Muskelarbeit bei Western-und Englischpferden

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Sunday
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Muskelarbeit bei Western-und Englischpferden

Beitragvon Sunday » Do 21. Nov 2019, 09:24

Ich war am Wochenende bei einem Kurs. Dort ging es um Osteopathie, Gebäudebeurteilung und ähnliches.
Es waren Westernpferde dabei sowie 1 Working E. Pferd und sowie Englisch gerittene Pferde + Traber.
Bei den Westernpferden ist mir aufgefallen, das diese eine sehr starke Mittelpositur haben.
Das heißt die Bauchmuskeln waren vergleichsweise gut ausgeprägt und der Rücken war "weit oben" und ohne hängenden Brustkorb.
Da stellt sich mir die Frage, warum ist das so.
Natürlich sind die Pferde kleiner und haben einen anderen Hebel.
Aber auch im Internet sieht man westerngerittene Wb`s die ähnlich bemuskelt sind. Allein an der Rasse kann es also nicht liegen.
Zu meinem Brainstorming kam dann noch dazu, dass man bei der Equikinetik im Trab auch eher untertourig arbeiten soll, um die Muskeln ansprechen zu können.
Wenn ich also beide Reitweisen gegenüberstelle, dann haben wir den "normalen Freizeitenglischreiter".
Dieser reitet in seiner Einheit sein Pferd im Arbeitstempo, meist durchs Genick und höher eingestellt und "nur" zum erwärmen in Vorwärts-abwärts Stellung.
Ein "normaler Westernreiter" hingegen reitet sein Pferd (-achtung gefährliches Halbwissen-) hauptsächlich vorwärts-abwärts (wenns klappt mit offenem Genick) und arbeitet im Jog. In diesem Tempo wäre ich als Englischreiter untertourig und hätte Angst den Trab "kaputt" zu reiten.
Hat sich jemand schon einmal mit er Thematik befasst und geguckt woran es liegt?
Es kann natürlich auch an den Verschiedenen Lektionen liegen, denn beim Westernreiten kommt z.B. Rückwärtsrichten sehr früh vor, wohingegen es im FN-Sport erst ab Klasse L? vorkommt.
Zudem reiten zwar die klassischen Dressurleute Seitengänge aber im FN- Sport ist es relativ spät und meist im Freizeitsport schon fast ausgestorben. Die Westernreiter machen öfter ein "Tor auf" und üben die Verschiebung des Pferdes...

Also es gibt schon Unterschiede in der Reitweise, aber warum haben Westernpferde so tolle Bauchmuskeln??

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Re: Muskelarbeit bei Western-und Englischpferden

Beitragvon Belgano » Do 21. Nov 2019, 11:06

Mehr Galopparbeit?

Ich kenne aber auch westerngerittene Quarterhorse mit eher mäßiger Mittelpositur. Da würde ich es aber deutlich mit der Qualität des Trainings in Verbindung bringen.

Ansonsten finde ich schon dass die Rasse eine Rolle spielt. Manch völlig untrainierter Quarter hat Muskelpakete, an die ein voll im Training stehender Blüter nie ran kommt.
Oder der westerngerittene Araber wird auch nie wie ein Quarter aussehen.
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Re: Muskelarbeit bei Western-und Englischpferden

Beitragvon Sunday » Do 21. Nov 2019, 11:41

nehmen wir maldieses Bild
es läuft ein Araber im Jog, ich glaube für Westernreiter ist dieses Pferd gut geritten.
Und hier die Dressuraraber.

@Belgano, verstehst du anhand der Bilder, was mich gerade zum nachdenken bringt?

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Re: Muskelarbeit bei Western-und Englischpferden

Beitragvon Belgano » Do 21. Nov 2019, 11:47

Ja ich denke ich verstehe dich.

Ich finde die Pferde vom zweiten Link allerdings auch nicht sonderlich gut geritten. :shy: Wäre jetzt nicht mein Beispiel für gute Dressurarbeit.
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Re: Muskelarbeit bei Western-und Englischpferden

Beitragvon Belgano » Do 21. Nov 2019, 11:53

Habe mir nochmal das erste Bild angeschaut. Irgendwie macht das auf mich auch keinen wirklich lockeren Eindruck. Die HH tritt nicht bis zum Schwerpunkt, ein imaginäres Dreieck über der Vorhand ist deutlich größer als über der HH. Der Lendenbereich sieht so aufgezogen aus, deswegen ist vielleicht das Hinterbein daran gehindert, frei vorzuschwingen?

Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren.
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Re: Muskelarbeit bei Western-und Englischpferden

Beitragvon Sunday » Do 21. Nov 2019, 11:56

Belgano hat geschrieben:
Do 21. Nov 2019, 11:47
Ja ich denke ich verstehe dich.

Ich finde die Pferde vom zweiten Link allerdings auch nicht sonderlich gut geritten. :shy: Wäre jetzt nicht mein Beispiel für gute Dressurarbeit.
Ich glaube du hängst zu sehr in der klassischen Reitkunst ;) Denn ich glaube die Dressuraraber sind durchaus der Alltag in einem FN Stall...
Denn haben wir ein L platzierten Araber- das mittlere Bild der Seite...
das untere Bild ist ein Araber- Hannoveraner und damit leider nicht ganz aussagekräftig.
obwohl ich gestehen muss, das die Rubrik Western auf der Seite gruselig ist.

Bei mir stellt sich halt die Frage: Ist der Jog zuträglicher für die Mittelpositur als der Arbeitstrab... und gibt es noch mehr was man sich abgucken kann...???

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Re: Muskelarbeit bei Western-und Englischpferden

Beitragvon Sheitana » Do 21. Nov 2019, 12:35

Eigentlich sollte (dürfte) es da in keiner Reitweise Unterschiede geben..
Klar, ein Westernpferd ist rein optisch erstmal besser bemuskelt, weil die von Natur aus eine andere Muskulatur mitbringen und ein Vollblüter/Traber wird auch gut bemuskelt neben dem Westernpferd immer noch wie ein Hemd aussehen (liegt übrigens auch an verschiedenen Arten von Muskulatur).

Nichts desto trotz könnte ich mir vorstellen, dass das Zielbild im Westernreitern - was vom Headset her eher einem v/a entspricht - da mehr zum Vorteil des Pferdes dient, als das Zielbild in der Dressur - max. Aufrichtung. Eine erzwungene, zu hohe Aufrichtung, die das Pferd muskulär nicht leisten kann verleitet m.M. nach mehr dazu, den Rücken weg zu drücken, als ein Daherlatschen in einem eingebildeten v/a.

Und ich könnte mir vorstellen, dass der Westernfreizeitreiter auch noch vielseitiger unterwegs ist und, dass bei den Westernleuts eher mal mit Stangen gearbeitet wird, als bei reinen Dressurreitern. Bei uns im Stall sind ja fast nur Westernreiter und es gibt keinen Tag, an dem nicht irgendjemand irgendwelche Stangenkombis aufgebaut hat. Die werden mal mehr und mal weniger genutzt, aber wir alle trainieren regelmäßig damit. Wohingegen ich die Dressurreiter wirklich immer nur ohne Stangen arbeiten sehe.

Ganz ketzerisch könnt ich jetzt auch sagen wir haben die längeren Sporen und animieren die Bauchmuskeln besser :-P *scherz*

Allerdings glaube ich, dass sich da die Läger nix tun. Es gibt Westernpferde, die übelst auf der VH latschen und Dressurpferde, die in eine Haltung gezwungen sind, die sie nicht tragen können.

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Re: Muskelarbeit bei Western-und Englischpferden

Beitragvon Sunny77 » Do 21. Nov 2019, 13:15

Hm... Das finde ich wirklich sehr interessant und auch sehr schwierig. Ich glaube tatsächlich, dass es sowohl durchhängende Western-Freizeitpferde gibt, als auch stabil in der Mitte ausgeprägte FN-Dressurpferde. Als ich Bilbo letztes Jahr übernommen habe, war er sehr schön bemuskelt, ich habe das Gefühl, dass seine Bauchmuskeln heute eher durchhängen. Und das trotz Galopparbeit, Stangen, Seitengängen und viel v/a. Ich selbst reite aber auch ganz anders als schattenstern vorher. Ich habe nicht mal halb so viel Körperspannung... Und Bilbo deswegen scheinbar auch nicht. Ob das also ein Unterschied zwischen Reitweisen ist oder einfach ein Unterschied, WAS trainiert wird und WIE trainiert wird - das kann ich für ich so nicht entscheiden. Ich tendiere aber eher zum zweiten.

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Re: Muskelarbeit bei Western-und Englischpferden

Beitragvon Sheitana » Do 21. Nov 2019, 13:33

Und dann kommt es natürlich auch noch drauf an, was das Pferd von sich aus für eine Körperspannung und für ein Bindegewebe mit bringt.

Georgia z.B. hat ein irre gutes Bindegewebe, wenn auch teils nur mäßige Körperspannung. Sie hat einen laaangen Rücken, der ja im Prinzip prädestiniert dafür wäre durchzuhängen, aber ihre ersten beiden Fohlen hat man ihr kaum angesehen, danach war sie sofort wieder schlank. Bei ihr hat immer wenig Training gereicht, dass sie einen guten Rücken hatte, sobald sie im Arbeitsmodus ist und sei es auch nur im Schritt hebt sie automatisch über die Bauchmuskeln den Rücken mit an (würde sie das nur sonst auch tun :tuete:). Trotz all ihrer Probleme über die Jahre hat das Bisschen immer gereicht, einen gut bemuskelten Rücken zu erhalten.
Jetzt beim 4. Fohlen sieht man schon, dass der Rücken langsam etwas hängt, aber wenn man bedenkt, dass sie ja nix tut sieht sie immer noch top aus, da gibt es manch ein Reitpferd, was viel viel schlimmer aussieht.

Abby hat das von ihr geerbt. Arbeitsmodus heißt automatisch über den Bauch den Rücken heben. Bei ihr sieht man auch sehr gut, wie die Bauchmuskeln sofort arbeiten. Auch sie hätte vom Rücken her eher die Tendenz, dass der hängt, aber auch sie hatte ohne bzw mit wenig Training sofort eine gute Oberlinie.

Ron hingegen hat da etwas mehr von seinem Papa geerbt, der hatte immer ein bisschen Wohlstandsbäuchlein, weil er den Bauch gerne hat hängen lassen, selbst, als er voll im Training stand. Ist bei Ron genauso und bei ihm ist es deutlich mehr Arbeit, ihn zu animieren den Rücken mittels Bauchmuskeln zu heben. Hätte er keine gute Reiterin, die da immer wieder dran arbeiten würde, dann hätte er auch schnell einen hängenden Rücken und entsprechend wenig Muskeln oben rum..

Also vermutlich kommt alles ein wenig zusammen. Was trainiert wird, wie trainiert wird und wie "gut" Reiterlein die Dinge erarbeitet bekommt.

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Re: Muskelarbeit bei Western-und Englischpferden

Beitragvon Sunny77 » Do 21. Nov 2019, 15:21

Sheitana hat geschrieben:
Do 21. Nov 2019, 13:33
Also vermutlich kommt alles ein wenig zusammen. Was trainiert wird, wie trainiert wird und wie "gut" Reiterlein die Dinge erarbeitet bekommt.
Genau das wollte ich sagen :D (ach könnte ich mich doch so präzise ausdrücken manchmal ^^)


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