Reitbeteilligung

Moderator: Sheitana

Abendsonne
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Reitbeteilligung

Beitragvon Abendsonne » So 30. Jun 2013, 20:09

Hallo Leute, ich habe gerade ein Reitbeteilligungs- Angebot bekommen auf einem Pferd, welches schon ca. 7-8 Jahre alt ist. Er wurde eingeritten von einer jungen Dame (was mich eigentlich aufhorchen ließ, denn die meisten bringen ihre Pferde zu einem Profi), er hört nur auf diese eine Frau und diese macht aber sehr selten was mit dem Pferd, sehr unregelmäßig.

Bin ein paarmal schon spazieren gewesen mit dem Pferd, er schnaubt sehr aufgeregt und schreckt schon sehr zusammen.
Er bleibt da, also er versucht nicht wegzurennen oder so. Von daher schaue ich mir das Pferd erstmal eine Weile vom Boden aus an.
Ich klappere mit allen möglichen Dingen, versuche ihm die Schreckhaftigkeit zu nehmen. Gut, er ging bis jetzt ja nur mit einer einzigen Person ins Gelände, mir gegenüber ist er noch sehr mißtrauisch.

Platz ist leider keiner vorhanden, sonst hätte ich mit Roundpen mal was gemacht. Ansonsten möchte ich ihm gerne HH-Weichen und rückwärts am langen Strick beibringen. Wenn das im Gelände an der Hand geht.

Er geht vom Stall weg sehr langsam, dann wirds besser, nimmt sein Strickende ins Maul, spielt damit rum, dann auf einmal guckt er wie von der Tarantel gestochen und drückt seinen tollen Unterhals raus.
Dann nehme ich ihn beim Genick mit 2 Fingern, gebe ein Stricksignal am Halfter und er senkt den Kopf, manchmal nur für ein paar Sekunden, um dann wieder zu gaffen. Das ist lästig.
Da ich erst seit ein paar Tagen mit ihm "arbeite", lasse ich dem Kerl schon noch Zeit, er soll erstmal angstfrei mit mir mitgehen.
Trotzdem will ich von Anfang an nix falsch machen.

Ich selber habe eine 24-jährige Stute, die ist das Gegenteil, eher flott unterwegs und von ihrer Geschichte her mit allen Wassern gewaschen, lässt sich so schnell nicht den Schneid abkaufen. Was man bei dem RB-Wallach schon erkennt.
Ist leichter beeinflussbar.

Was könnt ihr mir raten, wie kann ich mir die Gunst erarbeiten? Das Gedrängle in meine Richtung beim Spazierengehen ist nervig und gefährlich. Das kann man doch mit einer Gerte versuchen, damit er Abstand hält.

Ich mache auch nicht so viel mit Stimmkommandos, d.h. ich gehe einfach los, er soll ja auf mich aufpassen. Und bleibe abrupt stehen, ich mache Übergänge.
So muss er auf mich aufpassen.
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Re: Reitbeteilligung

Beitragvon Hina_DK » So 30. Jun 2013, 23:58

Wieso setzt Du Deine Stimme nicht ein, Du hast doch eine? Du musst ja keine Kasernenhofkommandos absondern aber die Stimme unterstützt die Körpersprache durchaus. Besonders bei so schreckhaften Pferden, hilft es oftmals durchaus, wenn da ein paar beruhigende Laute vernommen werden. Pferde setzen selbst ihre Stimme nur sehr begrenzt ein, damit sie ihre Feinde nicht wecken aber hören und auf Stimmen reagieren, können sie sehr gut.

Die Gerte kannst Du ganz gut bei den Führübungen einsetzen. Es sollte möglichst eine lange Dressurgerte sein, die Du in der äußeren Hand hälst, weg aus dem Pferdebereich. Wenn er versucht, Dich zu überholen, dann schwingst Du sie langsam vor Deinem Körper vor das Pferd auf max. Brusthöhe und begrenzt das Pferd damit. Drängt er immer noch vorwärts, dann auch mal an der Brust leicht touchieren. Drängelt er seitlich, dann auch mal seitlich mit der Gerte den Abstand anmahnen. Macht er weiterhin Theater, dann anhalten und auch mal deutlich zurück schicken. Bei meinem Drängelpferd habe ich das ganz ohne Gerte gemacht. Da reichte es, entsprechende Begrenzung mit der Führhand zu weisen und dann einige wenige male anhalten und eine Denkpause einlegen, bis er wieder entspannt war, auch ein paar Schritte rückwärts, wenn er weiter rumzickte und das Thema war gegessen. Seitdem brauche ich nur meine Führhand mal ein wenig richtungsweisend zu erheben. Ich konnte das dann auch schon ganz schnell an seiner Körperhaltung erkennen, wanns wieder losgeht, denn das macht kein Pferd mit entspannt gesenktem Kopf. Wenn er allzu nervig war, habe ich ihm auch mal den Stresspunkt am seitlichen Halsmuskel massiert. Aber man muss auch unterscheiden lernen, ob das Pferd gerade versucht, einen selbst zu führen oder ob es aus anderen Gründen aufgeregt oder ängstlich ist. Sehr gut ist da auch die Übung "Kopf tief" von Babette Teschen, die eigentlich jedes Pferd, das sich gerne mal aufregt lernen sollte. http://www.wege-zum-pferd.de/2008/05/20 ... kopf-tief/
Viele Grüße
Hina

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Re: Reitbeteilligung

Beitragvon faraway » Mo 1. Jul 2013, 08:04

Ich unterschreibe mal voll und ganz bei Hina.
Gerde wenn er ein kleiner Angsthase ist, kann Stimme soooo viel helfen. Allein schon, weil er ja eh unter Spannung ist und mit der Aufmerksamkeit bei denn :zombi: die er irgendwo vermutet. Wie soll er da noch genug Aufmerksamkeit für abrupte Manöver deinerseits haben? Besser, du holst dir seine AUfmerksamkeit freundlich mit der Stimme und trägst damit gleich noch zur Entspannung bei. Am Feintuning kannst du ja immer noch arbeiten, wenn er erstmal entspannt und bei dir sein kann.
Dann fällt mir noch ein:
Wenn der Kleine so schreckhaft ist, wird Kopftief erst dann wirklich in Schrecksituationen wirklich helfen, wenn es als Allternativ-Verhalten fest installiert ist. Also er müsste erst mal in für ihn "sicherer" Umgebung, wo er entspannt ist (näher beim Stall, oder auf der Wiese/Auslauf, wenn du dort arbeiten kannst) verstehen, dass Kopftief auf Signal eine tolle Sache ist. Insofern würde ich das hoch bestärken und nicht erwarten, dass er die Übung schon lange durchhält. Also schon nach wenigen Sekunden belohnen, und zwar solange er noch entspannt mit dem Kopf tief ist. Mir hat dabei geholfen, leise zu zählen. Also am Anfang "eins" Zählen, loben. Dann neu ansetzen, "eins zwei" und Lob... So hab ich die Übungsdauer langsam und kontrolliert gesteigert, wenn ich mal zu lange gewartet hab, bin ich einfach wieder ein paar Zahlen zurück gegangen.
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Re: Reitbeteilligung

Beitragvon Lottehüh » Mo 1. Jul 2013, 17:34

Ohje, der hört sich ja an wie Pablo.

Das mit dem Strickende ist wohl eine Übersprungshandlung, weil ihm das alles zu aufregen dist. Ich würde versuchen, erstmal nur sehr kleine Runden zu gehen und möglicht immer dieselben, bis er sich dort nicht mehr so aufregen muss.

Weiter bin ich mit Pablo auch noch nicht, aber es hilft. Bei ihm weiß ich aber, dass - obwohl ich ihn mit der Gerte abstreiche (Tellington) - dass er auf Bewegungen der Gerte beim Laufen extrem hektisch reagieren würde. Von daher versuche ich ihn rein über Körpersprache udn STimme ruhig zu bekommen. Wenn er gar nicht mehr kann (nur noch an mir rumschnullert oder bei Deinem das Spielen am Strickende), lasse ich ihn auch mal kurz Grasen. Anfangs war er nach 5-10 Minuten völlig überfordert. Mitlerweile können wir auch mal je nach Wetter 20-30 Minuten laufen.

Viel Erfolg ;-)
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:schritt:

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Re: Reitbeteilligung

Beitragvon b.e.a.s.t » Di 2. Jul 2013, 10:58

Meiner tut auch immer ganz cool, wenn er aber anfängt alles anzuschnullern und ins Maul zu nehmen, merkt man daran seine Unsicherheit
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Re: Reitbeteilligung

Beitragvon Abendsonne » Mi 3. Jul 2013, 09:12

Danke für die Antworten.
Die Stimme werde ich jetzt wieder einsetzen. Hab da auf eine Freundin gehört, die meinte, ich sollte nicht so viel über Stimme machen. Aber damit fahr ich bei meiner eigenen Stute ja auch gut.
Also Stimme hilft.

Dann habe ich mir vorgestern im Gelände einen Ast abgebrochen. Damit kann ich von hinten treiben, wenn er abrupt stehen bleibt. Das Ziehen am Halfter mag ich nämlich nicht.
Ich werde mir das Knotenhalfter von meiner Stute mitnehmen und den langen Bodenarbeitsstrick.
Am Montag im Gelände beim Spazierengehen war er schon viel ruhiger. Ich hab auch mit ihm geredet und ihm immer wieder meine Führhand hingehalten. Daran schnuppert er dann und geht viel konzentrierter mit.
Ich kann von dem süßen Fuchs glaub ich nicht erwarten, dass er routiniert durch die Prärie stapft.
Mir wurde gesagt, dass er nicht schreckhaft ist und im Gelände total brav. Aber er hat einen extremen Unterhals. Und ist eben bei mir das Gegenteil.
Das gibt mir Anlass, ihn wie ein Joungster zu behandeln. Aber er lässt mit sich reden und das ist mir schon wichtig.

Rückwärts üb ich mit ihm und HH-Weichen, das geht am Besten mit der langen Gerte. Abstreichen gehört für mich sowieso dazu.

Ist echt spannend. Der Kerl ist mir so dazwischen gekommen. Macht er sich weiterhin gut, dann probier ich in ein paar Wochen wirklich mal Reiten aus. Ich hoffe, der Spaß geht nicht daneben.
Denn wie oft kommt es vor, dass man dann oben sitzt und feststellt, dass es komisch ist. Ich bin vor ein paar Jahren auf der jungen, frisch eingerittenen Stute meiner Verwandtschaft geritten und die war alles andre als "gefestigt" und ausbalanciert.
Im Gegensatz zu meinem alten Schlachtschiff.
Da bin ich mir total unsicher vorgekommen und nix hat geklappt.

Sollte ich das Pferd aber wirklich ernsthaft reiten und es passt alles, möchte ich schon, dass er im Gelände an den Hilfen steht. Bis jetzt ist er angeblich western-freizeitmäßig geritten, also langer Zügel, keine Beine.
Das geht für mich für ein "unausgebildetes" Pferd nicht.
Muss mich mal langsam vortasten.
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Re: Reitbeteilligung

Beitragvon Hina_DK » Mi 3. Jul 2013, 15:30

Hmmmm, hat Dir Deine Freundin auch erklärt, warum man keine Stimme einsetzen sollte. Irgendwie eine merkwürdige Idee :? . Manchmal glaube ich, dass oft gar nicht über Dinge so richtig nachgedacht wird, warum man irgendwas macht oder nicht macht. Und letztendlich sollte das ganze Vorgehen ja auch immer zum Pferd selbst passen. Es gibt Pferde, die braucht man ja auch gar nicht beruhigen, die würde man vielleicht nur vollquatschen ;) aber gerade bei einem ängstlichen Pferd macht der vor allem beruhigende Einsatz der Stimme doch so viel Sinn.

Schön, dass Ihr schon ein bißchen weiter gekommen seid. Er muss ja auch erstmal Vertrauen zu Dir gewinnen und das wird ganz sicher von mal zu mal besser klappen.

Wenn der bisher kaum gearbeitet wurde, würde ich auch denken, dass der noch sehr unausbalanciert sein wird, letztendlich da sicher auch eine ordentliche Baustelle. Da würde ich natürlich nicht zu viel erwarten. So viel Unterhals könnte natürlich auch darauf hindeuten, dass der bisherige Reitstil nicht sehr sinnvoll war aber es gibt auch Pferde, die erarbeiten sich den ungeritten. Ich habe da so ein Exemplar. Der ist allerdings Fünfgänger und ist leibend gerne als Giraffe im Tölt unterwegs, hat eine sehr hohe Grundspannung aber sowas gibts ja auch bei normalen Dreigängern, dass die hocherhobenen Hauptes im Trab über die Weide spurten.
Viele Grüße
Hina

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Re: Reitbeteilligung

Beitragvon Abendsonne » Sa 6. Jul 2013, 19:51

Hallo.
Ja ich erwarte mal lieber nicht zu viel von dem Kerl.
Ich denke, dass die Reiterin, die ihn bis jetzt ab und zu bewegt hat, auch eher nicht auf gesunde Gymnastizierung Wert legt.
Das Pferd ist ein Quarter und 1/3 tel Criollo.
Meint ihr, longieren wäre hier schon mal erlaubt? Muss natürlich die Besitzerin fragen, ob ihr das Recht ist. Die Besitzerin kann nicht reiten, die trainiert Traber vor dem Sulky.
Von daher hat der junge Herr wirklich nicht viel reiterlich zu erzählen. Mal sehen wann die jetzt endlich Zeit hat. Alternativ könnte ich mit einer Miteinstellerin ins Gelände reiten, die nähme mich schon mit. Aber ich glaube, ich geh noch ein paar Wochen mit dem Pferd spazieren.
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Re: Reitbeteilligung

Beitragvon Hina_DK » Sa 6. Jul 2013, 20:06

Nach meinem Gefühl wäre das sogar empfehlenswert aber auf keinen Fall "Kreislauftraining", laufen kann der auch alleine, sondern eben "richtiges" longieren. Kennst Du den "Longenkurs" von Babette Teschen und Tania Konnerth http://www.wege-zum-pferd.de/?
Viele Grüße
Hina

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Re: Reitbeteilligung

Beitragvon Abendsonne » So 7. Jul 2013, 22:10

Ja den Longenkurs kenne ich.
Aber ich glaube, bis ich den kann und mich eingearbeitet habe, wird das Feld schon wieder umgeackert.

Heute bin ich ein Stück mit ihm geritten, die andre RB war da.
Der baumlose Sattel fühlt sich schwammig an. Barefoot baumlos, noch nie in sowas gesessen. Dann noch ungewohnte Bewegungen vom Pferd.. Nicht ganz leicht, aber ich denke zu meistern.
Die Bremsen waren blanker Horror und so sind wir nach nicht mal einem halben Kilometer umgedreht. Er ist schon schreckig, reißt den Kopf gern hoch und man muss ihn schon zwischen die Beine nehmen.
Am Gebiss macht die RB nix, sie lässt den Zügel lang. Ich möchte ihn dann schon etwas an den Zügel spielen, damit er nicht immer so mit dem Unterhals rausgestreckt geht.
Er muss ja nicht einen Rundhals machen, aber so ein bisschen "Hallo ich bin da oben" schadet dem sicher nicht.
Die RB hat jetzt wieder 14 Tage keine Zeit für das Pferd.
Aber ich denke, ich greife jetzt mal alleine an. Ich bitte eine pferdekundige Freundin zum mitgehen und dann seh ich schon, was rauskommt. Die Freundin ist es, die das mit der Stimme gesagt hat, ich möchte aber natürlich nach meinem Gefühl reiten.
Bloß, dass noch jemand pferdekundiges dabei ist. Unsicher hab ich mich die paar Meter jetzt nicht gefühlt. Ich denke, auf der Strecke wird noch das Ein oder Andre Schreckgespenst lauern und mal sehen wie ich den baumlosen Sattel aussitzen kann. Amkopfkratz...

Oje der baumlose Sattel...
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