Reithalfter gut fürs Pferd

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Re: Reithalfter gut fürs Pferd

Beitragvon Hina_DK » Sa 9. Feb 2013, 12:44

Der Druck wird ja in der Summe nicht mehr, wenn er sich verteilt, er bleibt der gleiche aber eben nicht mehr punktuell. Da kommt an, was ankommt, es wäre sonst ein Energiezuwachs aus dem Nichts. Ansonsten wäre dann etwas erfunden, wovon die Menschheit schon immer geträumt hatte ;). Das ist reine Physik, auch wenn sowas immer recht schwer vorstellbar ist, weil Kräfte ja im Grunde nicht sichtbar sind. Allerdings darf man natürlich eine Sache nicht außer Acht lassen. Kraft setzt sich aus Masse mal Beschleunigung zusammen. Wenn ich ziehe, wirken da eben nicht nur die 0,2 kg, die ich aufbringe ein, sondern ich muss auch noch den "Ruck" mitberechnen und dann ist das schon richtig ordentlich, was da an Zugkraft ankommt.
Viele Grüße
Hina

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Re: Reithalfter gut fürs Pferd

Beitragvon ehem User » Sa 9. Feb 2013, 12:52

ich mach dir später ne zeichnung, georgi ;)

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Re: Reithalfter gut fürs Pferd

Beitragvon Hina_DK » Sa 9. Feb 2013, 13:07

Ich versuche es mal noch mit einem anderen vielleicht anschaulicheren Beispiel.
Du hängst an eine Leine ein 5 kg-Gewicht und hebst das hoch. Dafür brauchst Du eine gewisse Kraft. Die selbe Kraft verwendest Du auch dafür, wenn Du 5 Leinen mit je 1-kg-Gewichten hast und hochhebst, nur dass sich Deine Krafteinwirkung dann nicht auf ein einziges Gewicht fokussiert, sondern sie verteilt sich auf mehrere Gewichte, wird aber in der Summe nicht mehr. Möchtest Du, dass auf jedes einzelne 1-kg-Gewicht die selbe Kraft, wie auf das einzelne 5-kg-Gewicht einwirkt, müsstest Du die 5fache Kraft anwenden und die Dinger würden Dir um die Ohren fliegen ;).
Viele Grüße
Hina

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Re: Reithalfter gut fürs Pferd

Beitragvon ehem User » Sa 9. Feb 2013, 13:36

ich kann besser erklären als zeichnen :shy:

eigentlich geht es um impulse bzw. um druck und gegendruck. vorab: wir gehen davon aus, dass das pferd einen netten reiter hat und das reithalfter weich gepolstert und breit ist und alles.

stell dir mal vor, dass du neben einer weichen, an die wand gelehnten gymnastikmatte stehst. jemand schubst dich. du kannst den schubs abfangen, indem du dich an die matte lehnst. fall zwei: jemand schubst dich und du stehst in der mitte der turnhalle. gehen wir davon aus, dass deine füsse am boden angewachsen sind ;) - du musst also deine muskelkraft aufwenden, um den schubs aufzufangen um nicht hinzufallen.
du hast also gewissermassen nicht unrecht: der schubs/impuls, der beim unterkiefer ankommt, ist immer gleich. das ist aber nicht so wichtig, denn erst der "gegendruck" durch die matte oder deine muskeln - oder beim pferd der gegendruck durch das halfter bzw. durch die muskeln des unterkiefers - machen die sache "interessant". stell dir vor, wenn das pferd bei einen ruck im maul den kiefer einfach "mitgehen" lassen könnte bis das gebiss irgendwann rausrutscht zum beispiel, wäre ja egal wieviel kraft da kommt und es tut dem pferd nicht weh. das geht aber nicht! das pferd muss gegendruck aufwenden, weil es anatomisch gar nicht anders geht. mit muskeln und zunge ist das schmerzhaft, mit den bändern, die den kiefer zusammenhalten offenbar etwas weniger. ergo sperrt pferd das maul auf. trägt pferd nun das reithalfter, kann es einen teil des notwendigen gegendrucks an das reithalfter abgeben. darum verteilt: der physikalisch/anatomisch notwendige GEGENdruck verteilt sich auf pferdekiefer + die ganze reithalfterfläche anstatt dass der kiefer allein damit zurechtkommen muss. verstehst du das?

@hina, ich wäre vorsichtig mit diesen analogien. es gibt ja immer noch hebelkräfte ;) - da kann ganz schnell eine kraft "mehr" werden...

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Re: Reithalfter gut fürs Pferd

Beitragvon Hina_DK » Sa 9. Feb 2013, 13:55

Deshalb habe ich auch versucht, was ohne Hebel zu finden. Ich gehe mal auch davon aus, dass es sich bei einer Trense und Reithalfter dann nicht um ein Hebelgebiss handelt. Dann sieht die Sache noch ganz anders aus, das ist wohl wahr, wobei die Wirkung des Prinzips der Druckverteilung auf Maul und Kiefer genauso ist :). Der Unterschied liegt in der ankommenden Energie. Aber auch die kommt nicht aus dem Nichts, da muss ich dann aber bei der Berechnung noch die Bewegungsenergie und die Lastenverteilung mit berücksichtigen. Aber das führt ja für das eigentliche Problem mit der Duckverteilung zu weit ;).
Viele Grüße
Hina

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Re: Reithalfter gut fürs Pferd

Beitragvon Georgi » So 10. Feb 2013, 15:04

Hey ihr :-D

Ich finde das total lieb von euch, dass ihr euch so viel Mühe gebt mir das zu erklären :P . Ich werd nachher, wenn mein Kopfdröhnen hoffentlich weg ist, versuchen das nachzuvollziehen und hier zu Hause mal diskutieren.

LG Georgi

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Re: Reithalfter gut fürs Pferd

Beitragvon Georgi » So 10. Feb 2013, 20:05

Schaut mal hier rein :

http://www.jessen-pr.de/files/pferdemar ... 7-8-09.pdf

In dem Thema "Wofür brauchen wir ein Reithalfter" wird das Thema schön beschrieben. Und hier steht eindeutig, dass der Druck "weitergegeben wird", nicht minimiert wird.

Siehe (S. 139) "Der Druck auf die Nase führt also zu einer schnelleren Reaktion und ermöglicht damit auch leichtere Hilfen"


Weiterhin steht hier " In diesem Falle stellt das Reithalfter eine Entlastung für das Kiefergelenk dar, weil das Pferd andernfalls zu viel Kraft aufbringen müsste, das Maul geschlossen zu halten" (S. 139 oben rechts)


Das ist genau mein Verständnis vom Vorteil eines Reithalfters :-D

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Re: Reithalfter gut fürs Pferd

Beitragvon ehem User » So 10. Feb 2013, 20:19

georgi, es behauptet ja niemand etwas anderes? hast du dir durchgelesen was ich geschrieben habe? :-?

edit, der druck entsteht aber trotzdem nicht zusätzlich und der (entscheidende) gegendruck verteilt sich ja?

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Re: Reithalfter gut fürs Pferd

Beitragvon Georgi » So 10. Feb 2013, 20:27

Hi Snöflingen ,

du hast Recht, genau das hast du geschrieben :lol: Ich habs nur vorhin nicht aufnehmen können, weil ich so derbe
Kopfschmerzen hatte. Und nun hab ich den Bericht gefunden und gedacht "ha, jetzt hab ichs" :-D

Das ist ja super, dann ist das ja so wie ich das verstehe und so wie du beschreibst. Wunderbar :dance1:

Endlich ist auch das Thema erledigt :-D

Ich bin heute mit einem Hannoveranischen Reithalfter geritten und ich muß sagen, mein Süßer ist sooo toll gelaufen. Ich hatte sozusagen einen Spatzen in der Hand, er ist gelassen an das Gebiss getreten und hat die Dehnungshaltung von allein angenommen und sich nicht immer wieder rausgedrängelt. Es war einfach wunderbar :-D Er war soooo entspannt und zufrieden, und ich schwebe auf Wolke 7 :-D

Danke Dir ;)

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Re: Reithalfter gut fürs Pferd

Beitragvon Neddie » Sa 25. Mai 2013, 23:02

Ich wollte das Thema nochmal aufgreifen, weil`s bei mir immer noch hakt.
Also: alle sind sich einig, dass das Gebiss nur an den Backenstücken und damit am Genick hängt, nicht war?
Und dann kommt das Reithalfter ins Spiel. Ich versuch mal zu beschreiben, wie ich das verstehe :shy:
Wenn das Gebiss Druck auf Zunge und Laden ausübt, würde das Pferd durch Maulaufsperren versuchen, dem Druck zu entgehen. Und da hält das Reithalfter gegen. Soweit, so gut.

Würde also heißen: Gebissdruck ist unangenehmen, aber da wir zum korrekten Reiten (bei englischer Reitweise) ein wenig Druck brauchen (= Anlehnung) und den Druck zwischendurch mal erhöhen müssen, muss das Reithalfter das Maul zu halten, damit das Pferd sich nicht entziehen kann.

Verstehe ich soweit :!: Und wie soll das jetzt mit der DruckVERTEILUNG funktionieren :?: Also: Das Pferd öffnet das Maul, kann das aber nicht wirklich, weil der Riemen es mechanisch von außen zu hält. Dadurch entsteht natürlich Druck auf den Nasenrücken und die Kieferknochen.

Aber inwiefern verteilt das den Zügeldruck? :kratz:
„Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen.“

Kurt Tucholsky


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