Kommen die sog. Flegeljahre auf jeden Fall???

Moderator: Sheitana

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Sky4ever
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Kommen die sog. Flegeljahre auf jeden Fall???

Beitragvon Sky4ever » Mi 6. Feb 2013, 08:24

Ich habe einen 5 1/2 jährigen Islandwallach, der die Ruhe in Person ist. Ýmir wurde mit 5 Jahren schonend angeritten und wird seitdem von mir regelmäßig im Gelände geritten. Hin und wieder ist auch Platzarbeit angesagt.

Und er ist wirklich ein kleiner Engel dabei. Lieb und aufmerksam, immer bemüht zu gefallen und alles richtig zu machen. Ich kann ihn alleine und in der Gruppe im Gelände reiten, auch die Position in der Gruppe ist ziemlich egal. Sogar das Trennen von anderen Pferden bei einem Ausritt stellt für ihn kein Problem dar. Auch ist er nicht schreckhaft. Wenn ihn mal etwas ängstigt, hat er im Laufe der Monate gelernt, mir zu vertrauen und gemeinsam mit mir die Situationen zu überstehen (sei es, dass ich absteige und vorbei führe, oder sogar mit gutem Zureden dran vorbei reite).

Ich bin überglücklich und stolz auf dieses Pferd :herzi:

Tja, und nun wird mir das Ganze von anderen Reitern madig gemacht. Unisono bekomme ich zu hören, dass sich das alles ändern wird, wenn Ýmir in seine Flegeljahre kommt. Diese sollen mit 6 Jahren anfangen und sich bis ins 8 Lebensjahr durchziehen. Dann würde er mich auf die Probe stellen und ich würde mein blaues Wunder erleben.

Nun bin ich eine eher etwas ängstliche Reiterin und deshalb verunsichern mich diese Aussagen total. Diese Unsicherheit von mir spiegelt sich dann aber auch schnell bei Ýmir, das habe ich bereits gelernt, als ich ihn noch nicht einmal geritten bin. :wall: Es beginnt dann ein Teufelskreis. Das würde ich gerne vermeiden.

Da Ýmir mein erstes Jungpferd ist, würde ich gerne von Euch erfahren, was Ihr bereits so erlebt habt. Kommen Flegeljahre bei jedem Pferd auf jeden Fall? Oder ist das ein Ammenmärchen?

Bitte erzählt doch mal, wie es bei Euch so gelaufen ist. Oder in Eurer Umgebung.

:danke2:

LG Rabea

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Equester
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Re: Kommen die sog. Flegeljahre auf jeden Fall???

Beitragvon Equester » Mi 6. Feb 2013, 09:00

Nein, ich denke nicht, dass jedes Pferd in die Flegeljahre kommt, bzw. dass diese so ausgeprägt sind, dass der Mensch ein Problem damit hat. Nicht jeder Jugendliche wird renitent und besorgt sich Drogen, nur weil man jetzt ein gewisses Alter erreicht hat.

Dein Pferd scheint sehr behütet aufgewachsen und ausgebildet zu sein und er hat wohl einen ruhigen ausgeglichenen Charakter. Warum sollte sich das jetzt zwingend ändern? Kann es sein, dass gewisse Reiterkollegen ein wenig neidisch sind, weil sie nicht so ein Exemplar erwischt haben?

Selbst wenn er ein wenig munterer werden sollte, Du wächst doch täglich mehr mit ihm zusammen und kannst das ganz sicher annehmen und Dich darüber freuen. Laß Dich nicht irre machen, so verdirbst Du Dir nur die tolle Zeit mit ihm ;) .
wir machen aus :hm: ein :dafuer2:

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Re: Kommen die sog. Flegeljahre auf jeden Fall???

Beitragvon ehem User » Mi 6. Feb 2013, 09:10

Hm... ich glaub auch nicht dass die Flegeljahre kommen müssen.

Meine Stute zB habe ich seit sie 2,5 ist - dann viel Bodenarbeit gemacht, Spaziergänge usw.
4jährig angeritten - und ab dem ersten Moment wo ich auf ihrem Rücken saß, auch unter dem Reiter ein ziemliches Verlasspferd war, ist, und geblieben ist.

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Re: Kommen die sog. Flegeljahre auf jeden Fall???

Beitragvon calista » Mi 6. Feb 2013, 09:14

Hmm, bei uns kamen sie, ich habe eine brave Stute, die mit 6 Jahren revoltierte. Ob das mit Flegeljahren unbedingt zusammenhängt, weiß ich nicht. Bei uns war es ein Protest gegen Langeweile und viel zuviel Druck. Ich wusste es damals nicht besser und hab meiner RLin vertraut, die schon meinen verdorbenen Wallach wieder "hin bekommen" hat. Bei der Stute war es falsch, sie war und ist super lieb und sensibel und der vorgeschlagene Ausbildungsweg ("ich helf Dir bei der Ausbildung Deines Jungpferdes, Du kannst ruhig ein ungerittenes und nicht ausgebildetes Pferd kaufen, besser als wenn es schon schlechte Erfahrungen gemacht hat...") war schlicht und einfach nicht pferdegerecht. Ich habe das dann abgebrochen und bin mit meinem Revoluzzer ausgezogen, hab die Ausbildung mit Ach und Krach selber in die Hand genommen und mir geschworen, dass ich so was nie wieder zulasse. Nach dem Auszug hat es zwar immer noch Unstimmigkeiten gegeben aber keine Bock- und Buckelattacken mehr. Also ich zumindest war selber verantwortlich für diese Phase. Wenn Du bisher eine einfühlsame Ausbildung mit dem gehörigem Respekt gegenüber Deinem Pferdepartner durchgezogen hast kann ich mir vorstellen, dass das genauso weitergeht wie bisher.

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Re: Kommen die sog. Flegeljahre auf jeden Fall???

Beitragvon Schnucke » Mi 6. Feb 2013, 10:31

Flegeljahre können auch ganz ausbleiben, vor allem wenn ihr jetzt schon eine so tolle Beziehung habt, glaub ich nicht daß sich da was schlagartig ins negative ändert. Ich hatte schon ganz viele Jungpferde, dadurch, daß meine Eltern gezühtet haben. Bei manchem kam die Flegelzeit, das waren aber meist die Pferde zu denen ich nicht so den Draht hatte, die auch schon vorher nicht ganz unproblematisch waren. Bei manchen kam in dieser Zeit nur ein nachfragen, oder sie entwickelten eigene Ideen, was ich sogar positiv finde, weil man dies in richtige Bahnen gelenkt sehr gut nutzen kann. Tja und dann gab es Pferde die niemals Flegeljahre hatten und genauso cool, gelassen, kooperativ und lernbegierig waren wie immer.

Laß dich da nicht verrückt machen, von anderen. Flegeljahre müssen nicht sein und wenn sind sie auch in ihrer Ausprägung sehr unterschiedlich. Ich denke auch es kommt viel drauf an wie das Pferd gearbeitet wird und welche Basis man davor geschaffen hat.
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Re: Kommen die sog. Flegeljahre auf jeden Fall???

Beitragvon Sky4ever » Mi 6. Feb 2013, 13:05

Das beruhigt mich ja schon einmal, dass es nicht zwangsweise zu solchen Flegeljahren kommen muss.

Ýmir ist ein selbstbewusstes aber absolut sensibles Pony. Ich muss immer genau aufpassen, ihn niemals zu überfordern, denn dann reagiert er mit panikartigen Wegrennen. Bis jetzt habe ich es immer geschafft, ihn mit ganz sanften Hilfen anzuleiten. Er macht es mir ja auch echt einfach, weil er so gut zuhört und auch gewillt ist.

Aber meine Reitlehrerin hat ihn ein einziges Mal etwas deutlicher angefasst (was den Zügelkontakt angeht, aber es war kein harter Zug am Maul), und da ist er im Tölt voll losgeschossen. Da gab es kein Halten mehr. Ich habe ihn noch nie so rennen sehen, schon gar nicht im Tölt, den ich ja bei einem so jungen Pferd noch gar nicht reite. :galopp: Erst als sie die Zügel weggeschmissen hat, kam er langsam wieder zur Ruhe.

Wenn er nun in die Flegelphase kommt und Dinge hinterfragt, ob es wirklich so laufen muss, habe ich einfach Angst, dass ich diesen schmalen Grat zwischen "Nein, so bitte nicht" und zu hartem Durchgreifen überschreite, und er panisch wird.

Hoffentlich bekommt ihm die neue Herde gut, in der er fünf gleichaltrige Kumpel zum Spielen hat, aber auch fünf ältere Wallache, die für die Erziehung sorgen. Hier wohnt er seit knapp zwei Monaten und spielt viel. Vielleicht lenkt das gegebenenfalls auftauchende Ideen im Flegelalter ja in die richtigen Bahnen und er tobt sich dort aus. :bittebitte:

Ich bin aber auch noch offen für weitere Ideen, wie ich am besten vorbeugen kann, und natürlich freue ich mich auch über weitere Berichte.

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Re: Kommen die sog. Flegeljahre auf jeden Fall???

Beitragvon ehem User » Mi 6. Feb 2013, 13:37

Grundsätzlich muss man sich ja fragen "Was sind diese Flegeljahre überhaupt"

Ist es eine Art Pupertät das jedes Pferd durchmacht, egal welches Geschlecht, welche Rasse, welche Erfahrungen?

Sind die "Flegelzeiten" vl nur so zu nennen, weil das Pferd nun selbstbewusster wird und sich mal was "traut"?
(was ja gar nicht sein soll.. denn wir wollen ja selbstbewusste Pferde haben)

Oder sind Flegelzeiten nur die Reaktion auf falschen Umgang oder falscher Haltung? Welche sich nach einigen Zeit abzeichnen?

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Re: Kommen die sog. Flegeljahre auf jeden Fall???

Beitragvon lungomare » Mi 6. Feb 2013, 19:25

hm, wir hatten es sowohl bei meiner Isidame als auch bei der anderen Stute der damaligen Besitzerin. Beide so ungefähr mit 8, 9 Jahren (waren aber beide auch erst spät angeritten) - wobei ich eher sagen würde, da standen sie so richtig "im Saft", wussten, was man von ihnen wollte und hatten die Kraft, mal richtig Speed zu geben.
>Es war auch kein deutliches Austesten, nur mal vermehrt anfragen: willste da echt lang? und muss es unbedingt arbeitstempo sein oder können wir nicht auch flotter? und was hältst Du davon, wenn ich im Galopp quieke und den hintern lupfe?

Aber alles nicht gefährlich und auch nicht recht ernst zu nehmen.
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Re: Kommen die sog. Flegeljahre auf jeden Fall???

Beitragvon Integra » Fr 8. Feb 2013, 15:06

Hi,

also ich hab es so gelernt, dass die Pflegeljahre beim Pferd vergleichbar sind wie die Pubertät beim Menschen.
Prinzipiell kommt also jedes Pferd in die Pflegeljahre, bei einem ist es mehr ausgeprägt bei anderen weniger.

Mein Kleiner testet in diesen "Phasen" mal etwas mehr, ist aber nichts dolles. Probleme hab ich deswegen nicht, muss halt ab und an etwas deutlicher werden und dann ists auch gut.

Also wenn man sein Pferd konsequent und liebevoll erzieht glaube ich nicht, dass man da Probleme bekommt.

LG
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Re: Kommen die sog. Flegeljahre auf jeden Fall???

Beitragvon Sheitana » Mo 25. Feb 2013, 07:51

An diesen Thread musste ich heute Morgen denken.

Unsere beiden fast 3-jährigen haben derzeit so eine äh.... Findungsphase..;-)

Und zwar in Richtung "mal sehen, ob Regeln auch für mich gelten".

Im Grunde empfinde ich das als normal und harmlos. Es sind Kleinigkeiten, so z.B. wird im Moment überprüft, ob man bei der Kraftfuttergabe wirklich anständig warten muss bis man dran ist. Oder ob es immer noch gilt, dass die Futtereimer der anderen Pferde tabu sind. Diese Phase hielt jetzt durchaus ein paar Tage an. Heute Morgen waren die Versuche aber wieder nur halbherzig und ein mahnendes Wort genügte, dass sie es ließen.

In solchen Phasen versuche ich, den Umgang auf das Nötigste zu beschränken also das, was eben nötig ist. Füttern, Misten etc. Ich muss es nicht unnötig provozieren... ;)


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