„Angstfrei-im-Gelände-Reiten“- „Kurs“

Moderator: Keshia

ehem User

„Angstfrei-im-Gelände-Reiten“- „Kurs“

Beitragvon ehem User » Mo 6. Mai 2013, 08:09

Vorweg: Nein, ich möchte keinen solchen „Kurs“ mitmachen und vorerst auch keinen solchen „Kurs“ anbieten, schon gar nicht kommerziell. Ich denke natürlich auch nicht, dass es möglich ist, in einem „Kurs“ das Problem „Angst im Gelände“ einfach zu „beseitigen“.

Tatsächlich ist es aber so, dass bei uns schon ein paar Menschen die aus verschiedenen Gründen Angst hatten erstmals oder wieder auf´s Pferd zu steigen, Vertrauen entwickelt und den Weg auf´s Pferd (zurück) und auch mit Pferd ins Gelände gefunden haben, allerdings schreibe ich diese kleinen Erfolge natürlich vor allem unseren Pferden zu und nicht mir. Aber dadurch habe ich das Gefühl bekommen, dass die Voraussetzungen bei uns gut sind, Vertrauen zu sich, zum Pferd und zum Gelände zu entwickeln.

Vorläufig ist es aber einfach nur ein Gedankenspiel, welches allerdings schon lange in mir herumspielt und angeregt durch verschiedene Beiträgen in einigen Themen hier im Forum möchte ich mal folgende Fragen an euch stellen:

1.Was für Arbeitsschritte, Lernschritte und Anregungen würdet ihr euch in so einem Kurs als Teilnehmer wünschen.

2. Welche Vorgehensweise würdet ihr als Kursbegleiter wählen und welche Elemente und Übungsinhalte gehören eurer Meinung nach aus sicht der Kursbegleitung zu so einem „Programm“?

Dabei geht es mir nicht nur um „Arbeit“ mit, am und auf dem Pferd, sondern auch um andere Wege und „Techniken“, die da weiterhelfen, also z.B. innere Bilder, autogenes Training, undundund, wasimmer ihr ausprobiert habt

Ich denke, es ist klar, dass es in so einem „Kurs“ nur um das Thema gehen kann, seinen eigenen Weg zu sich selbst, zu seinem Pferd und zu einem individuellen Umgang mit seiner Angst zu finden. So ein Kurs kann bestenfalls Anregungen und Hilfestellungen geben, sich seinen Ängsten zu stellen, möglicherweise tiefer liegende Gründe für die Angst zu erkennen und sich in kleinen Schritten seinen individuellen Weg zu erarbeiten mit der Angst umzugehen, sie zu überwinden oder abzubauen oder einfach auch mit dem Thema abzuschließen und zu der Entscheidung zu kommen, dass Reiten ins Gelände einfach nicht das Richtige für einen ist.

Ein Patentrezept dafür wird es nicht geben, aber mich würde hier an dieser Stelle interessieren, welche Erfahrungen ihr im Umgang mit dem Thema „Angst“ und „Geländereiten“ gemacht habt oder noch macht, was euch geholfen hat, womit ihr anderen helfen konntet oder was ihr als gut gedacht aber trotzdem kontraproduktiv empfunden habt.

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Scheckenfan
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Re: „Angstfrei-im-Gelände-Reiten“- „Kurs“

Beitragvon Scheckenfan » Mo 6. Mai 2013, 09:00

Ich für mich kann sagen, dass Angst im Gelände immer eigentlich Angst vor Kontrollverlust war - ich bin als Kind zu viele Durchgänger geritten.

Somit musste ich an genau dem Punkt ansetzen, und zum Einen wieder das loslassen lernen, zum Anderen das Pferd entsprechend ausbilden, dass es immer kontrollierbar ist.

Hilfreich kann auch sein, in einem sehr sicheren Gelände zu trainieren, zum Beispiel der riesige Sandstrand von Römö. Da kann man weiter gucken als das Pferd laufen kann und braucht keinerlei Angst vor Kontrollverlust haben. Selbst wenn das Pferd durchgeht, ist der sichere Bereich länger als das Pferd laufen kann.
Ähnliches gilt z.B. auch für die Göhrde, da sind einfach so gut wie keine Straßen, vor denen man Angst haben müsste.
Solche Strecken/Gegenden gibt's denke ich noch öfter... man muss sie nur finden :frech:
Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst in dieser Welt.
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Re: „Angstfrei-im-Gelände-Reiten“- „Kurs“

Beitragvon Sanojlea » Mo 6. Mai 2013, 10:36

Ganz spontan fällt mir jetzt als Ergänzung zum oberen Beitrag ein:
Aus dem Inet kenne ich von der HP von Sabine Birmann, das sie zu erst auf rechts und links geschlossenen (Zäune, dichte Bäume ect.) Wegen üben und hinten und vorne Personen als "Stopper" postiern. Sowas könnte man sich vielleicht auf dem eigenen Grundstück anlegen, vielleicht auch einen "Geländeübungsrundweg", dann braucht man nicht tausende km weit weg ;)
Ich werde nochmal ausführlicher drüber nachdenken, finde das auf alle Fälle ein sehr gutes Thema und es könnte eine "Marktlücke" füllen.
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Re: „Angstfrei-im-Gelände-Reiten“- „Kurs“

Beitragvon kleiner Geist » Mo 6. Mai 2013, 10:47

Ich denke auch (aus eigener Erfahrung), dass die Angst vor'm Kontrollverlust eine der Hauptursachen ist. Ist halt einfach kein so tolles Gefühl nur noch blinder Passagier auf einem rennenden Pferd zu sein. :?
Das muss ja nicht mal immer gleich ein Durchgehen sein. Mit meiner letzten RB hatte ich so einen Fall (und bin dadurch auch ein wenig zum Angstreiter geworden). Die Besi war mit ihm fast nur in der Gruppe im Gelände unterwegs, wo auch galoppiert wurde. Da sie aber selber keine begnadete Reiterin ist, dürfte sie da auch regelmäßig zum Passagier auf Herrn Pferds Rücken geworden sein. Das hab ich als RB dann natürlich auch gemerkt. Pferd kannte es halt nicht anders.

Das von Scheckenfan angesprochene sichere Gelände finde ich auch sehr wichtig. Die Vorstellung auf einem recht schmalen Weg mit links und rechts Stacheldrahtzaun zu traben/galoppieren löst jetzt bei mir nicht gerade Freudentänze aus. :-D Aber so ein weitläufiger Strand bzw. Gebiet (Felder/Wiesen) wär schon ein Traum.

So eine Angst wieder loszuwerden ist sehr schwer. Ich habe durch meine letzte RB auch meine "Unbeschwertheit" diesbezüglich verloren.

Da ich noch nie bei solch einem Kurs war, kann ich deine Fragen jetzt nicht wirklich beantworten. :)
Aber was ich mir bei so etwas vielleicht gut vorstellen könnte, wäre erstmal die Komfortzone jedes Teilnehmer zu ermitteln. Also wann fühlt sich der Reiter wohl und sicher. Da wird es wahrscheinlich schon mitunter starke Abweichungen geben.
Naja und dann halt viel galoppieren. :D Vielleicht auch auf möglichst vielen Pferden. (Die Angst vorm Kontrollverlust beginnt ja - denke ich - meist erst beim Galopp.)

Was vielleicht auf hilfreich wäre, sind Reitunterrichtseinheiten zb. Richtung Reiten aus der Körpermitte nach Sally Swift. Viele können ja sehr gut mit inneren Bildern reiten.

Das waren mal meine Gedanken dazu. :D
Liebe Grüße :-)

:bauer2: :foof:

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Re: „Angstfrei-im-Gelände-Reiten“- „Kurs“

Beitragvon -Tanja- » Mo 6. Mai 2013, 10:54

Guck mal hier, da hab ich das mal beschrieben, wie ich das gemeistert habe:

http://pfinzgauranch.jimdo.com/tanja-überlegt/angst/
Reiten ist nicht weiter schwierig, solange man nichts davon versteht.
Aus: "Vollendete Reitkunst", Dr. Udo Bürger, 1959

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Re: „Angstfrei-im-Gelände-Reiten“- „Kurs“

Beitragvon Lalilu » Mo 6. Mai 2013, 22:13

Meine Angst vorm Kontrollverlust beginnt zumindest bei Luni beim Trab. :shy:
Ich hab mich mit Führpferd auf Waldwegen am sichersten geführt. Der erstbeste Trab in einer Traktorspur am Feld führte dann auch zu meinem Abschuss - seitdem war ich nicht mehr im Gelände.
Das Dinotagebuch :sigh:
:herzi: Lunis Tagebuch
Lebe jeden Tag als ob es dein letzter wäre! :voila:

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Re: „Angstfrei-im-Gelände-Reiten“- „Kurs“

Beitragvon ehem User » Mo 6. Mai 2013, 22:26

Jaja....... die Sache mit dem Kontrollverlust. Eigentlich beginnt der ja schon, wenn die Aufmerksamkeit des Pferdes nicht mehr beim Menschen ist, egal, ob er sich auf oder neben dem Pferd befindet....... Nur sind wir wenn wir uns neben dem Pferd befinden eher bereit, darüber hinwegzusehen.
Hardcore-NHSler wie Honza Blaha bestehen ja darauf, daß ihr Pferd 100%ig aufmerksam auf den Menschen sind. Mir würden manchmal 10 oder 20% schon reichen ;-)
Aber ich denke, das ist auf jeden Fall eine wichtige Komponente im Geländereiten, immer zumindest so viel Aufmerksamkeit vom Pferd bei sich zu haben, daß man sich sicher fühlt und das Gefühl hat, das Pferd jederzeit unter Kontrolle zu haben einerseits oder andererseits eben so viel Vertrauen zum Pferd und zu sich zu haben, daß man bereit ist, die Kontrolle ans Pferd abzugeben (was ich selbst sicherlich nie und nimmer lernen werde........ :shy: )

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Re: „Angstfrei-im-Gelände-Reiten“- „Kurs“

Beitragvon Calicion » Di 7. Mai 2013, 07:34

Der Umgang mit dem ängstlichen Reiter ist tatsächlich eine Marktlücke!

Einen Kurs halte ich aber auf gar keinen Fall für zielführend, genausowenig wie Reitlehrer, die in einem ängstlichen Reiter eine Dauereinnahmequelle sehen, da sich Reiter ohne Reitlehrer noch nicht mal in der Bahn geschweige denn im Gelände auf ihr Pferd trauen - und im Gelände kann man einen Reitlehrer suchen und wird eher keinen finden :-z

Ängste sind nicht unbedingt rational begründbar, sind aber trotzdem da und müssen ernst genommen werden...
Ängste sind wahnsinnig vielfältig!
Wie soll in ein paar Tagen auf die individuellen Bedürfnisse der Kursteilnehmer sinnvoll eingegangen werden?

Ich hatte auch das große Glück jemanden kennen zu lernen, der auf meiner Wellenlänge lag und der bereit war, sich die Arbeit zu machen, mich zu begleiten - besser geht es nicht!

Ein ängstlicher Reiter braucht coaching!
Ein ängstlicher Reiter braucht jemanden, der sich individuell und kontinuierlich mit sehr großem Einfühlungsvermögen für Reiter UND Pferd um deren Fortschritte bemüht - der bei der positiven Formung einer vertrauensvollen Partnerschaft behilflich ist.
Ein ängstlicher Reiter muss vor Ort gecoacht werden.
Ein ängstlicher Reiter braucht einen ruhigen Lehrer mit Know How - sprich, jemanden, dem er vertrauen kann, dass er mit brenzligen Situationen zurecht kommt und der Coach sollte im Besitz eines ruhigen, ranghohen Pferdes sein, da dies auch nochmal Sicherheit vermittelt.....
Ein ängstlicher Reiter braucht dort das Coaching, wo die Probleme auftreten - und sei es, dass man erst mal mit dem Pferd an der Strippe zu Fuß im Gelände unterwegs ist!
Ein ängstlicher Reiter braucht Individualität und keine
Blablawirtrommelnunsereängstewegmassenabfertigung!

Für die sensibleren unter den ängstlichen Reitern wird Gruppenzwang eher kontraproduktiv sein.

Gemeinsames Zusammensitzen am Lagerfeuer, um sich auf das "Ziel", den Ritt am endlos langen und weiten, völlig ungefährlichen, Sandstrand, gemeinsam einzustimmen, kann da sehr schnell nach hinten losgehen. Es reicht einer, der über ein Übermaß an Kopfkino, das sich unkontrolliert in Bewegung setzt, verfügt und das mühsam erarbeitete "Lasst es uns tun, lasst uns einen Strandausritt machen!" wird spätestens beim Aufsteigen auf das Pferd über Bord geschmissen, weil Kopfkino furchtbar ansteckend ist :panik: :panik: :panik:

Und zu guter letzt:

Das Arbeiten mit ängstlichen Reitern ist eine eher psychologische Arbeit.

Manche Ängste sind nicht so ausgeprägt - manche sitzen tiefer - manche ganz tief!

"Kurse", die sich mit sowas beschäftigen können tiefliegende Dinge an die Oberfläche bringen!

Kannst du, als Kursleiter - und da sehe ich dich in der PFLICHT!

GARANTIEREN!!! dass die Leute, die in DEINEM Kurs einen Zusammenbruch erleiden von dir aufgefangen werden???????????

Kannst du mit einer ausgewachsenen Panikattacke umgehen????????????

Du wirst nie wissen, welche "Ängste" sich da bei dir zu dem Kurs anmelden - die Leute werden es teilweise auch nicht wissen, dass sie eigentlich bei einem professionellen Psychologen besser aufgehoben wären.....

Wenn du dich und deine Fähigkeiten "nur ausprobieren" möchtest, dann bedenke, dass du durchaus das Leben anderer mit sowas - wollen wir es mal ein wenig harmlos ausdrücken - ordentlich durcheinander bringen kannst!

Willst du diese Verantwortung wirklich übernehmen?
Mein Schimmelchen-TB
Vom Hoffen auf bessere Zeiten
Die Keinfriesen

Wir ändern die Anforderung von "reiten" in "bewegen" und erteilen einen neuen Entwicklungsauftrag :breitgrins:

ehem User

Re: „Angstfrei-im-Gelände-Reiten“- „Kurs“

Beitragvon ehem User » Di 7. Mai 2013, 08:51

Ja, das sehe ich auch so wie Du, daß es ein sehr sensibles Thema ist. Auch wenn vllt nicht gleich jemand psychisch ins Bodenlose fällt, der sich auf so einen Kurs begäbe, könnten sich da ungeahnte Höhen und Tiefen eröffnen, das ist denke ich jedem klar, der sowas (mit-) macht. Ich denke, es ist selbstverständlich, daß man da kleinschrittig vorgeht udn nicht gleich ein ganz großes Faß aufmacht.

Sicher sind manche Menschen die vllt nicht nur Angst vor dem Geländereiten haben sondern auch sonst eher angstbesetzt sind eher ein Fall für den Psychiater als für einen solchen "Kurs", und da ist es dann auch wichtig, bestimmte Grenzen nicht zu überschreiten und an der richtigen Stelle zu sagen hier gehen wir nicht weiter, das überschreitet unsere Möglichkeiten.

Ich denke auch, daß Du recht hast, individuelles Coaching vor Ort über einen langen Zeitraum hinweg wäre die beste Lösung.

Ich glaube auch nicht, daß man das Thema in einer großen Gruppe bearbeiten sollte. Wahrscheinlich wäre die Konstellation Kursbegleiter- zusammen-mit-zwei-gut-befreundeten-Kursteilnehmer/innen optimal, mMn noch besser als ein einzelner TN, weil ein befreundeter weiterer TN noch mehr Sicherheit gibt, wenn zwischen den beiden das Vertrauensverhältnis stimmt.

Ich denke aber auch, daß manchen "Geländeverängstigten" ein Tapetenwechsel in eine entspannte Umgebung zu anderen Menschen und Pferden die ihnen und ihrem Pferd Vertrauen schenken und Vertrauen bei ihnen wecken gut tun und weiterhelfen kann. Man könnte da sicherlich ein paar kleine Schritte weiterkommen, neue Perspektiven eröffnen, neue Techniken lernen, Anregungen bekommen und vllt auch die eine oder andere Blockade lösen. Und zu guter letzt auch ein paar Tips bekommen, wie man das Neue dann am besten nach Hause transportiert und zu Hause umsetzt. Wie ich schon eingangs schrieb, erwartet ja niemand, daß er nach so einem "Kurs" - wie auch immer der aussähe - nach Hause fahren und dort angstfrei ins Gelände reiten kann.

Also ein bisschen entspannter als Du sehe ich das Thema "Kurs" in diesem Zusammenhang schon, sonst hätte ich es hier nicht aufgemacht.

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Re: „Angstfrei-im-Gelände-Reiten“- „Kurs“

Beitragvon Equester » Di 7. Mai 2013, 10:46

Ich kann dazu beide Seiten "bedienen" . Als ehemaliger bekennender Angstreiter war ich auch irgendwann so weit, dass ich endlich mal im Gelände galoppieren wollte, ohne dass mir vor Angst schlecht wurde. Also hat sich meinereiner im I-Net schlau gemacht und tatsächlich einen Anbieter gefunden, der stressfreie Ritte auf entspannten und nervenstarken Pferden angeboten hat. Lange mit dem Mann telefoniert, er hatte Verständnis für meine Probleme, das passende Pferd und die notwendige Sensibilität im Gepäck.

....

Soweit die Theorie. Ohne jetzt ins Detail zu gehen, er hatte nur Traber von der Bahn da, ich bekam zunächst eine Stute, die schon beim Aufsteigen die Formate einer V8 zeigte, so dass ich angstschlotternd nach 200 m abgestiegen bin und auf ein anderes Pferd wechselte (bei dem Besitzer war die Stute dann lammfromm :-z ). Das war dann ein Traber, der gerade 3 Monate von der Bahn weg war und ich habe auf dem 26km langen Ritt so ziemlich alles bekommen, leider keinen Galopp, den konnte er noch nicht...... :-z . Ich glaube ich bin auf dem gesamten Ritt keine 5 m im Schritt gewesen, das konnte er irgendwie auch nicht *seufz*.

Hat mir dieses Abenteuer etwas gebracht? Man glaubt es kaum, aber ja, es hat mir unglaublich viel gebracht. Nämlich die Erkenntnis, dass mein Pferd nicht mal im Ansatz so schlimm ist, wie diese "Therapiepferde" und dass ich nicht gleich runterfalle, wenn es schnell wird (ein schneller Galopp auf einem "normalen" Pferd ist ein Scheiß gegen einen Renntrab auf einem Traber von der Bahn :ohhh: ) und dass ich tatsächlich überleben kann. Danach gab es für mich noch lange und viel zu tun, um wirklich meine Ängste kpl. in den Griff zu bekommen, aber ich finde, das Ergebnis läßt sich sehen ;) .

Heute unterrichte ich selber und zwar überwiegend Angstreiter, die vor ganz unterschiedlichen Dingen Angst haben. Was aber alle gemeinsam haben: sie haben in bestimmten Situationen Angst vor Kontrollverlust. Dass sie fallen, dass das Pferd sich nicht mehr durchparieren läßt, dass es sich erschreckt und und und. Was alle brauchen ist das Gefühl, dass derjenige, der da unten steht und versucht die Angst zu nehmen, auch nachempfinden kann, was Angst eigentlich für den Reiter bedeutet. Dass es wenig hilfreich ist, wenn man gesagt bekommt, der macht doch nichts und trau Dich mal. Ich frage mehrfach im RU, wie sich der Reiter fühlt, wenn etwas nicht stimmt, finden wir heraus, woran es liegt. Wir stimmen immer gemeinsam ab, wann wir einen Schritt weiter gehen können und wann wir besser einen Schritt zurück gehen. Aber so etwas braucht Zeit und ist sicher nicht auf einem Kurs im Kreise von anderen "Angsthasen" zu bewältigen.

Solch ein Kurs kann einem aber durchaus darin bestätigen, dass man eben nicht der einzige Schisser im Stall ist, sondern dass ganz viele Reiter nicht wenig Angst haben und es kann sehr hilfreich sein, wenn man sich über die Art seiner Ängste austauscht und vielleicht die eine oder andere Anregung mitnehmen kann. Es kann sehr hilfreich sein, wenn man mal auf einem ruhigen und entspannten Pferd sitzt, dass sich durch die Angst des Reiters nicht gleich mit wuschig machen läßt, aber dann muss man es noch auf das eigene Pferd übertragen. Und was ganz wichtig ist, man muss sich sicher sein, dass derjenige dem das Pferd gehört, es auch wirklich unter Kontrolle hat, wenn man da drauf sitzt :panik: .

Wenn das alles stimmt und passt, bleibt aber noch ein großes Problem: das eigene Pferd. Das Pferd kennt man, man kennt seine ´böse´Seite und überhaupt ist das eigene Pferd nicht mit dem Lehrpferd zu vergleichen (das eigene ist immer viiiiiiiiiiiiiiiiiiel schrecklicher als das Lehrpferd) und wenn man dann zu Hause ist, sind die Probleme in der Regel wieder da :nix: .

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen: Lehrpferd ist absolut sicher, Kursleiter hat in jeder Situation die Pferde im Griff, dann kann so ein Wochenende ein gutes Gefühl hinterlassen und ein Anfang sein, um die Angst in den Griff zu bekommen. Allerdings bedarf es einer intensiven Nachbetreuung mit dem eigenen Pferd bei sich zu Hause um wirklich die Sicherheit zu bekommen, die man braucht, damit man Geländeritte unbeschwert genießen kann.

Ich gebe auch RU im Gelände, welcher sich erheblich von einem RU auf dem Platz unterscheidet und es wird auch anders abgesichert. Befinden sich die Angstreiter in näherer Umgebung, so gehe ich auch mit der Trabernase mit, der im Gelände einfach ein Goldstück ist. Er strahlt eine solche Ruhe aus, dass bisher jedes Begleitpferd sich dabei wohl gefühlt hat. Wir sind dann immer im Team tätig: er passt auf das andere Pferd auf, ich auf den dazugehörigen Reiter. Auf diese Art und Weise haben schon einige Zutrauen zu den eigenen Fähigkeiten gewonnen und reiten heute unbeschwert auch alleine ins Gelände. Aber auch das braucht Zeit und ist mit nicht wenig Aufwand für beide Seiten verbunden. An einem Wochenende habe ich das noch nie geschafft ;) .

Ach ja, bevor ich es vergesse: vor dem Gelände kommt die Schulung des sicheren Sitzes auf dem Reitplatz in abgesicherter Umgebung, ohne den geht gar nichts, und auch das dauert und ist selten innerhalb einer Unterrichtsstunde zu erreichen ;) .
wir machen aus :hm: ein :dafuer2:


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