Wer hat Angst vor dem bösen Eck?

Moderator: Keshia

ehem User

Re: Wer hat Angst vor dem bösen Eck?

Beitragvon ehem User » Do 30. Jan 2014, 09:03

Hallo Keshi,

es stimmt, sie versteckt sich tendenziell eher hinter mir, das ist ihr Lieblingsplatz. Da ist es einfach am sichersten ;)
Das mit der Arbeit aus der Entfernung klingt gut, warum bin ich da nicht vorher drauf gekommen? :roll:
Aber egal, das versuche ich erstmal, so klappts bestimmt!

Liebe Grüße

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kolyma
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Re: Wer hat Angst vor dem bösen Eck?

Beitragvon kolyma » Do 30. Jan 2014, 09:15

Was ich halt festgestellt habe ist, dass sich die Situation gerne aufschaukelt, weil sie immer da ist. Man kann das Eck ja nicht verschwinden lassen.
Schrecktraining ist mal eine Einheit. Im Gelände geht man an fiesen Sachen halt vorbei und dann sind sie weg.

In einer Reiteinheit komme ich allerdings immer wieder und wieder an der Ecke vorbei. Das macht die Sache so schwer. Und oft hat sich das Verhalten dann generalisiert und hat gar keinen Auslöser mehr. Sondern: "da unten wird sich gegruselt - Punkt!"

Wir haben nen sehr kleinen Platz. Die Ecke mal für ne Weile meiden geht bei mir gar nicht, sonst kann ich quasi nur auf dem oberen Zirkel arbeiten. Ich muss da unten durch.
Die größte Problematik unterm Sattel ist das sich mit aller Gewalt nach außen stellen und den Kopf hochreißen. Selbst wenn die Ecke mal nicht sooooo gruselig ist. Pferd stellt sich nach außen, flüchtet über die innere Schulter. Selbst wenn er vorher so schön gelaufen ist, sobald ich da unten einreite ist alles für den A****
Er ignoriert auch rigoros meinen Schenkel. Dabei ist er ein feines Pferd - aber wenn er nicht will, dann will er nicht. Ist auch eine Erziehungssache und ich laufe da auch gerade übel auf.

Bezüglich Schulterkontrolle - das ist natürlich DIE Lösung (glaube ich) auch für uns.
Außer Vorhandweichen kenne ich dazu kaum Übungen.
Ich merke auch, dass ich wenig Kontrolle über die Schulter habe. Was kann ich da noch anderes tun?
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Re: Wer hat Angst vor dem bösen Eck?

Beitragvon puscheltier » Do 30. Jan 2014, 09:27

kolyma, bezüglich Schulterkontrolle (ist jetzt ein bißchen OT aber egal): Kennst du die Treppenübung aus dem Longenkurs?

Man legt durch die Bahn parallel zur langen Seite Gassen, und zwar die erste recht nah am Hufschlag, die zweite etwas weiter zur Mitte usw. Dann kannst du üben ihn mit mehr oder weniger langer Longe im Schritt und später auch im Trab dort durch zu schicken, dabei schiebst du die innere Schulter immer ein Stück raus, z.B durch zeigen mit der Pietsch und gehst selbst dabei auf dem Hufschlag gerade weiter. Auf dem Rückweg holst du ihn dann wieder näher ran.

Außerdem gibt es noch das Schlängeln. Du stellst dich frontal vor das Pferd und gehst gerade rückwärst, er vorwärts in Schlangenlinien, d.h. abwechselnd nach links und rechts stellen und die Schulter weichen lassen.

Zirkel vergrößern übt auch die Schulterkontrolle.

Ich hoffe ich hab mich verständlich ausgedrückt, ist etwas schwierig ohne Bilder.

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Re: Wer hat Angst vor dem bösen Eck?

Beitragvon Keshia » Do 30. Jan 2014, 09:56

:-n Die Übungen von puscheltier hätte ich auch vorgeschlagen. Vor allem Zirkel vergrößern und verkleinern. Dabei achte ich immer darauf, wann ich meine Signale gebe, d.h. beim Verkleinern dann, wenn das innere Vorderbein gerade abhuft, beim Vergrößern, wenn das äußere Vorderbein gerade abhuft.

kolyma, wenn man der Ecke nicht ausweichen kann, sehe ich das auch so wie du: Das Erschrecken festigt sich durch Wiederholung. Für mich wäre dann der erste Schritt, dieses Muster zu unterbrechen. D.h., wenn das vom Sattel aus nicht klappt, erstmal wieder an den Boden zurück.
Als nächstes kann man die Ecke nach innen begrenzen, damit ein Ausweichen über die Schulter nicht mehr so möglich ist. Wenn dein Pferd durch enge Gassen gehen kann, kann man z.B. mittels Tonnen, Cavalettis, etc. so eng begrenzen, daß das Pferd einerseits nicht ausweichen kann , andererseits das Pferd sich auf die neue Aufgabe in dieser Ecke so konzentrieren muß, daß es mit dem Erschrecken nicht zu vereinen ist.

Eine andere Möglichkeit, das Muster zu durchbrechen ist es, unerwartete Aufgabenstellungen an das Pferd zu richten. Du reitest z.B. auf die Ecke zu. Du kennst die Stelle, wo es sich erschrickt. Vorher hältst du an, machst eine Vor- oder Hinterhandwendung oder wendest um 90°. Reitest von der anderen Seite auf die Ecke zu, dasselbe Spiel. Beim nächsten Mal hältst du und richtest rückwärts. Einheit Ende. (als Beispiel)
In der nächsten Einheit kannst du dasselbe wiederholen und beim 3. Mal gucken, ob du evtl. einen Schritt weiter reiten kannst, bevor du abwendest oder hältst.
Beim nächsten Mal das Ganze wieder am Boden, damit das Pferd nicht lernt, daß es die Ecke grundsätzlich meiden soll. Aber am Boden dann mit Schulterkontrolle durch die Ecke durch.
Das sind jetzt Gedankenspinnereien, die dazu dienen sollen, das Muster zu durchbrechen. Es ist auch noch viel mehr denkbar, hauptsache, ich bewege mich auf das hin, was ich erreichen möchte: Kein bestimmtes Muster zu haben, sondern ein Pferd, das auf meine Hilfen hört. Ein Weg dahin ist es, dem Pferd an diesem Ort immer mal wieder andere Aufgaben zu stellen. Manchmal kann es schon reichen, wenn es nur über ein Cavaletti steigen muß oder zwischen Zaun und Plane durchgehen soll.
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Re: Wer hat Angst vor dem bösen Eck?

Beitragvon ehem User » Do 30. Jan 2014, 10:22

es stimmt, sie versteckt sich tendenziell eher hinter mir, das ist ihr Lieblingsplatz. Da ist es einfach am sichersten
Die "Böse Ecke" kenne ich auch. Mein Pferd reagiert teilweise regelrecht hysterisch darauf: Um 180 Grad rumspringen und dann schnell weg im Galopp. Und je mehr ich versuche, ihn vom Sattel aus da durch zu zwingen, umso schlimmer wird es. Wir gehen das jetzt systematisch an: Erst führe ich ihn durch und gehe dabei voraus. Er darf sich also hinter mir verstecken. Dann schicke ich ihn vor, indem ich auf Höhe seiner Schulter gehe und treibe dabei von hinten etwas nach, wenn er stockt oder nicht weiter will. Weigert er sich weiter zu gehen, bleiben wir dort so lange stehen, bis er wieder etwas entspannt und einige Schritte macht. Wir haben schon 10 Minuten oder länger an einer Stelle gestanden, aber letztlich ist er irgendwann gegangen. Dann longiere ich ihn einige Runden auf beiden Händen durch die Ecke - gerne mit Stange zum drübertraben oder so, dann ist er etwas abgelenkt. Und zuletzt setze ich mich drauf und reite auf dem Zirkel immer wieder durch die Ecke. Mal klappt es besser, mal weniger und im Endeffekt haben wir dann mindestens eine Stunde mit Eckentraining verbracht. Aber ich habe mir vorgenommen, am Ball zu bleiben und das wirklich durchzuziehen - bis sich endlich ein dauerhafter Erfolg einstellt und die Ecke ihren Schrecken verliert. Ich denke, es wird bereits in wenigen Jahren soweit sein! :roll:

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Re: Wer hat Angst vor dem bösen Eck?

Beitragvon kolyma » Do 30. Jan 2014, 10:47

Danke ihr Zwei.
So ähnlich habe ich es schon angefangen. DL machen wir meistens auf dem unteren Zirkel, wo auch die "böse Ecke" ist. Wir machen da viel mit Pylonen und Stangen und da gehts dann plötzlich... Da interessiert er sich nicht sondern ist konzentriert.

Beim reiten fängt es auch oft erst an, wenn wir mal galoppiert sind. Er wird dann heiß und sucht was zum abfetzen. Mit Zuhören ist da dann nicht mehr viel.

Aber ich werde eure Anregungen aufgreifen und weiterhin Übungen an der Hand einbauen, wie beispielsweise Stangengassen.

Rückwärtsrichten an der Hand habe ich versucht. Allerdings dreht er sich da mit der HH immer in die Bahn hinein, damit er wieder in die Ecke glotzen kann... :patsch:
Und da ist es auch völlig egal ob ich ne Stangengasse da hab oder sonst was - da trampelt er halt drüber.
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