Die Ausbildungsskala...

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Beate1712
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Re: Die Ausbildungsskala...

Beitragvon Beate1712 » Di 25. Jul 2017, 09:25

Mach ich genauso. Ich nehm den Galopp recht zeitig dazu, weil meine Pferde sich im Galopp am Besten lösen. Versammlung ist bei meiner Jungstute noch kein Thema, da ist eine gute Arbeitshaltung das höchste der Gefühle. Richtig Gewicht nach hinten verlagern mach ich da momentan nur kurz am Boden.
Bei den anderen sind das auch Sequenzen von vielleicht 10-20m um sie danach schon wieder zu entlassen.
Was ich so oft sehe, ist gerade in der Ausbildung der Pferde, dass sich die Leute zu wenig Zeit für den Takt nehmen. Immer wird sofort deutliche Verbindung zum Maul aufgenommen....... man muss ja schließlich lenken. :roll:

Gerade bei jungen Pferden bewirkt das dann fast immer, dass sie anfangen den Rücken festzuhalten.

Takt ist also immer der Anfang. Und zwar wie ein Metronom, ganz locker und zwanglos, mit dem Hals zum Balancieren. Daraus ergibt sich Losgelassenheit meist von allein, weil das Pferd nicht gestört wird im Prozess des physischen und mentalen Loslassens.
Die Anlehnung entsteht dann durch das anbieten eines leichten Kontaktes zum Gebiss. Das ist manchmal kniffelig, besonders bei hochgezogenen Pferden mit leichtem Genick.

Was ich an der Reihenfolge allerding verändere ist Geraderichten. Geraderichtung kommt bei mir vor ( bewusst gerittenem) Schwung. Zumindest im Ansatz. Denn solange VH und HH nicht auf einer Linie sind, kann mM. nach gleichmäßiger, gesunderhaltender Schwung nicht gezeigt werden.
Es ist oft viel schwerer, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben!

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Heupferdchen
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Re: Die Ausbildungsskala...

Beitragvon Heupferdchen » Fr 1. Sep 2017, 10:48

Spannende Diskussion, die ich leider viel zu spät entdeckt habe. Meine Frage - viel zu interessant, im sie als PN zu stellen - führt noch weiter ins OT:
Ich stimme mit Sacra überein, dass auch Reiter eine Ausbildungsskala brauchen. Wie sieht die für euch aus? An welchen Punkten arbeitet ihr konkret während einer Reiteinheit?
Beate1712 hat geschrieben:
Fr 21. Jul 2017, 09:00
Genau. Und da steht man dann als Lehrer ziemlich zwischen Baum und Borke. Denn in der "anderen Kategorie " gibts dann auch noch die Unterteilung in die, die nicht wollen und die, die wollen, aber nicht können. ;-)
Die einen von den anderen zu unterscheiden geht noch recht schnell. Alle die wollen, aber nicht können, sind die angenehme, dankbare Fraktion. Sicher werden sie nie so weit kommen, wie talentiertere Reiter. Aber man kann ihnen Spass an dem vermitteln, was sie tun. Auch wenns nicht perfekt ist. Denn diese Pferdebesitzer haben auch gar keinen Anspruch an Perfektion. Sie freuen sich öfter und mehr über die kleinen Erfolge.
Die , die unterbewusst gar nicht wollen, sind die schwierigsten Kandidaten.
Das ist nicht böse gemeint - aber ein wenig schockiert mich diese Aussage schon. Wie gestaltest du die Ausbildung eines talentierten Reiters? Wie die eines untalentierten Reiters? Teilst du auch deine Berittpferde in solche Kategorien ein?

Mir will immer noch nicht in den Kopf, warum gerade im Reitsport dieses ominöse Talent eine so große Rolle spielen soll.

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Sunday
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Re: Die Ausbildungsskala...

Beitragvon Sunday » Fr 1. Sep 2017, 11:00

Heupferdchen hat geschrieben:
Fr 1. Sep 2017, 10:48
Spannende Diskussion, die ich leider viel zu spät entdeckt habe. Meine Frage - viel zu interessant, im sie als PN zu stellen - führt noch weiter ins OT:
Ich stimme mit Sacra überein, dass auch Reiter eine Ausbildungsskala brauchen. Wie sieht die für euch aus? An welchen Punkten arbeitet ihr konkret während einer Reiteinheit?
Beate1712 hat geschrieben:
Fr 21. Jul 2017, 09:00
Genau. Und da steht man dann als Lehrer ziemlich zwischen Baum und Borke. Denn in der "anderen Kategorie " gibts dann auch noch die Unterteilung in die, die nicht wollen und die, die wollen, aber nicht können. ;-)
Die einen von den anderen zu unterscheiden geht noch recht schnell. Alle die wollen, aber nicht können, sind die angenehme, dankbare Fraktion. Sicher werden sie nie so weit kommen, wie talentiertere Reiter. Aber man kann ihnen Spass an dem vermitteln, was sie tun. Auch wenns nicht perfekt ist. Denn diese Pferdebesitzer haben auch gar keinen Anspruch an Perfektion. Sie freuen sich öfter und mehr über die kleinen Erfolge.
Die , die unterbewusst gar nicht wollen, sind die schwierigsten Kandidaten.
Das ist nicht böse gemeint - aber ein wenig schockiert mich diese Aussage schon. Wie gestaltest du die Ausbildung eines talentierten Reiters? Wie die eines untalentierten Reiters? Teilst du auch deine Berittpferde in solche Kategorien ein?

Mir will immer noch nicht in den Kopf, warum gerade im Reitsport dieses ominöse Talent eine so große Rolle spielen soll.
Interessant...
für mich gibt es kein Talent bei Reitern, sondern eher welche die mehr Empathie fürs Pferd haben und welche die den Draht einfach nicht bekommen... es hat viel mit Vorstellungskraft und Einfühlen zu tun. So ist jedenfalls meine Meinung, dazu kommen natürlich die körperlichen Schwächen und Stärken jedes einzelnen...
Für mich ist bei einem Pferdemensch erst einmal wichtig, dass er ein Grundverständnis für das Pferd entwickelt. Sprich er muss sich vorstellen können- wie sich die Hilfen anfühlen und warum sie genau so gegeben werden. (nur Vorstellung)
Dann kommt der Takt auch beim Menschen, denn ohne diesen kann ich nicht unabhängig sitzen (wenn er dazu noch die gelernte Vorstellung zu den Hilfen einsetzt, kann er an der Longe schon beginnen diese Impulse umzusetzen- damit der Sitz des Reiters mit den Gewichts und Schenkelhilfen gefestigt werden.)
Und als letztes kommen die Zügel dazu, denn ich finde diese fast unwichtig, wenn die Gewichtshilfen, der Takt und der losgelassene Sitz vorhanden sind.
In diesem Schema kann man auch Pferd und Reiter gut zusammen bringen, denn so bekommt auch ein Pferd langsam vertrauen zu dem neuen Reiter (ich rede von ausgebildeteten Pferden)
Falls es Probleme beim Sitz gibt, nutze ich gerne die Lehren von Hr. Meyners und die Franklinbälle ;-)

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Re: Die Ausbildungsskala...

Beitragvon Sheitana » Fr 1. Sep 2017, 11:35

Es gibt aber leider genug Menschen, die so wenig Kontrolle über ihren Körper haben, dass sie die Dinge die wichtig sind schlicht nicht umgesetzt kriegen und das auch nie lernen werden. Ich hab da den Ein oder Anderen in meinem Leben kennen gelernt. Das sind deshalb keine schlechten Pferdemenschen, die können super gut in Bodenarbeit sein und reiterlich nur Spazierreiter (und die Gesunderhaltung des Pferdes am Boden fördern), aber sie werden eben nie richtige Reiter. Ist doch nichts Schlimmes :nix:

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Re: Die Ausbildungsskala...

Beitragvon Sunday » Fr 1. Sep 2017, 13:07

Sheitana hat geschrieben:
Fr 1. Sep 2017, 11:35
Es gibt aber leider genug Menschen, die so wenig Kontrolle über ihren Körper haben, dass sie die Dinge die wichtig sind schlicht nicht umgesetzt kriegen und das auch nie lernen werden. Ich hab da den Ein oder Anderen in meinem Leben kennen gelernt. Das sind deshalb keine schlechten Pferdemenschen, die können super gut in Bodenarbeit sein und reiterlich nur Spazierreiter (und die Gesunderhaltung des Pferdes am Boden fördern), aber sie werden eben nie richtige Reiter. Ist doch nichts Schlimmes :nix:
Ja absolut, ich werde auch kein stilist, denn ich muss meine Fehler auch am Boden wieder gut machen, das sehe ich nicht als schlimm an... es ging aber doch darum wie man es im Idealfall machen würde, wenn jemand reiten lernen möchte, oder?

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Re: Die Ausbildungsskala...

Beitragvon Sheitana » Fr 1. Sep 2017, 13:32

Oh sorry, das war auf Heupferdchen bezogen, wollte eigentlich zitieren :shy:
Mir will immer noch nicht in den Kopf, warum gerade im Reitsport dieses ominöse Talent eine so große Rolle spielen soll.

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Re: Die Ausbildungsskala...

Beitragvon Sunday » Fr 1. Sep 2017, 13:47

Sheitana hat geschrieben:
Fr 1. Sep 2017, 13:32
Oh sorry, das war auf Heupferdchen bezogen, wollte eigentlich zitieren :shy:
Mir will immer noch nicht in den Kopf, warum gerade im Reitsport dieses ominöse Talent eine so große Rolle spielen soll.
Kein Problem... :schulter: es ist Freitag, da kann man schon mal das Zitat vergessen ;)

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Re: Die Ausbildungsskala...

Beitragvon Heupferdchen » Fr 1. Sep 2017, 14:04

Sunday hat geschrieben:
Fr 1. Sep 2017, 13:07
es ging aber doch darum wie man es im Idealfall machen würde, wenn jemand reiten lernen möchte, oder?
:-n
Ich denke, am Körpergefühl arbeitet jeder von uns, oder? Ich jedenfalls. Wenn ich Reitvideos von mir sehe und das mit dem Reitgefühl vergleiche, gibt's immer noch Unterschiede. Man kann aber durchaus was tun für ein besseres Körpergefühl. Oder gibt es da einen Grad, wo alles zu spät ist und man nur noch sagen kann 'kauf dir besser ein Fahrrad'?

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Re: Die Ausbildungsskala...

Beitragvon Sunday » Fr 1. Sep 2017, 14:15

Heupferdchen hat geschrieben:
Fr 1. Sep 2017, 14:04
Sunday hat geschrieben:
Fr 1. Sep 2017, 13:07
es ging aber doch darum wie man es im Idealfall machen würde, wenn jemand reiten lernen möchte, oder?
:-n
Ich denke, am Körpergefühl arbeitet jeder von uns, oder? Ich jedenfalls. Wenn ich Reitvideos von mir sehe und das mit dem Reitgefühl vergleiche, gibt's immer noch Unterschiede. Man kann aber durchaus was tun für ein besseres Körpergefühl. Oder gibt es da einen Grad, wo alles zu spät ist und man nur noch sagen kann 'kauf dir besser ein Fahrrad'?
Es gibt Menschen die sind so talentfrei, aber haben so viel Pferdeliebe und Verstand, dass es schade wäre, wenn diese sich ein Rad kaufen. Manche Pferde wären auch bei talentfreien tollen Menschen mit Sachverstand besser aufgehoben als bei den talentierten Superreitern die aber leider keine Liebe und Verständnis haben. Deshalb sollte man Leute ohne Talent nicht einfach "weg schicken", man muss sie an die Hand nehmen und ihnen das Werkzeug in die Hand geben um auch dieses Hobby gut und zufriedenstellend ausführen zu können.
Der eigene Anspruch ist meistens der Höchste, schließlich wissen wir alle wie ein traumhafter-super-Sitz auszusehen hat.
Ich finde es wichtig sein Tun zu reflektieren, aber ich finde es schadhaft wenn man beginnt Erbsen zu zählen.
Jeder muss für sich seine Stärken und Schwächen erkennen und damit leben bzw daran arbeiten.

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Re: Die Ausbildungsskala...

Beitragvon Sheitana » Fr 1. Sep 2017, 15:08

Ich finde auch nicht, dass diese Leute sich ein Fahrrad kaufen sollten :-u
Nur unter Umständen ist der Traum mit den Pferd unterm Sattel durch die Halle zu schweben eben auch nicht erreichbar. Deswegen gibt es ja genug, was man sonst mit dem Pferd machen kann.
Ich erinnere mich an jemanden, die hatte ein SO schlechtes Körpergefühl, da hat man jede Reiteinheit wieder völlig am Anfang angefangen. Da gab es auch nach vielen geduldigen Einheiten so wenig Fortschritt, dass sie kaum einen Schritt alleine oben sitzen konnte. Ich glaube nicht, dass das jemals was geworden wäre. Manche haben ihr Nicht- Talent versucht durch Kraft zu ersetzen. Da fehlte es dann an Empathie.

Es gibt soviele Möglichkeiten mit Pferden, muss ja nicht immer das Reiten sein.

Ich würde in meinem Leben z.B super gerne singen. Kann ich nicht. Lerne ich auch nimmer, es hört sich auch wenn ich die Töne treffe schlicht nicht schön an. Manchmal ist das einfach so.


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