Überfordert, unterfordert oder gelangweilt?

Moderator: Sheitana

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b.e.a.s.t
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Re: Überfordert, unterfordert oder gelangweilt?

Beitragvon b.e.a.s.t » Do 26. Jun 2014, 17:02

sheitana :hug:

Also, ich hab ja momentan 6 Pferde hier, mit denen ich viele viele Stunden Zeit verbringe. Bei 5 von denen unterschreibe ich es, das es sie überhaupt nicht stört, wenn man sie einfach in ihrer Herde lässt.

Auch Belleza würden 3 Wochen in Ruhe lassen nicht jucken, dann würde sie sich sicherlich mal bemerkbar machen, aber bei Lakota habe ich einfach das Bauchgefühl sie WILL!

Ich mag mich täuschen und ich habe hier genügend Meinungen kontra meines Tuns, um bisschen Gas weg zu nehmen, zumindestens bei Ituma werde ich das künftig tun.
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Re: Überfordert, unterfordert oder gelangweilt?

Beitragvon Mia77 » Do 26. Jun 2014, 17:34

Hey,

habe ja ebenfalls 2 Jungponys in einer Kleingruppe im Offenstall. Bin übrigens ebenfalls der Meinung, dass zumindest Ciara sich deutlich langweilt (sie gerne mehr Aktion hätte) und ich neige nicht dazu, dass ich Pferde vermenschliche... Die haben einfach zu wenig zu tun in ihrer Kleingruppe, die machen keine größeren Wanderungen und sie spielen halt auch nicht soooo übermäßig.
Letzte Jahr habe ich mehrfach Mini-Spaziergänge gemacht, aber immer darauf geachtet, dass ich bloß nicht aus der Komfort-Zone gerate. Außerdem bin ich zumindest letztes Jahr eigentlich noch nicht alleine mit einem Pony los bzw. nur in der Form, dass das Baby die Gegend erkunden konnte, mit mir am Strick und als Sicherheit.

Zweijährig haben wir die Spaziergänge jetzt etwas ausgedehnt, aber noch immer ungern alleine und wenn nur kurz. Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, dass sie sich lieber langweilen sollen als "schlechte" (ist nicht auf Dich bezogen!) Erfahrungen zu machen. Alles was frei auf dem Paddock geht, finde ich aber schon ziemlich gut. Da können die sich an Raschelsachen gewöhnen etc.

Als Handpferd mitnehmen würde ich einen Jährling nicht. Handpferd-Reiten sollte meiner Ansicht nach schon recht geordnet erfolgen und da würde ich an so jungen Pferden noch nicht rumerziehen wollen. Wenn keine Straße etc. in der Nähe ist, würde ich ggf. über frei mitlaufen lassen nachdenken, aber ob das hier in Deutschland irgendwo halbwegs sicher ist??? (Da ein wenig ängstlich bin...)

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Re: Überfordert, unterfordert oder gelangweilt?

Beitragvon Berry » Do 26. Jun 2014, 17:48

Meine Meinung ist ebenfalls, Jährlinge gehören in eine Herde und sonst nichts... Wenn sie nicht ausgelastet sind und den Eindruck machen, dass es ihnen langweilig ist, dann ist die Herde wohl zu klein bzw. hat zu wenig gleichaltrige Spielkameraden. Von Spazierengehen oder auf Ausritte mitnehmen und anderen "Bespaßungen" halte ich gar nichts in dem Alter.
Ich weiß, dass ich da ziemlich alleine da stehe und das es ja "nichts schadet" und man ein "ach so tolles Verhältnis" zu seinen Pferden hat, aber meiner Meinung nach ist das einfach Egoismus... Mein Pferd war 3 Jahre in einer Aufzucht mit sehr wenig Menschenkontakt und ich hatte noch nie ein so menschenbezogenes, freundliches und nettes Pferd. Er geht überall mit mir hin, Hänger, fremder Stall usw. ist kein Prolbem. Und das, obwohl er erst mit 3,5 Jahren heim gekommen ist und mit ihm nie irgendwas "geübt" wurde, sonder er als Saugfohlen einfach nr im Alltag integriert war....
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Re: Überfordert, unterfordert oder gelangweilt?

Beitragvon Nelchen » Do 26. Jun 2014, 18:19

Nicht jedes Jungpferd ist gleich und auch nicht alle Bedingungen, in denen so ein heranwachsendes Pferd lebt.
Es war kein Pferd, welches mich lehrte, dass nichts ist, wie es scheint und wenn man sich traut, entgegen aller Konditionierungen(und Vorurteile) auf sein Bauchgefühl zu hören, erhält man Geschenke vom Leben, die man sich mit keiner Silbe ausmalen könnte, wenn man sich an die Regeln gehalten hätte. ;)
Wollte ich mal dazu gesagt haben! :mrgreen:
LG Katrin

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Re: Überfordert, unterfordert oder gelangweilt?

Beitragvon ehem User » Do 26. Jun 2014, 20:35

Nelchen hat geschrieben:Nicht jedes Jungpferd ist gleich und auch nicht alle Bedingungen, in denen so ein heranwachsendes Pferd lebt.
Es war kein Pferd, welches mich lehrte, dass nichts ist, wie es scheint und wenn man sich traut, entgegen aller Konditionierungen(und Vorurteile) auf sein Bauchgefühl zu hören, erhält man Geschenke vom Leben, die man sich mit keiner Silbe ausmalen könnte, wenn man sich an die Regeln gehalten hätte. ;)
Wollte ich mal dazu gesagt haben! :mrgreen:
Das hast du doch jetzt schön gesagt :mrgreen:

An unserem alten Stall wurden Appoloosa und Quarterhorses gezüchtet. Die meisten Jungpferde wurden in Ruhe gelassen bis sie so ca. 2 1/2 Jahre alt waren. Sie waren halt Halfterführig und Menschen gewohnt, aber nicht viel mehr. Ja, und dann war da dieses eine Fohlen. Das war einfach anders. Der Besitzer des Stalls züchtete schon seit über 30 Jahre Pferde und bildete sie auch selber aus. Aber bei dem, hat er auch alles anders gemacht, als sonst. Mit einem Jahr, war der kleine Hengst einerseits neugierig, andererseits kaum kontrollierbar. Er fing sogar an aggressiv auf Menschen zu reagieren. Letztendlich fing der Besitzer dann an ihn mit ca. 1 1/2 Jahren "ernsthafter" vom Boden aus zu arbeiten. Das war ein langer Weg, aber erst mit der Arbeit und der Aufgabe, die das Jungpferd bekam, wurde er ruhiger und ein paar Jahre später ein tolles Reitpferd. Ich denke, dass es sehr intelligenten Pferden oft so gehen kann.

Du hast wahrscheinlich ja Glück mit deiner kleinen, lernwilligen Stute, denn ihre ganze Energie scheint ja momentan positiv zu sein. Ich persönlich würde da auch mit Augenmaß und Gefühl rangehen und ihr durchaus auch schon Aufgaben geben. Ich denke, sie als Handpferd mit ins Gelände zu nehmen ist doch wunderbar. Früher liefen die Fohlen der Arbeitspferde ja auch schon immer mit den Müttern mit. Klar, Belleza ist nicht die Mutter. Ich denke, du hast doch wirklich viel Erfahrung und bist keinAnfänger und letztendlich kennst doch auch nur du die kleine so richtig gut.

Ich halte nichts davon alles über einen Kamm zu scheren und nur weil man schon mal gesehen hat, dass es auch schief gehen kann, bedeutet das ja noch lange nicht, dass es dann immer schief geht. Ich vergleiche das mal mit Kindern die mit 5 eingeschult werden. Für manche ist das eindeutig zu früh und da spricht dann vielleicht der Ehrgeiz der Eltern, bei anderen passt es aber und man hätte dem Kind keinen Gefallen getan es noch ein Jahr im Kindergarten zu lassen. Letztendlich ist es bei Pferden nicht anders. Sie ist halt frühreif, zumindest was den Kopf angeht und du machst ja auch nichts, was sie körperlich überfordern würde.

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Re: Überfordert, unterfordert oder gelangweilt?

Beitragvon jaz » Do 26. Jun 2014, 21:04

Ich möchte hierzu aus meiner eigenen Erfahrung berichten. Ich selbst war ein so genanntes "Kann-Kind", also ein Kind das mit 5 Jahren bereits eingeschult wurde. Auf Empfehlung der Kindergärtnerinnen hin. Bei mir wurde damals gesagt: "Die langweilt sich im Kintergarten." Ich habe wohl oft die Aufgaben der Vorschulkinder gelöst und ihnen dann vorgesagt. Ich war super stolz als ich in die Schule durfte, Lernen fällt mir sehr leicht und macht mir Spaß, ich war in der Grundschule eine Musterschülerin. Ob es mir geschadet hätte ein Jahr länger im Kindergarten zu bleiben? Sicherlich nicht. Ob es mir geholfen hätte? Den einzigen Vorteil daran länger im Kindergarten zu bleiben, den ich selbst im Nachinein sehe, ist dass ich später in der Pupertät mehr "Gleichaltrige" in der Klasse gehabt hätte, ich habe mich sehr lange mehr für Pferde als für Jungs interessiert ;) So wie es war bin ich meinen Weg im Ausbildungssystem bis hin zur Promotion gegangen, und ich bin glücklich verheiratet. Daher wage ich zu behaupten dass es mir nicht geschadet hat, und ich würde es jederzeit wieder so machen.

Ich bin der Meinung dass es auch Pferde gibt, die sehr neugierig und intelligent sind, und die auch früh schon Spaß daran haben zusammen mit dem Menschen Sachen zu entdecken und zu erkungen. Ich denke dass man viele Sachen sehr spielerisch angehen kann, so dass sie unglaublich viel Spaß machen können. Ich bin der Meinung dass wir Menschen heutzutage genauso zur Herde dazugehören wie die anderen Pferde auch, schließlich leben die meisten Pferde hier in Deutschland doch in sehr engem Kontakt zum Menschen. Ich denke dass wir Menschen auch sehr gute Spielkumpel sein können (in Ergänzung zur Pferdeherde), wenn wir achtsam genug sind, den Pferden gut zuhören, und unsere eigenen Grenzen konsequent und ruhig klarstellen. Ich stimme allen zu, die für Vorsicht plädieren - man kann gerade Jungpferde sehr schnell überfordern. Dennoch bin ich nicht der Meinung dass man sie deswegen grundsätzlich "wegstellen" muss, insbesondere bei einem so neugierigen und aufgeweckten Pferd wie Lakota. Ich bin dafür einen individuellen Weg für jeden Menschen und jedes Pferd zu gehen, einen Weg der zu beiden passt. Jedes Pferd ist anders, jedes Pferd will etwas anderes, braucht etwas anderes. Ich bin dafür die Pferde spielerisch in ihrem jeweils eigenen Tempo lernen zu lassen.

Ich habe auch ein Jungpferd, Panti ist jetzt 4. Er gehört auch zu den super neugierigen intelligenten Pferden, die unbedingt was tun wollen. Ich habe ihn seit er 1,5 Jahre alt ist. Ich habe von Anfang recht viel mit ihm gemacht, unter anderem weil er es einfach wollte, und wir beide unglaublich viel Spaß zusammen haben. Viele Spaziergänge (mit vielen Graspausen), viel freies Spielen und keksen, und im letzten Jahr ganz langsam das Reiten dazu genommen. Also genau das, vor dem hier viele warnen. Für uns beide war und ist es jedoch der richtige Weg, was mir sein Verhalten und seine Rückmeldung per TK regelmäßig bestätigen. Ich kann heute mit Stolz behaupten dass ich Pantis absolut beste Freundin bin. Die die besten Kratzstellen kennt und auch drankommt. Die immer lustige Ideen hat. Die mit ihm die Welt erkundet. Die mit ihm um die Wette rennt und spielt. Die mit ihm grasen geht. Die ihn einfach verwöhnt wenn er mal keine Lust hat oder es ihm nicht gut geht. Die ihn (seiner Meinung nach) aktuell beim Reiten viel zu wenig fordert, er kann doch viel mehr! Er kann für sein Alter schon weit mehr als er wegen mir können müsste, solange er aber so viel Spaß am Spielen / Lernen hat werde ich ihn nicht ausbremsen. Aktuell steht er mit 3 sehr verspielten, zum Teil jungen Wallachen, mit denen er sehr viel Spaß hat, auf 24h Weide, er hat also auch Pferdefreunde.

Edit: Das hat sich jetzt gerade mit Swedenfox Post überschnitten

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Re: Überfordert, unterfordert oder gelangweilt?

Beitragvon b.e.a.s.t » Fr 27. Jun 2014, 08:11

Danke für die vielen unterschiedlichen Meinungen euch allen. Es hat mir sehr viel Input gebracht, ich werde einiges überdenken, aber ich habe mir auch Erfahrungen für den Weg den wir gehen gewünscht.

Danke hierfür an Schwedenfox und Jaz (euer Tagebuch, werde ich aufmerksam lesen..)

Ich denke ich werde Gas raus nehmen, mit der sensiblen Ituma nur noch sehr reduziert was tun, bei Lakota werde ich mal zusehen, weniger zu machen und wenn sie als Handpferd mitgeht, dann deutlich langsamer unterwegs sein.
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Re: Überfordert, unterfordert oder gelangweilt?

Beitragvon Sheitana » Fr 27. Jun 2014, 08:13

Ituma ist immer relaxtet geworden, was die räumliche Trennung angeht, heute sind wir einfach nicht den kurzen Weg heim, sondern wollten noch einen "Schlenker" machen. Natürlich kann man der Meinung sein, der Trottel am Strick ist nicht auf ihre Panik eingegangen, aber vielleicht hat ihr der Trottel auch zeigen wollen, das sie im Wald nicht gefressen wird und wir auch ohne zerren immer wieder zu ihrer Herde heim gehen.
Ich wollte nochmal auf diesen Ansatz hier eingehen.

Prinzipiell ist der Ansatz nicht verkehrt zu sagen, ich zeige, dass alles nicht gruselig ist. Ich würde das aber wenn nur bei einem älteren Pferd einsetzen, wo das Grundvertrauen in den Menschen schon gefestigt ist.. Das hat Ituma aufgrund ihrer Reaktion aber noch nicht. Das ist jetzt KEIN Vorwurf an dich. Ich finde das normal und wie stark das Vertrauen ist zeigt sich in solchen Situationen, nicht in der Routine. Sie ist erst ein halbes Jahr bei dir und hat wie du schreibst vorher nicht den optimalen Einstieg ins Leben mit dem Menschen gehabt. Das ist ein eklatanter Unterschied zu einem Pferd, was von Anfang an Vertrauen zum Menschen aufbauen konnte. Wenn das Grundvertrauen stimmt kann man eher mal sagen "hey, komm weiter, du weißt doch, ich weiß, was ich tue". Stimmt das Vertrauen nicht, wird das Pferd gar nicht erst überlegen, ob der Mensch weiß, was er tut, sondern sein heil sofort in der Flucht suchen.
Von daher würde ich hier den Weg des kleinen Schrittes wählen, langsam rantasten und erstmal immer in der Komfortzone bleiben. Ein zweites Pferd mitnehmen etc. Hast du ja schon geschrieben, dass du bei Ituma zurückfahren willst. Ich wollte das nur noch mal differenzieren, warum dieser Ansatz in der Situation vielleicht kontraproduktiv ist, in anderen Situationen aber durchaus hilfreich und erfolgsversprechend.

Ansonsten, wo wir hier über junge Pferde allgemein reden nochmal ein bisschen ausführlicher, warum ich Dinge so sehe, wie ich sie sehe... Ich finde es ist nochmal ein deutlicher Entwicklungsunterschied zwischen einem Jährling und einem Zweijährigen. Als Jährlinge sind sie noch absolute Babies, auf den Schutz der Herde und Mama angewiesen. Als Zweijährige durchaus schon selbstständig.
Das sieht man auch immer wieder bei Wildpferdeherden. Die Fohlen saufen bis Jährling bei Muttern mit, bis neuer Nachwuchs da ist. Auch dann bleiben sie aber noch eng bei der Herde und werden von der Mutter, Tanten und auch vom Vater miterzogen. Hengste werden meist im zweijährigen Jahr vertrieben, Stuten dann meist abgeworben. Selten passiert das auch mal als Jährling, ist aber eher die Ausnahme. Man sieht also, dass auch in der Natur noch ein deutlicher Unterschied zwischen 1 Jahr und 2 Jahren gemacht wird.

Wenn man nun unbedingt was mit dem Jährling tun möchte - ist ja wie gesagt jedem selbst überlassen - dann würde ich das immer in der Herde machen. Denn die Herde ist einfach das Wichtigste für den Jährling. Natürlich hat das Pferd immer noch die Herde auch, wenn man es eine halbe Stunde entfernt. Aber in dieser halben Stunde fehlt ihm der SCHUTZ der Herde, was psychisch eben einen gewaltigen Unterschied macht. Doch auch in der Herde kann man viel machen. Zum Clickern muss ich das Pferd nicht rausholen, um ihm spannende Dinge zu zeigen auch nicht. Im Gegenteil, ich finde es viel schöner, wenn Plasikplanen und Co. von der ganzen Herde erkundet werden. Das ist immer so schön anzuschauen, man kann die Charaktere erforschen, wer ist mutiger, wer schickt lieber vor etc.

Ich finde den Ansatz wie Mias es gehandhabt hat gut. Als Baby immer in der Komfortzone geblieben, als 2jähriger die Dinge ausgedehnt. Wenn "Handpferdereiten" frei möglich wäre, dann würde ich sogar schon die Babies mit den Mamas mit auf Ausflüge nehmen. Denn das entspräche der natürlichen Wanderung. Leider sind unsere Reitwege teilweise gesäumt von Kuhweiden mit Stacheldraht, zu gefährlich :nix: Das richtige Handpferdereiten ist in meinen Augen nochmal ein deutlicher Unterschied, da ich mit Strick und Halfter manipuliere und es schon Erziehung vorraussetzt.
Mit 2 Jahren sind die Knochen und alles schon gefestigter. Da würde mir ein mögliches am Strick reißen nicht mehr soviel Sorgen machen. Als Jährling ist das doch alles noch sehr weich und "zerbrechlich".

Ich finde übrigens, bei intelligenten Pferden sollten man noch vorsichtiger sein, als bei nicht so Intelligenten. Die prägen sich noch schneller die falschen Dinge ein und sind häufig auch viel sensibler und damit ist der Grad zwischen Fordern und Überfordern noch schmaler. Klar wollen die, aber ich finde immer sie müssen auch lernen, dass nicht immer Action ist, nur, weil sie grad Lust darauf haben. Ich habe mit Abby ja auch so ein verdammt intelligentes Mist.. äh Pferd zuhause. Für sie war die wichtigste Lektion zu lernen, dass eben NICHT ständig Action ist. Klar wollte die zwischendurch immer mal. Ich bin mir allerdings sicher, hätte ich mir gedacht "die ist übereifrig, die müsste ich beschäftigen" hätte ich jetzt ein fürchterlich nerviges, um Aufmerksamkeit heischendes Jungpferd, was ständig beschäftigt werden wollte (kein Anspruch auf Allgemeingültigkeit, hier kann ich nur von Abby berichten). Mir persönlich wäre das viel zu anstrengend. So hat sie gelernt, es gibt Zeiten wo man viel macht, aber auch Zeiten wo Ruhe ist und da lebt sie dann damit, dass man eben mal nur auf der Weide steht. Auch hier also lieber wieder spannende Dinge auf der Weide in der Herde, als Action mit dem Menschen.

Ich war übrigens auch ein "Kann-Kind", man hat dringend dazu geraten mich in die Schule zu schicken, weil ich mich im Kindergarten fürchterlich gelangweilt habe.... Allerdings würde ich einen Jährling nicht mit einem 5jährigen vergleichen, eher mit einem 3jährigen Kind. Und das würde man sicherlich nicht schon in die Schule schicken. Keine Frage, jedes Lebewesen ist anders, ändert aber nichts daran, dass es Babies sind.

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Re: Überfordert, unterfordert oder gelangweilt?

Beitragvon Sheitana » Fr 27. Jun 2014, 08:13

Sorry, beast, überschnitten.

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Re: Überfordert, unterfordert oder gelangweilt?

Beitragvon b.e.a.s.t » Fr 27. Jun 2014, 08:59

Danke Sheitana für die ausführliche Erklärung. Ich habe schon das Gefühl, das beide Lütten mir sehr vertrauen, bei Ituma zeigt sich das meiner Meinung nach viel stärker, denn sie war sehr misstrauisch, vor allem Männern gegenüber.

Inzwischen hast sie das abgelegt und ich achte auch darauf, das sie auch nette Erfahrung mit "fremden" macht. Als Katniss und Lady O. samt Kind und Kegel zu Besuch waren war Ituma sehr verschmust und hat sehr mit den beiden Söhnen geschakert :mrgreen:

Momentan versuche ich eine Mischung aus
-wir clickern alles gruselige und überwinden das Misstrauen und gehen gestärkt aus einer solchen Situation
- manches müssen sie ertragen um zu sehen das nichts schlimmes folgt, ich bin ruhig, aber konsequent

Sicherlich magst du Recht haben, das das wohl eher Sinn macht damit zu warten, bis die Lütten 2 jährig sind, aber jetzt hab ich noch körperlich eine Chance zu sagen:" los Süße, wir gehen jetzt weiter und du kannst nicht alleine entscheiden kopflos nach Hause zu rennen" ...aber Ituma wird groß werden (ca. 1,60) und mir wäre lieber, sowas jetzt zu klären, als mit einem 500 Kilo Tier.

Ich gehe auch nicht immer alleine Spazieren, immer wieder gehe ich mit Einstellern und einem älteren Pferd, aber gerade bei Ituma war das kleben sehr stark, aber ich sehe manchmal das bereits "erreichte" nicht und will zu schnell zu viel :tuete: dafür sind auch die Meinungen von euch wichtig um meinen Weg zu überdenken und einen guten Mittelweg zu finden.
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