2: :sofort:


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Re: Rückenprotektoren auf Bitte anderer

Beitragvon malwine » Di 25. Feb 2014, 12:49

Ich reite immer mit Rückenprotektor (seit ich ihn habe). Ok- bei mir sind die Voraussetzungen etwas anders als bei dir, da ich (!) einen Schutz wollte und eher ein ängstlicher Reiter bin. Ich hab mir vor ein paar Jahren eine Sicherheitsweste Level 3, moderneres Modell mit Einzelsegmenten, Testsieger einer bekannten Pferdezeitschrift, gekauft – und selten getragen. Anfangs ja, aber das Ding war steif, ich konnte mich nicht richtig im Sattel umdrehen und beweglich war ich wie ein Ritter im ausgehenden Mittelalter in voller Rüstung. Ergebnis: Das gute Stück hängt im Keller (ich werde es demnächst verkaufen) und ich bin ohne geritten und hatte dabei aber immer ein ungutes Gefühl. Jetzt hab ich mir Weihnachten einen Rückenprotektor http://www.kraemer-pferdesport.de/ST...0113&ci=257806 geschenkt, den trage ich wirklich bei jedem Ritt, den spüre ich nach ein paar Minuten Tragen gar nicht mehr da sich der Schaumstoff durch die Körperwärme perfekt anpasst und richtig weich wird und ich habe zumindest meine Wirbelsäule geschützt. Ich weiß, dass auch Rippen, Schultern und andere Körperteile schützenswert sind (Helm trag ich sowieso), aber lieber ein Level2-Rückenprotektor, der getragen wird, als eine Level3-Weste, die im Schrank hängt. Und ich bin auch schon beim gemütlichen Schrittausritt (alles war völlig entspannt, bis urplötzlich eine Plastiktüte um die Ecke geweht kam) vom Pferd gefallen und habe mich dank Rückenprotektor nur kurz geschüttelt und bin wieder aufgestiegen.
Ich habe das Gefühl, dass das Problem bei dir nicht der Protektor an sich ist, sondern dass du diese Entscheidung selber treffen und dir das von jemand anderem nicht vorschreiben lassen willst. Probier doch einmal verschiedene Protektoren und dann entscheide du (!), ob du (egal ob aus Überzeugung oder jemand anderem zuliebe) mit so was reiten kannst und willst, oder nicht.
liebe Grüße, Malwine

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Re: Rückenprotektoren auf Bitte anderer

Beitragvon Heidemi » Di 25. Feb 2014, 14:12

ich habe mal gelesen, dass bei Reitern Rückenverletzungen eher selten sind.
Häufiger sind es Beine, Arme, Schultern, Schlüsselbeine, Steiß, Becken,... usw. Und die sind ja völlig ungeschützt. Gut, wen er eh schon Angst um dich hat (finde ich ja süß!), ist das vielleicht nicht soooo das Argument.

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Re: Rückenprotektoren auf Bitte anderer

Beitragvon Skolli » Di 25. Feb 2014, 14:54

ich habe mal gelesen, dass bei Reitern Rückenverletzungen eher selten sind.
Häufiger sind es Beine, Arme, Schultern, Schlüsselbeine, Steiß, Becken,... usw. Und die sind ja völlig ungeschützt.
Ja klar, aber gebrochene Schlüsselbeine, Arme oder Beine heilen in der Regel (fast) folgenlos aus, während eine gebrochene Wirbelsäule, dein Leben von heute auf morgen komplett verändert.
Wollt ich nur mal so zu bedenken geben.

Ich bin früher nie mit Weste/Protector geritten, hatte aber auch ein super liebes gut ausgebildetes Verlasspony.
Jetzt bin ich älter, das super ausgebildete Verlasspony lebt nicht mehr und ich bin mittlerweile Mutter.
Und dann hab ich mir ein junges gerade angerittenes Pony gekauft und mir im selben Atemzug von einer Freundin (Vielseitigkeitsreiterin) eine Schutzweste ausgeliehen.
Ich reite mein Pony seit einem Jahr konsequent mit Weste und fühle mich damit einfach besser.
Ich hatte bisher einen Stutz damit, kopfüber auf den Asphalt, voll auf den Rücken, lag da wie ein Maikäfer in Rückenlage. Und ich hatte absolut nichts! Nichtmal ne Prellung.

Einzig beim ernsthaften Dressurreiten stört sie mich. Allerdings ist die Leihweste auch ein relativ altes starres Modell.

Mittlerweile ist mein Pony ein Jahr unterm Sattel und wirklich brav wie ein Lamm.
"Eigentlich" könnte ich die Weste nun auch mal weglassen, aber irgendwie komm ich mir mittlerweile nackt vor, wenn ich keine trage.
Daher überlege ich nun, mir eine eigene Weste oder Protector zuzulegen, die einfach weicher und nicht so störrig ist.

Gruß Yvonne

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Re: Rückenprotektoren auf Bitte anderer

Beitragvon Skolli » Di 25. Feb 2014, 15:03

@ Malwine: dein Link funktioniert leider nicht, kannst du nochmal schreiben, welche Weste von Krämer du hast?

Ich finde nämlich auch: Lieber ein Level 2 Protector als garnix bzw. ein Level 3 den man nicht trägt.

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Re: Rückenprotektoren auf Bitte anderer

Beitragvon A.Z. » Di 25. Feb 2014, 15:04

Wenn man selber überzeugt ist von so einem Ausrüstungsteil und sich damit besser fühlt, ist das sicher nützlich.

Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass man sich arg behindert fühlt, wenn man sich innerlich dagegen wehrt und es nur andern zuliebe trägt. Und gerade das kann dann zu Unfällen führen, die vielleicht garnicht passieren würden, wenn man sich nur wohl fühlte, bei dem was man tut. :kratz:

Ich finde es wirklich lieb und rührend, Barock Traki, dass dein Partner sich so um dich sorgt.
Wie groß deine Abwehr gegen so eine Protektor ist, musst du selbst heraus finden. Wenn du dich wirklich und ehrlich unwohl und behindert damit fühlst, dann wird er dir keinen Sicherheitsgewinn bringen.



Ich selbst hatte übrigens schon einen Unfall mit Rückenverletzung von der ich überzeugt bin, dass auch ein Protektor das nicht verhindert hätte.
Ich bin mit einigem Schwung flach auf den den Rücken gestürzt und dabei hat es mir kurzerhand die Wirbelsäule gerade gebogen, sodass ein Wirbel das Dach des anderen eingedrückt hat.
Kein Protektor ist nach meinem Wissen so steif, dass er das verhindern würde. :nix:



Reiten ist per se kein ungefährlich Sport und man kann nicht jedes Körperteil, dass in irgend einer Form gefährdet ist, in eine Protektor schnallen.
Ein Michelinmännchen dürfte nämlich so ziemlich unfähig sein, geschmeidig zu reiten. Meiner Meinung nach verhindert allein die Fähigkeit geschmeidig den Pferdebewegungen zu folgen unterm Strich den größten Teil der (Freizeit)Reitunfälle.
Viele Grüße Angela

Oh Großer Geist, hilf mir, nie über einen anderen Menschen zu urteilen, bevor ich nicht zwei Wochen lang in seinen Mokassins gelaufen bin. (Lachender Fuchs, Sioux-Häuptling)

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Re: Rückenprotektoren auf Bitte anderer

Beitragvon Keshia » Di 25. Feb 2014, 15:14

Hallo Barocktraki,

ich kann mich A.Z. anschließen, es ist einfach ein großer Unterschied, ob man selbst einen Schutz möchte oder sich eigentlich innerlich dagegen wehrt. Wenn du sagst, ok, fürs Gelände oder fürs Springen bist du gar nicht so abgeneigt, dann kannst du das ja einfach mal ausprobieren. :-)

Ich selbst habe mir einen Rückenprtektor gekauft, als ich mich noch unsicher im Gelände fühlte, nach meinem Sturz (auf dem Platz ironischerweise), bei dem ich mir das Knie brach. Ich bin auch einmal mit dem Protektor gestürzt und verdanke ihm glaube ich auch einiges, da ich flach auf den Rücken gepurzelt bin (ich beneide jeden, der Abrollen gelernt hat!). Inzwischen trage ich ihn nicht mehr, weil er mich schon gestört hat. Aber es war auch eine sehr günstige Variante und ist ein paar Järchen her, inzwischen gibt es da ganz andere. (Mich tät auch der K*****-Link interessieren... geht leider nicht.)
Der späte Wurm entgeht dem Vogel.

"Wenn Du meinst, daß das Abenteuer gefährlich ist, probier's mal mit Routine. Die ist tödlich."
(Paolo Coelho)

Leni Müller sucht das Glück
:animals-cow:


www.pferde-lehren.de

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